Kleines Wunder von Kuemmmel (13. Kalendertörchen) ================================================================================ Kapitel 1: ----------- „.. und du glaubst, dass mich dieses Zeug wieder groß machen wird?“ Mit ungläubigen Blicken betrachtete der kleine Junge das durchsichtige Fläschchen mit dem grünlichen Inhalt und legte nachdenklich die Stirn in Falten. Wie oft hatte er nun schon irgendwelche ’Wundermittelchen’ versucht? Wie oft war es zu einer Veränderung gekommen? Und wie oft waren diese Veränderungen im Laufe von Stunden wieder verschwunden? Dass es gerade jetzt klappen UND auch für immer halten sollte konnte sich der Braunhaarige einfach nicht vorstellen. Nächtelang hatte er wach gelegen und sich den Kopf darüber zerbrochen was er machen würde, was er erzählen konnte und wie sein Leben dann weitergehen würde, wenn er wieder seine eigentliche Gestalt zurück erlangt hatte – doch eine zufriedenstellende Antwort hatte er bis jetzt nicht finden können. Außerdem war es doch vollkommen unvorstellbar, dass es eines Tages wirklich einen Ausweg aus dem Körper eines Grundschuljungen gab, oder? „Die Frage nach meinem Glauben tut hier nichts zur Sache, Kudo! Nach meiner letzten Untersuchung ist die Wahrscheinlichkeit einer fehlerhaften Reaktion quasi gleich Null! Letztendlich ist es jedoch ganz allein deine Entscheidung ob du auf mich hörst und es trinkst. Aber stell dir nur vor welche Auswirkungen es hätte wenn ich nur eine Zutat falsch hinzugefügt hätte ..“ „Dann wäre das Gegenmittel aber auch für dich vollkommen uninteressant!“ „Wer hat gesagt, dass ich Interesse an diesem Gegenmittel habe?“ „Du kannst mir nicht erzählen, dass du das hier alles nur für mich alleine machst, Ai! Dich stört es genauso wie mich im Körper eines Grundschulkindes herum laufen zu müssen. Du würdest auch lieber deinen eigenen Körper zurück haben wollen. Also versuch mir nicht klarzumachen, dass du dieses Leben hier genießt!“ Die Stimme des kleinen Jungen war bei diesen Worten deutlich ernster geworden. Nein, er glaubte ihr nicht. Sie konnte ihm nicht weismachen, dass sie ihr Leben, so wie es gerade war, gut fand. Die beiden teilten dasselbe Schicksal, die eine gewollt – der andere gezwungen, doch zufrieden war keiner. Die Grundschule hatten beide schon vor Jahren abgeschlossen und den Unterricht dort nun wieder täglich besuchen zu müssen war nicht nur langweilig, sondern auch unnötig. Doch einen Ausweg aus diesem Schicksal gab es nur für Stunden – nicht für immer. Bis jetzt .. Ohne auch nur ein weiteres Wort zu sagen steckte der Junge das kleine Fläschchen mit dem grünlichen Inhalt in seine Hosentasche und sprang von dem Stuhl, auf dem er bis gerade eben noch gesessen hatte. „Ich muss zurück zur Detektei. Ran wartet sicher schon ..“ Verabschiedete sich der Braunhaarige schließlich und griff nach seiner Schultasche, die er über die linke Schulter hing. Kurz wandte er den Blick noch einmal dem scheinbar gleichaltrigen Mädchen zu. „Du würdest nichts herstellen was dir selbst nichts nützt, Ai!“ Erwiderte er schließlich nach einigen Momenten der Stille, schmunzelte und wandte sich zum Gehen um. „Du weißt noch lange nicht alles über mich, Kudo ..“ Murmelte das junge Mädchen mit leiser Stimme und lehnte sich auf dem großen Sofa zurück. „Ich bin wieder da!“ „Hallo Conan! Das Essen ist gleich fertig. Geh dir bitte schon mal die Hände waschen und könntest du Paps bescheid sagen? Er ist noch im Büro!“ „Jaha. Ich hol ihn!“ .. „Onkel Kogoro? Ran hat mich geschickt. Ich soll dich zum .. na klasse ..“ Ein leises Seufzen verließ die Lippen des Jungen als er das Büro der Detektei betrat. Der ach so berühmte Meisterdetektiv Kogoro Mori war zwar anwesend, doch dies nur körperlich – nicht geistig. Auf dem Schreibtisch stand ein kleiner Fernseher, eingeschaltet, aus dem einige Passagen eines Interviews zu hören waren. Yoko Okino, Kogoros Meinung nach das größte Sternchen am Musikhimmel, würde im kommenden Winter eine neue Tour starten und zu dieser Sensation gab es nun das erste Interview. Das der Privatdetektiv einen solch wichtigen Beitrag verschlief war Conan ein Rätsel. Doch als er die vielen leeren und zum Teil umgekippten Bierdosen auf der Schreibtischplatte sah kannte er den Grund für den vorgezogenen Mittagsschlaf des Älteren. „Du hast den Namen Meisterdetektiv wirklich nicht verdient!“ Murmelte Conan mit leiser Stimme und wandte sich wieder der Zimmertüre zu. Es war falsch den Schlafenden nun zu wecken. Einen solchen Fehler hatte er bereits einmal gemacht und die laute Standpauke hallte ihm bis zum heutigen Tag noch in den Ohren. Doch Kogoro war an dieser Stelle selber Schuld, dass er ein kaltes Essen bekommen würde – außerdem würde es ihm nicht gefallen, dass er am Abend alleine essen musste. Oh oh, die schlechte Laune, die Ran nun haben würde, konnte sich der kleine Junge schon jetzt vorstellen .. Das Brodeln und Blubbern in einem der Kochtöpfe hatte Ran nicht aus ihren Gedanken reißen können. Stillschweigend stand sie, der Herdplatte zugewandt, da – doch ihr Blick war auf das Titelthema der heutigen Tageszeitung gerichtet, die auf der Küchenzeile lag. Es hatte einen Mord an einem wohlhabenden Firmenchef gegeben und es war nur noch eine Frage der Zeit bis ihr Vater zur Hilfe hinzugezogen werden würde. Aber .. was war wenn es da bereits eine andere Person gab die zur Aufklärung dieses Mordfalls engagiert worden war? Was war wenn nur das ein weiterer Grund sein würde warum ER noch nicht zu ihr zurückkehren würde? Gab es ein Lebenszeichen so war ein Bestandteil des Gesprächs immer der aktuelle Mordfall an dem er gerade arbeitete. Wieso sollte es also beim nächsten Anruf anders sein? Das war doch die perfekte Vorgabe. „Das würdest du niemals machen, Shinichi ..“ Murmelte die Braunhaarige mit leiser Stimme, schloss die Augen und schüttelte stumm den Kopf. Sie kannte ihren langjährigen Sandkastenfreund. Er würde sie niemals anlügen. Er würde das Lösen eines Mordfalls niemals dem Wiedersehen vorziehen. Oder doch ..? Langsam öffnete Ran die Augen wieder und mit einem Mal war da diese Wut in ihr. Wie konnte er es eigentlich wagen sich so lange nicht bei ihr zu melden? Redeten die beiden dann doch miteinander so war sein Leben interessanter als ihres. Wütend ballte die junge Frau beide Hände zu Fäusten und verengte die Augen zu Schlitzen. Warum schlich sich dieser Möchtegern Detektiv eigentlich schon wieder in ihre Gedanken?? Da hatte er gar nichts zu suchen! Augenblicklich riss sie beide Arme in die Luft und schaffte es mit dieser Geste beinahe den heißen Kochtopf von der Herdplatte zu schubsen. Erschrocken über ihre eigene Ungeschicklichkeit wich die Braunhaarige einen großen Schritt zurück. „ARGH! Und das alles nur wegen dir, du Idiot!“ Fluchte sie mit lauter Stimme und sorgte bei ihrem stummen Beobachter für ziemlich erstaunte Blicke. Ob es jetzt immer noch eine gute Idee war Ran davon zu erzählen, dass ihr Vater das Essen verschlafen würde? „Er soll ja nicht glauben, dass ich ihm noch einmal sein Lieblingsessen koche. Das hat er sich selber zuzuschreiben! Da bestellt er sich etwas und dann kommt er noch nicht einmal hierhin! Ich werde ihm sein Essen nicht warmmachen, das kann er schön selber machen. Wie kann man sich nur am frühen Nachmittag schon betrinken!?“ „Du kennst Onkelchen doch, Ran. Sicherlich wollte er nur ein Bier trinken und daraus sind ein paar mehr geworden.“ Erwiderte Conan in seiner kindlichen Art und versuchte die aufgebrachte Ältere so ein wenig zu beruhigen. „Nimmst du ihn jetzt auch noch in Schutz!?“ Erkundigte sich Ran mit deutlich fassungsloser Stimme als sie die Worte des kleinen Jungen hören konnte. „Aber ne .. nein!“ Erwiderte dieser sofort, hob abwehrend die Hände und schüttelte schnell den Kopf. Er musste einen Ausweg aus dieser Situation hier finden, denn wenn sich Ran erst einmal in Rage geredet hatte konnte sie ziemlich unangenehm ausflippen und DAS wollte er nicht am eigenen Leib erleben! „I .. ich .. ich dachte ja nur .. also vielleicht brauchte er einfach ..“ „Du hälst also wirklich zu Paps? Das glaub ich nicht. Ihr Männer seit doch alle gleich!!“ //Jetzt aber mal langsam, Ran!!// Schoss es Conan durch den Kopf bevor er gerade noch einem fliegenden Geschirrtuch ausweichen konnte. War das wirklich schon der erste Schritt zu einem großen Ausraster? Die, zur Faust geballte rechte Hand, deutete jedoch auf einen Sprung vom ersten zum dritten Schritt hin – jetzt sollte man lieber das Weite suchen! „Mir .. mir fällt ein, dass ich ganz dringend noch Hausaufgaben machen muss!“ .. und noch bevor Ran geräuschvoll einen gespülten Kochtopf auf die Arbeitsplatte stellte, besser gesagt knallte, war der kleine Junge schon aus der Küche verschwunden. Puuh, gerettet .. „Warum muss das Telefon denn gerade jetzt klingeln? – Ich komm ja schon!“ Heute war aber auch wirklich ihr Unglückstag: Zuerst war es eine schlechte Note, die ihr den Schultag vermiest hatte, dann das Vergessen einer schriftlichen Hausaufgabe, dann der beinahe Stoß vom Mittagessen und zu guter Letzt störte ein Anrufer die Zeit in der sie eigentlich ein wenig Ruhe haben wollte. Wenn das kein wichtiger Anruf war, dann würde die Person am anderen Ende der Leitung einem großen Wutausbruch zum Opfer fallen! „Hier bei Mori.“ Entgegnete Ran am Telefon und versuchte ihre Stimme dabei möglichst ruhig zu halten. „Wie kann man nur so ungeschickt sein und einen Kochtopf vom Herd werfen. So tollpatschig ist auch keiner außer dir, Ran!“ Fassungslos, über eine solche Begrüßung am Telefon, öffnete die junge Frau die Lippen, doch kein Wort verließ diese – zu groß war ihre Überraschung. „Na, hab ich es jetzt geschafft dich sprachlos zu machen? Schade eigentlich, ich dachte du wärst an einem Gespräch intere..“ „Was fällt dir eigentlich ein mich so zu begrüßen, Shinichi! Du hast wohl noch nie etwas von Anstand gehört, oder? Das ist wieder einmal so typisch für dich! Hauptsache du kannst dich über andere Menschen lustig machen und du selber stehst ..“ Doch mit einem Mal brach Ran den Wutausbruch ab. Wie erstarrt blieb sie im Flur der kleinen Wohnung stehen und starrte auf das Schnurtelefon hinunter, das auf einer kleinen Kommode stand. Moment! Hatte sich Shinichi da am Telefon wirklich gerade über sie lustig gemacht? Hatte er ihr wirklich vorgehalten, dass sie zu tollpatschig zum Essen kochen war? Sekunden der Stille vergingen, doch dann fand Ran ihre Stimme wieder – deutlich leiser als zuvor. „Woher hast du gewusst, dass ich gekocht habe, Shinichi?“ Erkundigte sich Ran schließlich und umfasste den Telefonhörer fester. Woher wusste er davon? War er gerade am Küchenfenster vorbeigelaufen und hatte ihre ungeschickte Situation beobachtet? Nein, das war vollkommen unmöglich, denn die Wohnung bevor sich im ersten Stock über der Detektei und Fliegen war noch nie eine Stärke des jungen Detektivs. Ein leises Lachen war an der anderen Seite zu hören. „Wenn ich dir sage, dass ich nur geschlussfolgert habe würdest du mir nicht glauben, oder?“ „Mach dich nicht lustig über mich, Shinichi!“ Antwortete die Braunhaarige mit direkter Stimme, wobei deutlich zu hören war, dass sie sich Mühe geben musste nicht wieder los zu schreien. Erst der schief gelaufene Vormittag, die Probleme beim Mittagessen und dann kam auch noch ein solcher Anruf – womit hatte sie das alles eigentlich verdient? „Ran, hey! Jetzt sei doch nicht gleich beleidigt! Ich hab von Conan gehört was mit dir passiert ist und da wollte ich mal nachfragen wie´s dir so geht.“ „Conan?“ „Jep, der Kleine hat mich vorhin angerufen und mir ..“ „DU hast mit ihm telefoniert!? Und warum hat er mir nicht davon erzählt? Vielleicht hätte ich auch noch gerne mit dir gesprochen!“ „Man, was ist denn heute los mit dir? Statt dich über alles und jeden aufzuregen solltest du mir lieber die Tür auf machen.“ Mit einem Mal war die Braunhaarige wie erstarrt. Türe öffnen? Besuch haben? War er wirklich zurückgekommen? “Ran? Hallo? Ich warte und es ist kalt draußen!“ Beschwerte sich Shinichi mit unzufriedener Stimme vom anderen Ende der Leitung aus bei ihr – doch eine Antwort bekam er nicht. Es waren nur wenige Sekunden in denen Ran vollkommen regungslos dastand. Als sie die Worte des Klassenkameraden jedoch begriff ließ sie den Telefonhörer fallen und rannte zur Wohnungstüre. Ruckartig riss sie diese auf. „Was fällt dir eigentlich ein! Seit wann telefonierst du mit Conan und warum hat mir ..“ Doch Ran kam nicht dazu weiter zu schimpfen, da vor der Haustüre gar keiner stand! Sofort wandte sie sich nach rechts und links um – dort war ebenfalls niemand. Hatte er sie nur an der Nase herumführen wollen? War er gar nicht hier? So etwas würde er ihr nie .. doch das plötzliche Knarren einer Bodendiele ließ Ran erschrocken zusammenzucken und herumwirbeln. „Shi .. Shi .. Shinichi ..?“ Murmelte sie mit leiser Stimme und sah den jungen Mann, der da mitten im Wohnungsflur stand aus großen Augen an. „Ähm, hi!“ Erwiderte dieser und kratzte sich, verlegen lächelnd, am Hinterkopf. Sekundenlang herrschte Stille zwischen den beiden Freunden. Eine Stille die so vollkommen unbekannt war. „Ich dachte ich schau mal persönlich vorbei. Eigentlich wollte ich dir nen neuen Kochtopf mitbringen, aber den hab ich nirgendwo finden können.“ Erklärte er ihr schließlich und schenkte ihr nach diesen Worten ein breites, für ihn typisches Grinsen. Ran hingegen schüttelte sprachlos den Kopf. Warum war er denn nun schon in der Wohnung? Er hatte ihr doch gerade noch erzählt, dass er vor der Wohnungstüre stand .. „Aber sag mal, wenn du schon gekocht hast kannst du mir doch bestimmt was organisieren, oder?“ Das würde seine beste Freundin doch bestimmt für ihn machen. Zwar hatte er vor ein paar Stunden erst etwas gegessen, aber irgendwie mussten sie ja hier aus dem Wohnungsflur kommen. „Glaub ja nicht, dass ich mit dem Essen nur auf dich gewartet habe, Shinichi!“ Erwiderte Ran mit direkter Stimme, schloss die Wohnungstüre und ging an ihrem Klassenkameraden vorbei in Richtung Küche. Dem jungen Nachwuchsdetektiv kam diese Geste gerade Recht. Sofort versteckte er den rechten Arm hinter dem Rücken und folgte der Braunhaarigen. Glück gehabt! Sie hatte das durchsichtige Fläschchen nicht gesehen! Doch auch dem sonst so wachen Auge Shinichis war etwas entgegen. Unter dem Fläschchen klebte ein kleiner Zettel, der eindeutig Ais Handschrift trug: ’Es wird nicht ewig halten – doch genieß dieses kleine Wunder!’ Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)