Ride the Rockers 6 - Sugar Pain von raphael_asdrai (1. Prequel zu Ride the Rockers, das Herbst 2005 kurz nach dem Final der Gama-Tour spielt. Erfahrt endlich, wie Reita und Ruki ein Paar wurden! Ist auch gut zu verstehen, ohne alle anderen FFs gelesen zu haben.) ================================================================================ Kapitel 1: ----------- Titel: Ride the Rockers - Sugar Pain Teil: 1/vermutlich 4 oder 5 Autorin: Raphaèl Asdrai Rating: MA (absolut MA) Fandom: Gazette, J-Rock, Visual Kei Pairing: Ruki und Reita Warning: Lemon, Lime, BD/SM, com Disclaimer: Nix meins. Leider ... Kommentar: Wieder einmal nichts für schwache Gemüter. Aber wem erzähl ich das eigentlich? *ggg* Und diesmal ist das Ende sogar klar! Das ist das tolle an Prequels, ne? ^^ IDEE UND STORY GEHÖREN MIR. DIE PS COMPANY UND ALLE PROTAGONISTEN GEHÖREN NUR SICH SELBST. ALLES, WAS ICH SCHREIBE, IST PURE FIKTION UND SOLL NIEMANDEN BELEIDIGEN. ICH BEZWEIFLE STARK, DASS DIE JUNGS TATSÄCHLICH SCHWUL SIND. UND SELBST WENN, DANN WÄRE DAS IHRE PRIVATANGELEGENHEIT. ***********************************+ Kapitl 1 »Verdammt, jetzt reicht es!« Ruki zog grimmig die Augenbrauen zusammen und konnte sich nur noch im letzten Moment davon abhalten, das Mikro frustriert auf den Boden zu knallen. »Reita, wenn du dich nicht endlich darauf konzentrierst, was du spielst, dann geh lieber, bevor ich dir noch in den Arsch trete! Dass die Gama-Tour zu Ende ist, heißt noch lange nicht, dass wir plötzlich einen auf Freizeit machen können!« Er ballte die Faust noch fester um das Mikro, als ihm der Bassist lediglich einen angriffslustigen Blick zuwarf, und warf es dann wütend auf die kleine Couch in der Ecke des Proberaums der PS Company, in dem sich außer ihm und Reita auch die anderen Mitglieder von Gazette befanden. Aoi wich erschrocken einen Schritt zurück, als Ruki an ihm vorbeistürmte und den Bassisten grob am Kragen packte. »Willst du mich zur Weißglut bringen, oder was?«, schimpfte er und schüttelte den anderen, dessen Augen sich verengten, bevor er Ruki von sich stieß. »Kann ich was dafür, wenn du keine ordentlichen Basslines komponieren kannst?«, gab er patzig zurück und schubste den Sänger, so dass dieser einen Schritt zurücktaumelte. »Aus deinem Gekritzel wird doch niemand schlau! Gib dir das nächste Mal ein bisschen mehr Mühe, bevor du einen neuen Song mitbringst! Oder lass es am besten gleich bleiben!« Rukis Augen weiteten sich entsetzt, bevor seine Augen so dünn wie Schlitze wurden und er die Fäuste hob. »Hast du sie noch alle?«, brüllte er aufgebracht und setzte an, um auf Reita loszugehen. »Was denkst du eigentlich, wer du bist, du kleiner eingebildeter- ... Verdammt, Uruha, lass mich-« »Stop!« Das laute Krachen der Becken des Schlagzeugs ließ Ruki zusammenfahren und als sein Blick zu Kai huschte, hatte dieser seine Drumsticks drohend erhoben, jederzeit bereit, ein weiteres Mal zuzuschlagen. Auch die anderen waren merklich zusammengezuckt und Uruha, welcher die Arme des Sängers ergriffen hatte, um ihn abzuhalten, aus dem anderen Blonden Hackfleisch zu machen, starrte den sonst so stillen Leader erschrocken an. »Jetzt kommt endlich zur Vernunft! Das kann man sich ja nicht mehr mit ansehen!«, fuhr Kai fort und schickte den zwei Streithähnen einen warnenden Blick, bevor er die Drumsticks langsam sinken ließ. »Zehn Minuten Pause, und das ist ein Befehl! Hier schlägt sich niemand die Köpfe ein!« Ruki senkte beschämt den Kopf, doch als er hört, wie Reita nur unbeeindruckt schnaubte, wurde sein Gesichtsausdruck sofort wieder finster. Nur Kais mahnender Blick konnte ihn davon abhalten, dem Blonden erneut an die Gurgel zu springen. »Ich geh eine rauchen!«, brummte er und schnappte sich seine Tasche, bevor er aus dem Raum rauschte und schweren Schrittes in Richtung Hintertür polterte. Erst als er die hellen Flure der PS Company mit ihren dunkelroten Fußböden und vereinzelten Topfpflanzen hinter sich gelassen hatte und den kühlen Herbstwind um seine Nase fegen spürte, wurde er wieder ein bisschen klarer im Kopf. Er konnte selbst nicht sagen, was ihn dazu gebracht hatte, ausgerechnet heute die Beherrschung zu verlieren. Reita, immer wieder Reita, als hätte es der andere darauf angelegt, ihm den letzten Nerv zu rauben. Seine Finger fischten nach einer Kippe und seinem Feuerzeug, doch als er es gefunden hatte, ließ er beides mit einem Seufzen wieder zurücksinken. Der Stress der letzten Wochen hatte sich schon zur Genüge auf seine Stimme gelegt, und durchs Rauchen würde dies sicher nicht besser werden. Zumal er schon seit längerem mit dem Gedanken spielte, sich diese lästige Angewohnheit abzugewöhnen. Wenn er unter Zeitdruck arbeiten musst, dann rauchte er. Wenn er Stress hatte oder es Ärger gab, dann rauchte er ebenso. Und von letzterem hatte er in letzter Zeit in der Band so viel erlebt, dass er mit dem Kippen kaufen beinahe nicht mehr hinterher kam. Nicht nur er hatte inzwischen erkannt, wer diese unangenehme Stimmung in den meisten Fällen verursachte: Reita. Er war sich noch nicht einmal sicher, wann es genau begonnen hatte. Es war normal, dass es innerhalb der Band ab und an Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten gab, aber dies war etwas anderes. Schon in den Wochen vor dem Final der Gama-Tour am 24. September in Tokyo war die Stimmung etwas gedrückt gewesen, so dass er heilfroh war, dass es von dieser Tour keine DVD geben würde, doch spätestens seitdem sie zurück in ihren normalen Alltag gekehrt waren, schien es auszuarten. Er kannte Reita schon länger als die meisten anderen der Band und hatte sich immer gut mit ihm verstanden, so dass er nicht verstehen konnte, was den Bassisten so aggressiv machte. Er schien Streit förmlich zu suchen. Angefangen hatte es mit Kleinigkeiten wie patzigen Bemerkungen oder der Tatsache, dass er Anrufe auf seinem Handy einfach wegdrückte, ohne später dafür eine Erklärung zu geben, doch seit einigen Tagen begann sich seine schlechte Stimmung auch auf die Arbeit der Band auszuwirken. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis einer von ihnen explodierte, und Ruki war noch nicht einmal überrascht, dass er es gewesen war. Zwar war Uruha viel launischer als er, aber er war derjenige mit der geringsten Toleranz gegenüber unangemessenem Verhalten, vor allem, wenn es sich darin äußerte, dass Reita mutwillig die Proben sabotierte, indem er sich bei jeder kleinen Änderung extra dumm stellte. Sie waren noch lange nicht erfolgreich genug, um ungenügende Leistungen einfach unter den Tisch kehren zu können. »Verdammter Mist ...«, brummte Ruki mürrisch und betrachtete die Zigarettenschachtel in seiner Tasche mit feindseligem Blick, bevor er schließlich doch nach einer Kippe angelte und nur Sekunden später den bläulichen Rauch inhalierte, Reita innerlich weiter verfluchend. Wäre der andere nur ein Arbeitskollege, hätte er schon lange ein ernstes Wörtchen mit ihm gesprochen, doch in freundschaftlichen Beziehungen fiel ihm so etwas viel schwerer. »Hast du eine für mich?«, ertönte eine Stimme hinter ihm und als er sich umblickte, sah er in Uruhas grinsendes Gesicht, ehe dieser ohne auf seine Antwort zu warten eine Zigarette aus der Packung nahm und sie sich ansteckte. »Kai und Aoi versuchen, Reita ein bisschen zu beruhigen«, erklärte er, ohne dass Ruki gefragt hatte und pustete den Rauch geräuschvoll in die Luft. »Kai ist übrigens nicht sauer auf dich. Ich glaube, er war selbst ganz kurz davor, einen Drumstick nach Reita zu schmeißen.« Er grinste und Ruki zwang sich ein halbherziges Lächeln auf die Lippen, ehe er nickte. Also war er nicht der Einzige, den die Situation so sehr mitnahm, wenn selbst Kai der Geduldsfaden zu reißen drohte. Er wusste, dass auch Uruha sich Sorgen machte, doch wie immer versuchte der andere es durch seine oberflächliche Art zu überspielen. »Aoi hat gestern vorgeschlagen, dass wir Reita zu einem Anger Management Training schicken«, fuhr der Gitarrist fort und schmunzelte, als er sah, wie Rukis Augenbrauen ungläubig in die Höhe wanderten. »Aoi weiß, was Anger Management ist?«, fragte er mit leichtem Schalk in den Augen und grinste, als Uruha ihn einen Moment perplex ansah, bevor er zu lachen begann. »Hey, vielleicht hat er sogar mal recht!«, meinte er schulterzuckend und nahm einen weiteren Zug. »Obwohl ich ja der Meinung bin, dass das nur daran liegt, dass Reitas Beziehung schief läuft.« »Seit wann hat er denn bitte eine Freundin?« »Keine Ahnung.« Uruha zuckte mit den Schultern und setze sich auf eine kleine Mauer. »Ich glaube, er hat sich irgendeine verzogene Tussi angelacht, die ihn nun den ganzen Tag terrorisiert und ständig Blumen haben will. Ein Grund, warum ich keine feste Beziehung habe!« Er grinste übers ganze Gesicht und baumelte mit den langen Beinen, Rukis skeptischen Blick vollkommen ignorierend. »Jaja, deinen Luxuskörper nur auf eine Person zu beschränken, wäre pure Verschwendung, wissen wir alle«, leierte er die Worte herunter, die der blonde Gitarrist jedes Mal von sich gab, wenn er wieder mal mit seinen unzähligen Abenteuern in so blumigen Worten vor ihnen prahlte, dass nicht nur Ruki zweifelte, ob sie tatsächlich alle passiert waren. »Aber warum hat Reita eine Freundin und ich weiß nichts davon?«, fuhr er fort, ein klein wenig verärgert darüber, dass Reita es nicht für nötig hielt, seine besten Freunde von so einer Entwicklung in Kenntnis zu setzen. »Keine Ahnung, ich hab sie auch noch nie gesehen.« Uruha zuckte mit den Schultern. »Aber schon vor dem Final hatte er Freitag, wo wir immer bis morgens Playstation gezockt haben, keine Zeit mehr. Sein Handy ist abends komplett aus, was es sonst nie war, und erinnerst du dich, dass er letzte Woche, als wir alle Pizza essen gehen wollten, in der letzten Minute abgesagt hat? Er hat ganz sicher eine Freundin – und wahrscheinlich ist sie so hübsch, dass er sie uns nicht vorstellt, weil er Angst hat, ich könnte mich an sie ranmachen und sie würde das Nasentangabärchen gegen einen echten Mann eintauschen!« Ruki rollte mit den Augen, als er sah, wie sich Uruha kokett eine Strähne aus dem Gesicht strich und über die vollen Lippen leckte. Doch die Worte des anderen ließen ihm keine Ruhe. Reita setzte sich tatsächlich öfter als früher von der Gruppe ab. Wenn dies an einer Freundin lag, dann hatte er die Situation gefälligst in Ordnung zu bringen. Ruki war gerne bereit, ihm zu helfen, auch wenn er in Beziehungsfragen eher Kai den Vortritt lassen würde, doch in der Band hatten solche Probleme nichts zu suchen. »Die zehn Minuten sind um«, holte ihn Uruha zurück aus seinen Gedanken, bevor er elegant von der Mauer sprang und in Richtung Tür schlenderte. »Wer weiß, vielleicht schaffen wir heute sogar noch das neue Lied.« Ruki seufzte nur schwer und nickte, doch er hätte dem anderen gleich sagen können, dass er nicht sehr davon überzeugt war. Und tatsächlich sollte er recht behalten. Reita würdigte ihn keines Blickes, als er den Raum betrat, stand nur mit mürrischer Miene vor seinem Verstärker und schraubte an den Mechaniken seines Basses herum, während Aoi hilflos lächelte und bei dem Versuch, die Stimmung durch sein gewohntes Rumalbern ein wenig zu heben, kläglich scheiterte. Kai versuchte zwar, seiner Rolle als Leader gerecht zu werden und die restlichen Mitglieder zu motivieren, doch die Probe ging so schleppend voran, dass er schließlich die Schultern hängen ließ und die Drumsticks bei Seite legte. »Schluss für heute«, sagte er und seufzte schwer. Aoi und Uruha atmeten erleichtert auf und begannen sofort, ihre Sachen in Rekordzeit zusammenzupacken, während Ruki lustlos mit dem Kabel seines Mikros spielte und sich schließlich auf die Couch fallen ließ. Sein Blick wanderte zu Reita, der noch immer schlecht gelaunt schien, doch im Gegensatz zu vorher waren seine Bewegungen fahrig und langsam, beinahe so, als hätte er die letzten Nächte nicht ordentlich geschlafen und die Erschöpfung würde nun langsam die Oberhand gewinnen. Ruki runzelte die Stirn und winkte den beiden Gitarristen, die sich mit einem kurzen Gruß verabschiedeten, nur beiläufig zu, während er Reita weiterhin im Auge behielt. Bis jetzt hatte er sich nur über die unfreundliche Art des anderen geärgert und wie alle anderen abgewartet, dass es sich von selbst besserte. Jeder wusste, dass Reita manchmal schlecht gelaunt war, und es hatte sich bis jetzt immer als die beste Variante erwiesen, ihn nicht direkt darauf anzusprechen, sondern so zu tun, als würde man es nicht bemerken, bis er sich von allein wieder abregte. Doch nun fragte sich Ruki ernsthaft, ob es vielleicht nicht besser wäre, endlich wieder klare Verhältnisse zu schaffen, bevor die Situation ein weiteres Mal eskalierte. »Anou, Ruki?« Kai fuhr sich verlegen durch die Haare und ging vor dem blonden Sänger in die Hocke, bevor er mit leiser Stimme fortfuhr. »Ich will dich nicht mit Reita allein lassen.« Ruki sah ihn einen Moment verständnislos an, bevor er begriff und sich erhob. Schweigend packte er seine Sachen und folgte dem Drummer, der sich von Reita verabschiedete, welcher ihn zu Rukis Überraschung tatsächlich beachtete und mit einem kurzen, aber freundlichen Lächeln bedachte. »Ich mach das Licht aus und schließ ab«, sagte der Bassist mit ungewohnt leiser Stimme, bevor er zum ersten Mal seit ihrem Streit zu Ruki sah. Einen kleinen Moment hatte dieser den Eindruck, der andere würde sich bei ihm entschuldigen wollen, doch da hatte sich Reita auch schon wieder abgewendet und kramte in seiner Tasche, als wäre nichts geschehen. »Bye«, murmelte er nur kurz, als Ruki hinter Kai den Raum verließ, doch sein Tonfall, der ihn plötzlich beinahe kleinlaut wirken ließ, irritierte den Sänger weit mehr als die Tatsache, dass Reita auf einmal wieder mit ihm sprach. »So kann das nicht weitergehen«, seufzte er leise, während er neben Kai zum Ausgang schlenderte, und dieser nickte nachdenklich. »Aber es ist Reita ... Vielleicht sollten wir wirklich noch ein bisschen warten«, erwiderte der andere, bevor er Ruki zulächelte und sich verabschiedete. Dieser blickte ihm gedankenversunken hinterher, bevor er den Weg zur U-Bahn einschlug. Vor einigen Minuten hatte er sich noch gefreut, endlich nach Hause zu kommen, doch nun hatte er überhaupt keine Lust mehr. Beinahe automatisch und ohne darauf zu achten, was um ihn herum geschah, bahnte er sich seinen Weg zu seinem gewohnten Gleis, vorbei an lachenden Menschen, bunten Werbeplakaten und blinkenden Anzeigetafeln hinein in die am frühen Abend heillos überfüllten Wagons. Er hatte erst zwei Stationen zurückgelegt, als er auch schon wieder aus der Bahn heraussprang und von einem plötzlichen Entschluss gepackt in die Linie einstieg, die zurück zum PS Company Gebäude führte. Doch als er dort schließlich ankam, war die Tür des Probenraums verschlossen. Ärgerlich über sich selbst schüttelte er den Kopf und machte sich ein zweites Mal an diesem Abend auf den Weg zur U-Bahn Station. Er hätte es wirklich besser wissen sollen. Natürlich war Reita schon weg! Kurz überlegte er, ob er den anderen anrufen oder zu ihm nach Hause fahren sollte, doch weder war er davon überzeugt, dass es gut war, einen Streit am Telefon beizulegen, noch wusste er, ob Reita ihm nicht einfach die Tür vor der Nase zuschlagen würde, wenn er plötzlich bei ihm auftauchte. »Was für ein Scheißtag«, brummte er missmutig, als ihm einfiel, dass er nun auch noch einen neuen Fahrschein lösen musste, als er plötzlich aus dem Augenwinkel einen hellblonden Haarschopf sah. »Reita?« Verwundert sah er dem anderen nach, der ihn nicht bemerkt zu haben schien, sondern auf eines der Gleise zusteuerte, und setzte an, ihm nachzulaufen. Die sich dicht aneinander vorbeischiebenden Menschen machten es ihm nicht einfach, drängten ihn immer wieder ab, so dass er Reita beinahe aus den Augen verlor und nur im letzten Moment sah, wie dieser in eine der wartenden Bahnen einstieg. »Verdammt«, fluchte er, als der vertraute Warnton erklang, der die Abfahrt der Bahn ankündigte, und sprintete vor, so dass er es gerade noch schaffte, sich in eine der hinteren Türen des Wagens zu quetschen, bevor diese zuging und sich die Bahn in Bewegung setzte. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie widersinnig seine ganze Aktion eigentlich war. Der Wagen war so voll, dass er nicht zu Reita durchkommen konnte, und selbst wenn, ihn in einer vollen Bahn zur Rede zu stellen, war sicherlich keine gute Idee. Er würde also warten müssen, bis sie wieder draußen waren. Ein Blick auf die Anzeigentafel der Haltestellen ließ ihn stutzen und verwirrt die Stirn runzeln. Richtung Shinjuku? Was wollte Reita an einem Dienstag Abend allein in Shinjuku? Er wohnte in einem vollkommen anderen Bezirk und so weit Ruki wusste, kannte er auch niemandem dort. Mit einem Mal kamen ihm Uruhas Worte wieder in den Sinn. Wohnte Reitas Freundin vielleicht in Shinjuku? Oder hatte er sich dort mit ihr verabredet? Ruki war zwar nicht ganz so schlimm wie andere Mitglieder seiner Band, wenn es darum ging, seine Nase in Sachen hineinzustecken, die ihn nichts angingen, doch dieser Verdacht schürte seine Neugier. Vorsichtig machte er sich noch ein Stück kleiner, als er sowieso schon war, damit Reita ihn nicht entdecken würde, und lugte nur ab und an über die Schultern der anderen Mitfahrer, um zu sehen, an welcher Station er aussteigen würde. Auch als er schließlich die Bahn verlassen hatte, schlich er ihm möglichst unauffällig hinterher und kam sich schon nach einigen Metern, in denen er beinahe wortwörtlich von einem Schatten zum nächsten sprang oder sich hinter Menschengruppen versteckte, reichlich dämlich vor. Doch als Reita schließlich den Bahnhof verließ und in die von bunten Leuchtreklamen förmlich zugepflasterten Straßen Shinjukus, auf denen sich schon am frühen Abend Massen von ebenso bunten Menschen tummelten, trat, hatte er viel zu sehr damit zu tun, den anderen nicht zu verlieren, als noch an sowas zu denken. Er war schon oft in dem großen Bezirk gewesen, der besonders für sein ausschweifendes Angebot an Amüsiermöglichkeiten berühmt und berüchtigt war. Hier konnte man in den vielen Clubs durchfeiern, ohne mitzubekommen, welche Tageszeit gerade war, konnte Party machen, bis man umfiel, und sich von den vielen Eindrücken berieseln lassen, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, was am nächsten Tag geschehen würde. Reita schien genau zu wissen, welchen Weg er einschlug, denn er steuerte zielstrebig durch die lachenden Menschen hindurch, vorbei an hübschen Mädchen in Hotpants, die von der Jahreszeit vollkommen unbeeindruckt zu sein schienen und mit von der polierten Designer-Schuhspitze bis zu den toupierten Haaren durchgestylten jungen Männern schwatzten, neben denen Gazette selbst in Bühnenoutfit nicht aufgefallen wären. Ruki rollte mit den Augen, als er von einigen Leuten am Weitergehen gehindert wurde, die seine Verfolgung noch zusätzlich erschwerten. Reita mochte in konservativen Bezirken auffallen wie ein bunter Hund, doch hier waren seine blonden Haare so normal wie anderenorts ein blauer Schlips. »Wie lange willst du eigentlich noch rumrennen?!«, murrte er leise und fokussierte mürrisch Reitas Hinterkopf, langsam davon überzeugt, dass es doch keine so gute Idee war, dem anderen gefolgt zu sein. Er konnte sich inzwischen recht gut vorstellen, wohin der Bassist steuerte. Er hatte es schon geahnt, als sie den Bahnhof am Ostausgang verlassen hatten, doch nun war es ihm klar. Sie waren in Kabukichō, dem Rotlichtviertel Shinjukus, berühmt für seine Nachtclubs, Host Clubs, Spielhallen, Karaoke-Bars und nicht zuletzt Love Hotels. Fast unmittelbar daneben befand sich Shinjuku ni-chome, das Schwulenviertel des Bezirks, in dem Ruki selbst schon einige Male gewesen und auch die Nacht verbracht hatte. Doch er würde sicher keinem seiner Bandkollegen jemals auf die Nase binden, dass er nicht nur Fangirlies in Ekstase versetzen konnte. Ein tiefes Seufzen entfuhr ihm, als er sah, wie Reita endlich auf einen der vielen bunten Türen der Clubs zusteuerte, die schon seit einigen Straßen ihren Weg säumten. Hier in dieser Straße war er noch nie gewesen und die Namen der mehr oder weniger seriösen Etablissements waren ihm gänzlich unbekannt. Er wusste nicht, ob er erleichtert sein sollte, dass Reita entgegen seines Verdachts doch kein Love Hotel angesteuert hatte, um sich dort mit seiner Freundin zu treffen, aber die Neugier, mit wem er sich stattdessen treffen würde, wurde nur umso größer. »Liquid ... Passion ...«, entzifferte er nach einigen Versuchen den in verschnörkelten lateinischen Buchstaben gedruckten Namen über der Tür, die wirkte, als würde sie zu einer ganz normalen Bar gehören. Liquid Passion? Ruki legte die Stirn in Falten. Englisch war noch nie seine Stärke gewesen. Für Lyrics bemühte er normalerweise lieber sein Übersetzungsprogramm, als selbst Grammatik- und Wörterbücher zu wälzen. Er erinnerte sich, das Wort ›Liquid‹ schon einmal auf dem Seifenspender in seinem Bad gelesen zu haben, aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was das mit einer Bar in Kabukichō zu tun hatte. »Was auch immer ...«, gab er schließlich auf und zuckte die Schultern, um nach einem vorsichtigen Blick auf Reita sicherzustellen, dass ihn dieser noch nicht entdeckt hatte. Doch Reita schien völlig ahnungslos. Ohne sich auch nur umzudrehen, öffnete er die Tür und verschwand im Inneren, noch bevor sich Ruki darüber klar geworden war, was er als Nächstes tun sollte? Sollte er ihm folgen? Seine Neugier war wie ein unangenehmer kleiner Teufel auf seiner Schulter, der am liebsten noch ein Abhörgerät in Reitas Jacke versteckt hätte, um auch ja alles mitzubekommen, was geschah. Doch wenn er die Bar betrat, riskierte er, dass Reita erfuhr, dass er ihm gefolgt war. Zu erklären, dass er ihn nur zufällig getroffen hätte, wäre wohl ebenso vergeblich gewesen wie der Versuch, Uruha davon zu überzeugen, dass es durchaus noch heißere Männer auf diesem Planeten gab als ihn. Ruki hatte jedoch auch keine große Lust, die nächsten Stunden in der Kälte auf der Straße zu stehen. Wer wusste, wie lange Reita dort drin bleiben würde? Nein, das käme auf keinen Fall in Frage. Er seufzte, als ihm klar wurde, dass er nur nach Rechtfertigungen suchte, um Reita noch weiter zu bespitzeln. Langsam aber sicher kam er sich vor wie ein Stalker. Doch nun war er den weiten Weg gekommen, da konnte er zumindest herausfinden, was noch passierte – und wenn es nur dazu diente, dass er ihren blonden, ständig neugierigen Gitarristen damit ärgern konnte, dass er mehr wusste als er. So straffte er schließlich die Schultern und legte die wenigen Meter bis zum Eingang der Bar zurück. Doch schon als er die Tür öffnete, wurde ihm klar, dass ihn sein erster Eindruck vollkommen getäuscht hatte. Anstatt in einem verqualmten Raum mit lauter Musik, schwatzenden Menschen und einer Tanzfläche befand er sich in einem kleinen Vorzimmer mit tristem blaugrauen Fußboden, einer älteren Sitzecke an der einen und einer Rezeption an der anderen Seite, hinter der eine dezent geschminkte Frau in blauem Kleid stand und ihm freundlich zulächelte. »Willkommen im Liquid Passion«, begrüßte sie ihn und nahm ihm somit die Entscheidung ab, die direkte Flucht nach hinten anzutreten, bevor ihn jemand bemerkte. Wo zum Teufel war er hier gelandet? Es war weder eine Bar noch ein Club, und wie eine illegale Spielhölle sah es auch nicht aus. Ein Host-Club konnte es auch nicht sein, denn diese warben schon vor der Eingangstür mit den hübschen Gesichtern ihrer Mitarbeiterinnen. Misstrauisch musterte er die kleine Treppe, die neben der Rezeption nach oben führte und vor der ein rotes Band deutlich machte, dass man nur hinaufgehen durfte, wenn man dazu die Erlaubnis hatte. »Haben Sie einen Termin?«, fragte die schmale Frau und schlug einen Kalender auf, der vor ihr lag. Rukis Augenbrauen wanderten erstaunt in die Höhe, ehe er einfach nur den Kopf schüttelte. Er wusste nicht, was er sagen sollte, und das kam nur sehr selten vor! Wo war er hier, in einer Arztpraxis? Ließ sich Reita in irgendeiner Hinterhof-Klinik die Nase richten?! »Wo ist der blonde Mann hin, der hier eben reingegangen ist?«, fand er schließlich seine Sprache wieder und suchte den Raum ein weiteres Mal mit den Augen ab, doch außer dass er hinter der Frau neben einer Tür zu einem Hinterzimmer einige Schlüssel an einem Haken entdeckte, erblickte er nichts Neues. Also doch ein Love Hotel? Aber in welchem Love Hotel brauchte man einen Termin? »Der Herr hat einen Termin bei Chiaki. Möchten sie ebenfalls Chiaki buchen?« Buchen? Hatte er sich gerade verhört? Ihm war durchaus klar, dass es noch andere Möglichkeiten gab, jemanden zu ›buchen‹, aber in Anbetracht der Tatsache, dass er sich in Kabukichō befand, fiel ihm spontan nur eine einzige ein. Aber Reita ging doch nicht wirklich in seiner Freizeit zu einer Nutte? Hatte er es so nötig, dass er für Sex bezahlen musste?! »Wenn Sie sich für jemand anderen interessieren, kann ich Ihnen unseren Katalog zeigen«, fuhr die Frau fort und hob eine größere Mappe auf die Anrichte der Rezeption. »Sind sie ein S oder ein M?« »Ein was?« Rukis Augen wurden groß und er blickte sie verständnislos an. »Ich verstehe, sie sind zum ersten Mal hier«, lächelte die Frau verständnisvoll und schaffte es, dass sich Ruki auf der Stelle noch unwohler fühlte als zuvor. »Dann lassen Sie mich kurz die Regeln erklären. Je nachdem, wie ihre Neigungen ausgeprägt sind, können Sie sich aus unserem Katalog eine unserer Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter auswählen und für die nächste Stunde buchen. Ob Sie dabei züchtigen oder selbst gezüchtigt werden möchten, können sie frei wählen. Alle Gegenstände, die sich in dem jeweiligen Zimmer befinden, dürfen nach freiem Belieben genutzt werden, direkte Penetration außer mit Toys ist jedoch untersagt.« Sie blickte ihn freundlich an klappte die Mappe auf. »Haben Sie noch Fragen?« Ruki schnappte nach Luft und versuchte, ein Wort hervorzubringen, doch er schaffte es noch nicht einmal, den Kopf zu schütteln. Sein Gehirn hatte alle Mühe, die neuen Informationen richtig einzuordnen und die Tatsache zu akzeptieren, dass sich einer seiner besten Freunde, anstatt sich wie jeder normale Mann in seinem Alter durch die Clubs zu flirten, lieber mit einer Professionellen vergnügte. Einer Professionellen, von der er noch nicht einmal Sex bekam! Was war das bitte hier, ein durchgeknallter Fetisch-Club, in dem man dafür bezahlte, dass man Leute irgendwo anketten und dann auspeitschen konnte? Reagierte Reita so etwa seine Aggressionen ab?! Er hätte wissen müssen, dass irgendwas nicht stimmte, als er das berüchtigte Rotlichtviertel Tokyos betreten hatte, doch dieser Schock war weitaus größer als alles, was er sich auch nur annähernd hätte vorstellen können! »Möchten Sie sich für jemanden entscheiden?«, holten ihn die Worte der Frau aus seinen Gedanken zurück, und er blickte sie ebenso entsetzt an, als hätte ihn jemand beim heimlichen Masturbieren überrascht. Er musste hier raus, dringend! Und er würde Reita mitnehmen und ihm so gehörig die Meinung sagen, dass sich dieser nicht einmal trauen würde, noch einmal hierher zu kommen! Wenn er Probleme hatte, dann sollte er sie anders lösen, als sie an einem unschuldigen Mädchen auszulassen, ganz gleich, ob diese es freiwillig tat oder nicht! »Ich will zu dem blonden Mann, sofort!«, fuhr er die Frau unwirsch an, selbst merkend, wie er seine Aufregung nur mühsam kontrollieren konnte. »Es ist leider nicht möglich, dass zwei Kunden ein Session zusammen durchführen«, antwortete diese von seinem plötzlichen Stimmungswandel ein wenig überrascht und drückte einen kleinen Knopf zu ihrer Rechten, als sie sah, wie Rukis Blick in Richtung der Treppe huschte. »Sie dürfen dort nicht hinauf!«, versuchte sie ihn aufzuhalten, doch Ruki wartete nicht mehr ab, sondern riss das Band zur Seite und erklomm mit großen Schritten die Stufen. Es war ihm egal, wie viele Räume er absuchen musste, bis er Reita gefunden hatte. Er würde ihn am Schlafittchen packen und hier rausschleifen, oder ihn am besten noch hier kräftig in den Allerwertesten treten! Doch kaum dass er seine Finger um die Klinke der oberen Tür geschlossen hatte, flog ihm diese mit Schwung entgegen, so dass er beinahe den Weg zurück zum Treppenabsatz angetreten hätte. Nur mit Müh und Not konnte er sich halten, aber da wurde er auch schon von einem stämmigen, finster blickenden Mann im Anzug, der ihn um mindestens zwei Köpfe überragte, am Arm gepackt und nach unten gedrängt. »Lass mich gefälligst los!«, rief er wütend und versuchte sich loszureißen, doch der Griff des Mannes war so fest, dass er lediglich schmerzlich das Gesicht verzog, bevor er mit Schwung vor die Tür gesetzt wurde. »Arschloch!«, brüllte er, doch da war die Tür auch schon wieder zugeschlagen. Ein paar Leute, die an ihm auf dem Bürgersteig vorübergingen, blickten ihn amüsiert an, doch er beachtete sie gar nicht. Sein Gesicht war vor Zorn puterrot angelaufen und sein Atem ging gehetzt, als wäre er soeben einen halben Marathon gelaufen. Einen Moment spielte er mit dem Gedanken, erneut in den Club zu stürmen, doch außer blauen Flecken würde er davon wahrscheinlich nicht viel abbekommen. Wütend hieb er mit der Faust in die Luft und biss die Zähne zusammen, als ihm der Schmerz in seinem Arm verriet, dass er sich die blauen Flecke schon eingefangen hatte. Dafür würde jemand schwer büßen müssen! »Verdammter Reita, so ein blöder Wichser!«, zischte er mit verzerrtem Gesicht und raffte seine Jacke enger um sich, als ihn der auffrischende Wind merken ließ, dass es erheblich kühler geworden war. Einen Moment überlegte er, ob er auf den Bassisten warten sollte, doch dann wandte er sich ab und stapfte missmutig in Richtung Bahnhof. Beinahe wünschte er sich, er wäre dem anderen nicht gefolgt. Dann wüsste er jetzt nichts von dessen perversen Vorlieben, denn obwohl sie gerne untereinander mit ihren Eroberungen angaben – auf diese Information über Reitas Sexualleben hätte er gerne verzichten können! Schlimm genug, dass er es nun wusste, aber was, wenn es die anderen herausfänden? Uruha würde es vermutlich sogar noch toll finden und ihn weiter anstacheln, oder es sogar selbst einmal versuchen wollen. Am Ende würde es noch die Runde machen und er dürfte sich einmal mehr mit dem Vorurteil rumschlagen, dass alle Visual-Kei Musiker durchgeknallte Irre seien. Ruki fuhr zusammen und stoppte so plötzlich, dass die Leute hinter ihm beinahe in ihn hineingerannt wären. Verdammt, was, wenn die PS Company davon erfahren würde? Oder noch schlimmer, irgendwelche Fans? Nicht nur, dass sie dann mit Sicherheit in hohem Bogen aus ihrem Vertrag gekickt werden würden, er könnte sich auch jede weitere Zukunft als Musiker an den Hut stecken. Sie würden schlichtweg als ›die Perversen‹ durchgehen, egal ob sie alle beteiligt waren oder nicht. Ruki ballte die Fäuste und biss die Lippen so fest zusammen, dass sie nur noch zwei dünne weiße Striche waren, bevor er noch geladener als zuvor seinen Weg fortsetzte. Oh, Reita konnte sich auf was gefasst machen! tbc. Kapitel 2: ----------- Kapitel 2 »Ein Stück weiter nach rechts, noch weiter ... noch weiter ... Nein, Reita zurück!« Der Fotograph, dessen Kopf hinter dem Objektiv einer riesigen Kamera verschwunden war, wedelte mit der Hand, während ein allgemeines Stöhnen durch die Reihen der restlichen Gazette Mitglieder ging. Aoi verdrehte die Augen, Kai seufzte leise und Uruha warf dem Bassisten einen grimmigen Blick zu, während Ruki schlichtweg weiter den Saum seiner schwarzen Kunstlederjacke zwischen den Fingern spannte, um die Aggressionen, die sich in der letzten Stunde in ihm aufgestaut hatten, zu katalysieren. Selbst die lockerste Haltung konnte nach einigen Minuten des Stillhaltens zur Folter werden, und wenn Reita es nicht langsam schaffte, die Position einzunehmen, die der Fotograph für ihn vorgesehen hatte, würde er ihn vermutlich nach dem Fotoshooting erwürgen. Seit seiner schockierenden Entdeckung über Reitas etwas gewöhnungsbedürftige Freizeitbeschäftigung waren inzwischen drei Tage vergangen, doch obwohl er fest entschlossen gewesen war, den anderen sofort zur Rede zu stellen, wenn er ihm das nächste Mal begegnen würde, hatte er dies nicht getan. Zuerst hatte er es damit gerechtfertigt, dass er ihn nie allein getroffen hatte, dann hatte das Timing nicht gepasst, dann war etwas dazwischen gekommen ... Ihm war selbst klar, dass dies nur eine Reihe von fadenscheinigen Ausreden war, denn wenn er gewollt hätte, hätte er Reita ohne Probleme für fünf Minuten zur Seite nehmen können. Doch wie sprach man jemanden darauf an, dass er einen S/M Club besuchte und dies bitte zum Wohl der Band zu unterlassen hatte? Abgesehen davon, dass Reita ihn vermutlich anfauchen würde, was er sich einbildete, sich in sein Privatleben einzumischen, müsste er sich den durchaus berechtigten Vorwurf gefallen lassen, warum er ihm überhaupt nachspioniert hatte. Und Ruki war intelligent genug, um zu wissen, dass ›Sorge‹ nicht zu den Erklärungen gehörte, die Reita akzeptieren würde. Er seufzte tief, als ihm klar wurde, dass er mit seiner Verfolgungsjagd eine Grenze überschritten hatte und nun in dem Dilemma gefangen war, entweder schweigend damit zu leben, was er über ihren Bassisten wusste, oder in einer direkten Konfrontation sein Gesicht zu verlieren. Und Ruki war niemand, der gern sein Gesicht verlor. »Keine Sorge, du schaffst das schon«, flüsterte ihm Kai plötzlich von seiner linken Seite aus zu und lächelte ermutigend, so dass Ruki ertappt zusammenzuckte, bis ihm mit einem Mal klar wurde, dass dieser lediglich sein Seufzen gehört und als Frustration über das lange Shooting interpretiert hatte. So nickte er nur zaghaft und wendete sich dann wieder dem Kameraobjektiv zu, hinter dem der Fotograph noch immer damit beschäftigt war, den Bassisten in die richtige Stellung zu dirigieren. »Ich versteh nicht, warum wir überhaupt für ein Shooting posieren, dass erst in ein paar Wochen stattfindet«, brummte Uruha am äußeren Rand neben Kai und ächzte leise, als er sein Becken, das er schon seit knapp zehn Minuten in seiner gewohnten sexy Pose nach vorn streckte, mit einer Hand abstützte. »Das nennt sich Stellprobe«, erklärte Kai leise, doch auch ihm war anzusehen, dass er langsam davon genug hatte. »Wir fliegen immerhin extra nach Österreich, um die Fotos für das Photobook zu machen und das PV zu drehen, und das Schloss für mehr als einen Tag zu mieten, wäre zu teuer. Also müssen alle Posen schon vorher klar sein, so dass wir uns nur wieder so hinstellen müssen wie jetzt. Du siehst ja, wie lange es dauert ...« Uruha verdrehte die Augen und stöhnte ein weiteres Mal mitleiderregend, bevor er erleichtert aufatmete, als der Fotograph endlich mit Reitas Position zufrieden schien und das tatsächliche Shooting beginnen konnte. Lasziv senkte der Gitarrist den Kopf und warf einen kühlen Blick in die Kamera, und auch Ruki versuchte sich zum ersten Mal seit einigen Minuten wieder auf ihre Arbeit zu konzentrieren. Sonderlich erfolgreich war er dabei jedoch nicht. Noch immer kreisten seine Gedanken um Reita und wie er mit der neuen Information umgehen sollte, so dass er beinahe nicht mitbekam, wie die Session beendet wurde. Erst als Aoi ihm auf die Schulter klopfte, wurde ihm bewusst, dass er der Letzte war, der noch immer in seiner Position verweilte, und schüttelte über sich selbst verärgert den Kopf, ehe er dem schwarzhaarigen Gitarristen nach draußen folgte, um ein weiteres Mal seiner Nikotinsucht nachzugeben. »Kommst du nachher noch einen trinken?«, fragte der andere, als sie sich gegen die kleine Mauer des Hinterhofs lehnten, und hielt ihm sein Zippo hin. Ruki überlegte einen Moment, bevor er schließlich nickte. Ein bisschen Ablenkung könnte ihm wohl nicht schaden. »Toll, dann sind wir wenigstens zu viert!« Aoi lächelte erfreut, doch Ruki blickte ihn nur überrascht an. »Zu viert?«, fragte er misstrauisch, schon sehr genau ahnend, wer sich wieder einmal abgesetzt hatte, und Aoi bestätigte seinen Verdacht. »Ja, Reita hat abgesagt. Ich glaube, er geht wieder zu seinem Anger Management Kurs.« Er grinste breit und nahm einen tiefen Zug von seiner Kippe. »Dienstag, Freitag und wenn es ganz dringend ist auch mal Mittwoch. Hoffentlich bringt es endlich mal was! Er muss schon ne Menge Geld dafür ausgegeben haben.« Ruki schluckte trocken und verkniff sich die Bemerkung, mit welcher Form von Anger Management sich Reita wirklich die Zeit versüßte, ehe er von einem plötzlichen Entschluss gepackt aufsprang und seine erst halb aufgerauchte Kippe in einem der überfüllten Aschenbecher ausdrückte. »Mir ist gerade eingefallen, dass ich auch noch was vorhabe«, erklärte er nur kurz, bevor er den verwirrten Gitarristen stehen ließ und zurück ins Gebäude hastete. Bis jetzt hatte er sich noch einreden können, dass er Reita vielleicht nur bei einem zufälligen Ausflug in neue Erlebniswelten erwischt hatte, doch wenn selbst Aoi seine Routine aufgefallen war, dann war es ernst. Und Ruki hatte nicht vor, dies noch länger zu dulden. »Wo ist Reita?«, fragte er Uruha, der den aufgeregten Sänger überrascht anblickte und dann mit den Schultern zuckte. »Keine Ahnung, er hatte es ziemlich eilig. Hat sich nur kurz umgezogen und abgeschminkt, dann wollte er ...« Ruki hörte die letzten Worte gar nicht mehr, sondern sprintete zur Garderobe. Reitas Tasche war verschwunden, verdammt! Wenn er erst mal in dem Club drin war, konnte er ihm nicht folgen und Ruki wusste genau, dass er später wieder kneifen würde, den anderen anzusprechen. Wenn er es tun wollte, dann musste er ihn einholen, bevor er in Kabukichō ankam. Schnell schnappte er sich sein Handy und seine Tasche, bevor er aus der Garderobe eilte und Uruha, der ihm nichts ahnend entgegen kam, beinahe umrannte. »Hey, du darfst das Outfit nicht mitnehmen!«, rief ihm der andere noch nach, doch Ruki ignorierte ihn geflissentlich. So schnell wie es in den teuren Designerschuhen möglich war, rannte er zur Bahnstation und sprang in die Linie nach Shinjuku, die Blicke der anderen Fahrgäste, die den blondierten und geschminkten Sänger in seinem schicken Kunstlederanzug mit dem hellgrauen Blumenhemd darunter irritiert musterten, so gut es ging verdrängend. Er hätte sich gerne noch umgezogen, aber wenigstens fiel er nicht ganz so unangenehm auf, wie es Uruha in Hotpants und Strapsen tun würde. Und spätestens als er in Shinjuku angekommen war, beachtete ihn kein Mensch mehr. Hier würde man eher auffallen, wenn man in normalen Business-Klamotten oder Jeans und T-Shirt rumlief. Er hatte vorgehabt, so schnell wie möglich zu dem Club zu laufen, doch als er in die bunten Straßen des Viertels eintauchte, stand er plötzlich vor einem Problem, an das er zuvor gar nicht gedacht hatte. Kabukichō war eine verwirrende Ansammlung von bunten Lichtern, Reklametafeln und Clubs wohin das Auge reichte, in der man sich schneller verirrte, als einem lieb war. Als er Reita gefolgt war, hatte er nur darauf geachtet, diesen nicht zu verlieren, anstatt sich den Weg einzuprägen, und auf seinem Rückweg war er zu sehr in Gedanken versunken gewesen. Zudem war der Bahnhof überall ausgeschildert – das Liquid Passion jedoch nicht. Und Ruki hätte sich lieber die Zunge abgebissen, anstatt jemanden nach dem Weg zu einem S/M Club zu fragen. »Verdammt!«, fluchte er, als er in die nächste Straße einbog, von der er nach wenigen Metern sicher war, sie noch nie gesehen zu haben. Und als er auch nach einer weiteren halben Stunde, in der er orientierungslos herumlief, noch keinen Anhaltspunkt gefunden hatte, der ihm verriet, dass er sich auf dem richtigen Weg befand, war er so frustriert, dass er am liebsten wieder umgekehrt wäre. »Shit, wo verflucht noch mal bin ich?«, brummte er mürrisch und drehte sich im Kreis, ehe er seinen Kopf am liebsten gegen die nächstbeste Straßenlaterne geknallt hätte, als er die verschnörkelten Buchstaben entdeckte, nach denen er so verzweifelt gesucht hatte. Doch die Freude, endlich am Ziel zu sein, dauerte nur kurz an. So lange, wie er gesucht hatte, war Reita schon seit mindestens einer halben Stunde damit beschäftigt, sich an dem armen Mädchen, das er ›gebucht‹ hatte, abzureagieren. Und wie letztes Mal würde er vermutlich nicht durch die Vordertür hineinkommen. Vor allem nicht, wenn sich wieder die selbe Frau an der Rezeption befand, die ihn sicher noch nicht vergessen hatte. »Hintertür ...«, murmelte er nachdenklich und lunzte in die winzige Seitenstraße neben dem Club, die wie viele andere die einzelnen Häusergruppen voneinander abtrennte. Vielleicht gab es dort ein Schlupfloch? Vorsichtig blickte er sich nach allen Seiten um, bevor er die große Straße verließ und die dunklen Wände der Gasse mit den Augen nach Türen absuchte. Doch auch als er schließlich eine gefunden hatte, war seine Enttäuschung groß. Abgeschlossen – natürlich! Gerade wollte er sich abwenden, da öffnete sich die Tür und ein Mann im schwarzen Anzug, ähnlich dem, der ihn noch vor ein paar Tagen rausgeschmissen hatte, sah ihn überrascht an, ehe er ihn im Halbdunkel der Straße von oben bis unten musterte. Ruki schluckte trocken, als er sich schon wieder im hohen Bogen irgendwo rausfliegen sah, doch zu seinem Erstaunen nickte der Mann nur freundlich. »Du bist früh, aber Pünktlichkeit ist eine gute Eigenschaft«, sagte er, ehe er ihm die Tür aufhielt und ihn mit einer knappen Geste hereinbat. »Ayumu, nehme ich an? Ich heiße Sawaki. Man sagte mir, dass du kommst! Danke, dass du uns heute aushilfst. Wir sind etwas knapp an Personal.« Ruki öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch dann entschied er sich, das ganze als einen Wink des Schicksals zu sehen und mitzuspielen. So nickte er nur und verbeugte sich höflich, ehe er mit einem mulmigen Gefühl im Magen an dem anderen vorbei trat, der ebenso wie sein Kollege groß und stark genug schien, um ihn ohne Probleme am Genick zu packen und aus dem Fenster zu schmeißen, wenn er herausfinden sollte, dass Ruki nicht der war, für den er ihn hielt. »Ich habe mit deinem Chef in Shibuya telefoniert«, fuhr der Mann fort, während er an Ruki vorbeiging und ihn durch die grauen Flure lotste, scheinbar der Teil des Clubs, der für das Personal vorgesehen war. »Gut, dass du dich schon passend umgezogen hast, so können wir gleich eine kleine Tour machen, bevor du in einer Stunde deinen ersten Kunden hast.« Ruki nickte nur, während das mulmige Gefühl in seinem Bauch langsam aber sicher ins Unermessliche wuchs. Doch er war drinnen – nicht zuletzt dank seines ausgefallenen Stylings, auch wenn er nicht sicher war, ob er es als Kompliment werten sollte, dass ein Außenstehender scheinbar keinen Unterschied zwischen einem noch dezenten Outfit eines Gazette-Fotoshootings und einer S/M Arbeitsbekleidung erkennen konnte. Jetzt musste er nur noch Reita finden und mit ihm verschwinden – und das möglichst, bevor der richtige Ayumu auftauchte. Er grinste zynisch und ballte die Fäuste, Reita innerlich die Pest an den Hals wünschend, dafür dass er ihn in so eine Situation gebracht hatte. Wären sie nicht so gut befreundet, würde er ihm nach so einer Aktion schlichtweg in den Allerwertesten treten. »Hier ist der Raum, in dem alles organisiert wird«, holte ihn der Mann aus seinen Gedanken zurück, und Ruki blickte sich interessiert in dem kleinen Zimmer um, in dem auf einigen Videomonitoren verpixelte Bilder in schwarz/weiß flackerten, die jedoch niemand zu beachten schien, denn der einzige Mensch, der sich außer ihnen im Raum befand, ein hagerer älterer Mann, schien viel zu sehr in sein Pornomagazin vertieft, als darauf zu achten, welche Perversitäten in den einzelnen Räumen gerade angestellt wurden. »Wenn du mit einem Kunden in ein Zimmer gehst, sagst du an der Bar im Mitglieder-Bereich bescheid und es wird hier in ein Buch eingetragen.« Der Mann im Anzug deutete auf einen dicken schwarzen Ordner, der auf dem Tisch lag, bevor er sich zu den Monitoren wandte, und weitere Dinge erklärte, doch Ruki hörte ihm nur noch mit einem Ohr zu. Blitzschnell raste sein Blick über die kleinen Zeichen auf dem weißen Papier, und ein triumphierendes Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er schließlich fündig wurde: Chiaki, Raum 204, 20-21.00 Uhr. »Hinter der roten Tür ist die Lounge, in der die Klienten einen Drink zu sich nehmen können, das Zimmer am Ende des Flurs ist nur für die Mitarbeiter.« Der andere wandte sich zu ihm um, so dass Ruki ertappt zusammenfuhr. »Dort liegen auf dem Tisch die Daten deines nächsten Kunden. Foto, Vorlieben, gebuchtes Programm. Lies dir alles gründlich durch, bevor du beginnst. Sonst weißt du ja, was du zu tun hast.« Ruki nickte, auch wenn er keine Ahnung hatte, was der andere von ihm wollte, und folgte ihm zu dem Raum für die Mitarbeiter, der zu seiner großen Erleichterung leer war. Er verbeugte sich höflich, als sich der Mann verabschiedete und ließ sich seufzend auf das kleine Sofa fallen, das außer einem Tisch und zwei Sesseln das einzige Möbelstück im Zimmer war. Einige Sekunden saß er nur still da, den Kopf in den Nacken gekippt und sich zum wiederholten Mal fragend, was zur Hölle er hier eigentlich tat?! Was hatte er verbrochen, dass er sich in so einer Situation befand?! Würde er jemals einem anderen der Band erzählen, was ihm heute passiert war, würde ihn dieser wahrscheinlich noch lauter auslachen, als Ruki es selbst tun wollte. »Reita, das wirst du büßen!«, zischte er leise, als er sich wieder daran erinnerte, warum er eigentlich hier war, und sich erhob. An den dünnen Hefter auf dem Tisch, in dem sich die Angaben zu seinem ›Kunden‹ befanden, verschwendete er keinen Blick, sondern steckte stattdessen vorsichtig den Kopf aus der Tür, um sich zu vergewissern, dass die Luft rein war, bevor er auf den Gang trat und den Flur entlangging. Er atmete einmal tief durch und setzte sein Poker Face auf, bevor er die Klinke zu der roten Tür hinunterdrückte, hinter der der offizielle Bereich des Clubs begann. Obwohl ein winziger Teil von ihm gehofft hatte, Reita schon in der Lounge zu treffen, war ein noch viel größerer froh darüber, dass dem nicht so war. Auf diese Art der öffentlichen Peinlichkeit war er nicht sonderlich scharf, auch wenn es wohl eher Reita war, dem das ganze peinlich sein würde. Unauffällig suchte er den Raum nach Hinweisen darauf ab, in welche Richtung er sich zu wenden hatte, doch zu seiner Erleichterung gab es außer der schlichten Eingangstür und der Tür, durch die er gekommen war, nur noch einen Weg, den man einschlagen konnte: ein breiter, offener Durchgang, der von einem dünnen roten Vorhang verdeckt wurde und hinter dem sich der Gang in zwei Richtungen teilte. Ein kleines Schild an der Wand wies den Weg zu den einzelnen Zimmernummern. So zielstrebig wie möglich steuerte Ruki an den anderen Gästen vorbei und nickte dem Barkeeper kurz zu, froh darüber, dass ihn niemand ansprach. Doch erst, als er den Vorhang zur Seite schob und nach links abbog, flaute das mulmige Gefühl in seinem Magen ab und der Ärger, der bis jetzt davon verdrängt worden war, kam zurück. »201, 202 ...«, murmelte er leise, als er forschen Schrittes den Gang entlangging, und als er schließlich vor der Nummer 204 stand, war er so aufgebracht, dass er gar nicht mehr daran dachte, wie unwohl er sich noch vor ein paar Stunden bei dem Gedanken gefühlt hatte, Reita mit seinem inakzeptablen Hobby bloßzustellen. Ein zynisches Lachen entwich ihm, als er das kleine ›Bitte nicht stören‹-Schild an der Türklinke baumeln sah, bevor er diese entschlossen herunterdrückte und in den Raum stürmte. Er hatte vieles erwartet, angefangen von harmlosen Fesselspielen bis hin zu Reita im schwarzen Latexoverall, der sich Peitsche-schwingend an einem wehrlosen Mädchen verging, doch das, was er sah, traf ihn so unvorbereitet, dass er beinahe wieder vor Schreck aus dem Zimmer herausgetaumelt wäre. Ein brünetter junger Mann mit kurzen, hochtoupierten Haaren blickte ihn aus dunkel umrandeten Augen nicht weniger erschrocken an als er ihn und wich verstört einen Schritt zurück, während er die schwarze Reitgerte, die seine rechte Hand gerade noch zum Schlag erhoben hatte, sinken ließ. Er trug eine enge Schnallenweste, die sich wie eine zweite Haut um seinen schmalen Brustkorb spannte, eine lange schwarze Hose aus glänzendem Lack, deren Bund durch einen schweren Nietengürtel gehalten wurde, und seine Finger steckten in auffälligen verzierten Handschuhen, die Ruki entfernt an ein Paar erinnerten, das er selbst besaß. »Wa ... Was ...«, stammelte er erschüttert und stolperte einen Schritt zurück, den jungen Mann nicht aus den Augen lassend, während in seinem Kopf die Gedanken unangenehm schnell zu rotieren begannen. Was, verdammt noch mal, ging hier vor? War er im falschen Raum? Wer war der Kerl? Und wo zum Teufel war Reita? Sein Kopf schoss herum, als er aus dem Augenwinkel eine Bewegung ausmachte, und als er sah, was sich dort befand, war er sich nicht mehr sicher, ob ihn seine Beine noch lange halten könnten. Sein Unterkiefer klappte nach unten und seine Augen wurden so groß wie Untertassen, während der Raum für einen kurzen Moment zu verschwimmen schien. Sein Gehirn brauchte einige Sekunden, in denen sein Blick unstetig zwischen den beiden Männern hin und her huschte, um das ganze Ausmaß der Situation gänzlich zu verarbeiten. Dann schluckte er nur trocken, als er begriff. »Heilige Scheiße ...« Er spürte, wie ihn seine Beine im Stich lassen wollten und suchte mit den Fingern nach der Türklinke in seinem Rücken, um etwas zu haben, woran er sich festhalten konnte, denn er war sich nicht sicher, ob er die nächsten Minuten auf andere Art und Weise überleben könnte. Fassungslos ließ er seinen Blick über die zweite Person im Raum wandern, die ihm den Rücken zugekehrt hatte, doch er brauchte noch nicht einmal eine Sekunde zu überlegen, um zu wissen, dass es Reita war. Die Arme des Blonden waren nach oben gestreckt, seine Hände waren mit dicken Manschetten an den äußeren Enden eines großen Andreaskreuzes aus glänzendem dunklem Holz befestigt, ebenso wie seine Oberschenkel und Fußgelenke an den unteren Enden der diagonalen Balken, wo seine Zehen den Boden nicht mehr berührten, sondern auf einem kleinen Vorsprung am Holz standen. Lange rote Striemen zogen sich über seinen nackten Rücken, seine Beine und seinen Po, und lediglich ein dünner schwarzer Lederstring unterbrach die Male, die die Haut zwar nicht aufgerissen hatten, jedoch stark genug waren, dass am nächsten Tag mit Sicherheit nicht alle Spuren verschwunden sein würden. Eine dunkle Augenbinde verwehrte ihm dem Blick und ein breites Stoffband spannte sich an seinem Hals entlang von einem Balken zum anderen, so dass ihm das eigene Gewicht seines schlaff nach vorn gekippten Kopfes die Luft abschnürte. Ruki schluckte trocken und krallte die Finger stärker in die Türklinke, während sich in seinem Kopf noch immer alles drehte. Er war sich nicht sicher, ob er nicht vielleicht halluzinierte, denn das Bild, das er in diesem Augenblick sah, widersprach allem, was er jemals über Reita erfahren hatte. Reita war aufbrausend, ein wenig stur, machte dreckige Witze und liebte es, den Macho raushängen zu lassen – aber er ließ sich ganz sicher nicht an ein Holzkreuz schnallen und auspeitschen! Zumindest hatte Ruki das bis heute gedacht. »Hast du sie noch alle, einfach so in meine Session zu platzen?«, holte ihn auf einmal die Stimme des brünetten Mannes im Lederoutfit, der sich inzwischen vom ersten Schrecken erholt zu haben schien, zurück in die Realität. Ruki starrte ihn einen Moment an, doch er hatte kein Bedürfnis, sich vor dem anderen in irgendeiner Weise zu rechtfertigen. »Ich nehme ihn mit, und ich rate dir, mir nicht in die Quere zu kommen!«, fuhr er den jungen Mann so gereizt an, dass dieser erschrocken die Augen weitete, bevor sich Empörung auf seinem Gesicht breitmachte. »Spinnst du? Wer bist du überhaupt? Raus hier, aber sofort!« »Vergiss es!« Ruki schnaubte und funkelte den anderen wütend an, als sich dieser zwischen ihn und Reita stellte, um ihm den Weg zu versperren. »Reita!«, rief er laut und versuchte an dem Brünetten vorbeizukommen, doch als dieser drohend die Reitgerte erhob, wich er zurück. »Reita, du kommst da auf der Stelle runter! Sag ihm, er soll dich losmachen!« Eine steile Falte bildete sich auf seiner Stirn, als der Bassist nicht auf ihn reagierte, doch es kam ihm überhaupt nicht in den Sinn, sich um ihn Sorgen zu machen. Stattdessen machte es ihn nur noch wütender. »Verdammt Reita, beweg deinen Arsch oder ich zeige dir höchstpersönlich, dass es Schmerzen gibt, die dir überhaupt nicht gefallen werden!«, schimpfte er lautstark und schlug mit den Armen nach dem brünetten Mann aus, um ihn wegzudrängen und zu seinem Bandkollegen zu kommen, doch dieser ließ sich nicht so leicht beeindrucken, wie er gehofft hatte. »Autsch! Arschloch!«, fluchte er, als der andere plötzlich mit der Gerte zuschlug, und hielt sich den schmerzenden Arm, inzwischen so sehr in Fahrt, dass er gar nicht mehr bemerkte, wie er immer lauter wurde. »Willst du dich etwa mit mir anlegen? Ich zeig dir, was passiert, wenn du das noch mal versuchst!« Mit einem zornigen Grollen sprang er vor und haschte nach der Gerte, verfehlte sie jedoch und stolperte ein paar Schritte vorwärts. »Noch eine Schritt und ich rufe den Sicherheitsdienst!«, drohte der andere und ließ Ruki erschrocken zusammenzucken, ehe er sich noch in der Bewegung umdrehte und sich auf ihn stürzte. Diesmal hatte er Erfolg und erwischte ihn am Kragen der Weste, an der er so ruckartig zog, dass der junge Mann nach hinten kippte und sich nur Sekunden später unter Ruki wiederfand. »Das hast du nun davon!«, zischte dieser und riss an der Gerte, die der andere noch immer fest umklammert hielt, während er Reita einen giftigen Blick zuwarf. »Ignorierst du mich eigentlich absichtlich?!«, rief er in dessen Richtung und schwor sich innerlich, den Bassisten tausend Tode sterben zu lassen, wenn er ihn endlich aus diesem Loch rausgeholt hatte. »Er hört keinen Ton, Idiot, er hat Ohrstöpsel drin!«, höhnte der Mann unter ihm und versuchte mit der Gerte nach ihm zu schlagen, doch Ruki verzog nur das Gesicht und zerrte so stark an dem schwarzen Leder, wie er nur konnte, bis der andere mit einem Mal losließ. Ein triumphierender Ausdruck erschien auf Ruki Gesicht, als die Gerte endlich in seinem Besitz war, doch sein Schwung war viel zu stark gewesen, so dass er das durch den Schweiß seiner Hand schlüpfrig gewordene Material nicht mehr halten konnte und es nach hinten über seinen Kopf flog. In böser Vorahnung wirbelte er herum, doch da war es schon zu spät. Das markante Geräusch, mit dem die Gerte an Reitas nackten Rücken klatschte, ließ ihn zusammenzucken, und als dieser mit einem wimmernden Laut den Brustkorb gegen das Holzkreuz presste, wäre er am liebsten gestorben. Ein Zittern durchfuhr seinen Körper und seine Kehle wurde unangenehm trocken, während er wie paralysiert auf den blonden Bassisten starrte, der sich in den Fesseln wand, bevor er wieder zur Ruhe kam und nur noch leicht zitterte. Er schien noch immer nicht bemerkt zu haben, was um ihn herum geschah, und Ruki war sich nicht sicher, ob er sich darüber freuen oder ärgern sollte. Er wollte zu ihm laufen, doch er schaffte es lediglich, die Hand zu heben. »Du bist echt verdammt zäh!«, riss ihn die Stimme des jungen Mannes aus seiner Starre, und als er sich umdrehte, rappelte sich dieser mühsam vom Boden auf, bevor er sich die Kleider abklopfte und Ruki mit einem durchdringenden Blick maß. Der schockierte Ausdruck auf dem Gesicht des Blonden schien ihn zu amüsieren, denn er lachte leise und hob dann eine Augenbraue. »Ich nehme an, du bist sein Lover! Wusstest wohl nicht, dass er auf sowas steht!« »Lover?« Ruki blickte ihn so perplex an, dass der andere erneut lachte, bevor er beruhigend abwinkte. »Okay, dann kein Lover. Aber ich nehme an, du wärst es gerne. Immerhin hättest du mich vor einer Minute noch mit Vergnügen grün und blau geschlagen, dafür dass ich ihn angefasst habe! – Keine Sorge, ich rufe den Sicherheitsdienst nicht. Hab selbst schon mal so was erlebt.« Er fuhr sich durch die kurzen Haare und seufzte tief, bevor er die Gerte vom Boden aufhob und sie in der Hand drehte. Ruki biss sich auf die Unterlippe und konnte nur mit Mühe den Impuls unterdrücken, den anderen anzuschreien, dass dies alles überhaupt nichts damit zu tun hatte, ob er auf Reita stand oder nicht, sondern dass er lediglich einen Freund aus einer erniedrigenden Lage befreien wollte. Doch er verkniff es sich, sich darauf besinnend, dass er froh sein konnte, dass der Mann sich mit dieser Erklärung zufrieden gab und nicht immer noch vorhatte, den Sicherheitsdienst zu rufen. Noch immer war er wie gelähmt, viel zu stark über seine Tat erschüttert, obwohl sie noch nicht einmal Absicht gewesen war. Aber die Tatsache, dass er es gewesen war, der Reita Schmerzen zugefügt hatte, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er eher darüber überrascht sein sollte, dass ›Chiaki‹ in Wirklichkeit ein Mann war – eine Erkenntnis, die ihn jedoch lange nicht so sehr entsetzte wie das, worauf der Bassist stand. Was kümmerte es ihn, ob Reita schwul war oder nicht? Er war der Letzte, der sich ein Urteil darüber erlauben konnte. Und vielleicht war es Reita auch einfach nur egal, wer ihn folterte. »Bist du sehr schockiert darüber?«, fragte der junge Mann mit einem Mal und ließ seinen Blick ein weiteres Mal über Ruki gleiten, der beinahe gelacht hätte, als ihm klar wurde, dass der andere sein Outfit scheinbar ähnlich interpretierte wie der, der ihn an der Hintertür in den Club gelassen hatte. Doch noch bevor er sich entscheiden konnte, was er antworten sollte, blickte der andere auf die kleine Wanduhr über der Tür. »Wenn du auf ihn stehst, solltest du die Chance vielleicht ausnutzen«, überlegte er und legte die Stirn in Falten. »Er hat noch knapp eine halbe Stunde und so wie ich das sehe, wirst du mich wohl kaum weitermachen lassen.« Ruki schnappte nach Luft, als ihm klar wurde, was ihm der Mann damit sagen wollte, und warf einen kurzen Blick zu Reita. »Ich werde ihn ganz sicher nicht schlagen!«, sagte er und räusperte sich, als er bemerkte, wie seine Stimme bei den Worten schwankte. Er mochte es, wenn es beim Sex etwas grober zuging, aber ›das‹ ging doch nun wirklich zu weit. »Wie du meinst ...«, sagte der Brünette und zuckte mit den Schultern, ehe er Ruki die Gerte in die Hand drückte und sich zu seinem Ohr neigte. »Ich lass euch zwei jetzt allein. Du solltest dich langsam mal um ihn kümmern. Noch denkt er, ich ignoriere ihn, aber wenn du ihm nicht bald ein bisschen ›Zuneigung‹ schenkst, wird er misstrauisch. – Und lass dich bloß nicht erwischen, wenn du gehst, sonst sag ich, dass du mich überwältigt und bedroht hast, und du wirst dein blaues Wunder erleben!« Ruki schluckte, als er sich an seine letzte Begegnung mit dem stämmigen Security erinnerte, und nickte nur zaghaft. »Viel Spaß mit deinem ›noch-nicht-Lover‹«, flüsterte der andere ihm noch zu und grinste anzüglich, bevor er aus er Tür schlüpfte und Ruki mit Reita allein ließ. Dieser starrte ihm noch ein paar Sekunden verdattert hinterher, bevor er sich mit einem unwohlen Gefühl im Magen dem gefesselten Bassisten zuwendete. Was um Himmels willen sollte er jetzt mit ihm machen? So lassen konnte er ihn auf keinen Fall und wenn er ihn befreite, würde er einige unangenehme Minuten damit verbringen, zu erklären, warum er hier war, und vielleicht eine Kluft zwischen sie treiben, die er nie wieder überbrücken könnte. Ruki seufzte, als ihm klar wurde, dass er keine Wahl hatte. Er musste sich der Situation stellen, je früher desto besser. Vorsichtig näherte er sich Reita und betrachtete ihn zum ersten Mal, seitdem er den Raum betreten hatte, genauer. Ihn in einer solche hilflosen Situation zu sehen, war beinahe mehr, als er verkraften konnte. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was der Bassist daran fand, von einem Fremden gezüchtigt zu werden, wo er sonst immer darauf bedacht war, besonders hart und männlich zu wirken. Die roten Striemen auf seiner Haut wirkten beinahe so, als wären sie nur aufgemalt, ließen seinen Körper noch schmaler und zerbrechlicher wirken, als er sowieso schon war. Teils waren sie schon verblasst, teils leuchteten sie noch in dunklen Farbtönen, und an einigen Stellen war die dünne oberste Hautschicht aufgeraut oder hatte sich ein wenig abgelöst. Ruki atmete zittrig ein, als seine Fingerspitzen danach tasteten und sich hauchzart auf die verwundeten Stellen legten. Augenblicklich fuhr Reita zusammen und verspannte sich, so dass Ruki zurückschnellte, doch nach nur ein paar Sekunden berührte er ihn wieder, ganz vorsichtig, um ihm keine Schmerzen zuzufügen, doch stark genug, dass er es fühlen konnte. Seine Haut war warm, beinahe heiß, und Ruki glaubte, das Blut unter den Striemen rauschen zu fühlen. Es löste ein seltsames Gefühl in ihm aus, gleichermaßen faszinierend wie auch beklemmend, bis er mit einem Mal realisierte, was er gerade tat. »Scheiße ...«, murmelte er nur leise, ehe seine Finger hastig die Schnallen der Fußmanschetten suchten, um sie zu lösen. Was war gerade mit ihm los gewesen? Er hatte Reita sofort befreien wollen und stattdessen seine Verletzungen betrachtet, als würden diese ein Kunstwerk sein, ein rotes Gemälde auf weißer Haut. Er schrak zusammen, als Reita mit einem Mal zu zappeln begann und unartikulierte Laute ausstieß, so dass Ruki nach oben schnellte und ihn von dem Knebel befreite. Er setzte an, etwas zu sagen, doch Reita schnitt ihm das Wort im Munde ab. »Bitte nicht ...«, keuchte er leise und Ruki sah, wie schwer ihm durch das schwarze Band an seinem Hals das Sprechen fiel. Sofort löste er es von den Halterungen am Kreuz und fing Reitas Kopf, der kraftlos nach vorn kippen wollte, als der Widerstand wich, mit der Hand ab, bevor er ihn vorsichtig hinabließ. »Nicht aufhören ...«, flüsterte der andere mit zitternden Lippen und ballte die Hände so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. »Bitte nicht ... Ich mache es wieder gut, bitte lass mich noch nicht gehen! Sei nicht enttäuscht von mir! Ich tu alles, was du willst, bitte ...« Ruki atmete harsch ein, als er sah, wie Reitas gesamter Körper zu zittern begann, doch dessen flehende Worte waren noch weitaus schlimmer als alles, was er jemals sehen könnte. »Bitte, du weißt, wie ich bin, wenn du mich verstößt! Ich kann nicht arbeiten, wenn ich so bin ... Ich brauche dich!« Rukis Hand sank nach unten und seine Augen wurden groß, als er die letzten Worte hörte, die ein seltsames Gefühl in seinem Brustkorb auslösten. Doch als sei dies nur eine flüchtige Einbildung gewesen, verschwand das Gefühl wieder, als er sich daran erinnerte, dass Reita ihn für den brünetten jungen Mann hielt. Und seine nächste Worte machten es ihm beinahe schmerzhaft deutlich. »Chiaki, bitte ... « In diesem Moment war er froh, dass er Reitas Gesicht nicht sehen musste. Er verstand selbst nicht, was ihn gerade so gekränkt hatte, aber er wollte auch nicht darüber nachdenken. Und doch brachte ihn ein anderer Teil von Reitas Worten zum Nachdenken. Er konnte nicht arbeiten, wenn er – wie hatte Reita es bezeichnet? – ›so‹ war? Hieß das, auf diese Art und Weise katalysierte er seinen Ärger, den er sonst noch viel stärker ausleben würde? Und noch viel wichtiger: Wenn er jetzt abbrach, bedeutete das, dass Reita nicht mehr in der Lage war, sich auf die Arbeit in der Band zu konzentrieren? Ruki biss die Zähne aufeinander und ballte die Fäuste, um seine steigende Aufregung zu unterdrücken. Er würde Reita ganz sicher nicht in den Händen eines Fremden lassen, bei dem er nicht wissen konnte, was dieser mit ihm tun würde! Doch wenn Reita seinen Alltag nur so meistern konnte, konnte er es ihm auch nicht verbieten! Er wusste selbst, wie schwer es war, eine Sucht loszuwerden, und bei ihm beschränkte sich dies lediglich auf das Rauchen und den allzu starken Konsum von Kaffee. Wenn Folter für Reita eine Sucht war, dann musste er eine Lösung finden, wie diese ein Teil seines Lebens bleiben konnte – zumindest kurzfristig. Ruki senkte den Blick, als ihm klar wurde, dass er nicht sehr viele Möglichkeiten hatte, wenn er Reita nicht bloßstellen wollte. Und als er seine Hand auf dessen Rücken legte, die pulsierende, warme Haut spürte und das erleichterte Aufatmen des anderen hörte, bevor sich dieser mit einem Lächeln auf den Lippen entspannte, wusste er, dass es sogar nur eine einzige gab. tbc. Kapitel 3: ----------- Kapitel 3 Ruki versuchte seinen Atem zu beruhigen, als er seine Hand langsam über Reitas Rücken gleiten ließ, doch er war viel zu aufgeregt, um seinen Körper vollständig unter Kontrolle zu haben. Zu wissen, dass Reita auf Schmerz und Machtspielchen stand und dafür sogar jemanden bezahlte, war etwas, mit dem er sicherlich früher oder später klargekommen wäre, doch selbst in das Geschehen einbezogen zu sein, war etwas anderes. Die einzige Bildung über derartige ›Spiele‹, die Ruki besaß, stammte aus einem Porno, den er irgendwann einmal mit nur mäßiger Begeisterung angesehen hatte. Aber wenn er verhindern wollte, dass Reita Verdacht schöpfte, musste er sich professionell verhalten und durfte keine Schwäche zeigen – und auch keine Gnade. Probeweise krallte er die Fingernägel in die geschundene Haut des anderen und biss die Zähne zusammen, als sich dieser krümmte und leise aufstöhnte. Doch obwohl Reita instinktiv vor der Berührung zurückwich, war der Laut, den er von sich gab, alles andere als schmerzerfüllt. Ruki atmete rasselnd aus, als er sah, wie sich der Körper des Bassisten anspannte, als er ein weiteres Mal über die Haut kratzte, diesmal länger und fester, so dass Reita leise aufjammerte, als die Fingernägel eine Stelle berührten, an der die Haut durch die Gerte aufgerissen war. Doch anstatt sich zu wehren, presste er nur sein Becken gegen das Kreuz und rieb es leicht daran, so dass Ruki peinlich berührt den Blick senkte. Es turnte Reita also wirklich an, wenn er dies tat ... Dabei hatte er ihm noch lange nicht so viel Schmerz zugefügt wie der junge Mann zuvor! Was wohl passierte, wenn er einen Schritt weiter ging? Was für Reaktionen würde Reita ihm dann zeigen? Rukis Blick wanderte zu einem kleinen Tisch an der Wand, auf dem verschiedene Gegenstände aufgereiht lagen, und er schämte sich beinahe, als ihm mit einem Mal klar wurde, dass er die Situation nicht länger als ein notwendiges Übel sah, sondern plötzlich neugierig wurde. Neugierig darauf, was er noch alles während seines kleinen ›Experiments‹ erfahren könnte ... Reita sah und hörte nichts, er konnte sich nicht bewegen, und wenn Ruki es wollen würde, könnte er ihn auch wieder der Möglichkeit des Sprechens berauben. Er würde niemals erfahren, dass Ruki es war, der ihn züchtigte. Und solange er dies nicht erfuhr, hatte dieser auch nichts zu befürchten. Die Erkenntnis, dass seine Taten keinerlei Konsequenzen haben würden, ließen den Sänger wohlig erschaudern, und ehe er es sich versah, griff seine Hand nach einer unauffälligen Peitsche mit einigen Lederriemen daran, nicht länger als ein Unterarm, aber sicherlich in der Lage, unangenehme Schmerzen zu erzeugen, wenn man zu stark zuschlug. Einen Moment noch zögerte er, dann trat er einen Schritt zurück und holte aus. Ein unterdrückter Schrei drang aus Reitas Kehle, als die Riemen ohne Vorankündigung auf seiner Haut aufschlugen, und er zuckte zusammen, so dass Ruki vor Schrecken die Luft anhielt. Ungläubig starrte er auf seine Hand, bevor sein Blick zurück zu Reita huschte, dessen Anblick ihm die Sprache verschlug. Die sonst so blassen Wangen waren gerötet, seine Hände krallten sich in die Fesseln und seine Beine zitterten vor erwartungsvoller Anspannung, während er seinen Körper an das Kreuz presste und demütig den Kopf senkte. Seine Haltung war so unterwürfig, dass Ruki einen Moment mit dem Gedanken spielte, das Ganze abzubrechen und Reita zur Vernunft zu bringen, doch stattdessen holte er erneut aus und beobachtete in einer morbiden Faszination, wie die Riemen mit einem klatschenden Geräusch auf die hellen Pobacken auftrafen. Reita stöhnte leise und warf den Kopf in den Nacken, als ihn das Leder ein weiteres Mal traf, dann noch einmal und noch einmal, bis sich die Haut zu röten begann. Er biss die Zähne zusammen, wand sich in seinen Fesseln und bäumte sich auf, wann immer Rukis Schlag seinen Körper erzittern ließ, doch anstatt zu protestieren, seufzte er nur leise, stieß wohlige Laute aus, die den Sänger vergessen ließen, was er tat. Er sah nur, wie Reita genoss, wie sein Leib auf den nächsten Schmerz wartete und förmlich darum bettelte, ihn zu erfahren. Ruki merkte selbst, dass er längst nicht mehr so zaghaft wie am Anfang zuschlug, dass er mit jedem Mal ein wenig mehr Kraft hineinlegte, um auszutesten, wie weit er gehen konnte, wie viel Reita aushielt, bevor es ihm zu viel wurde. Doch dieser wehrte sich nicht, ertrug nur schweigend, und auch als sein Po in einem gesunden Rot leuchtete, biss er nur die Zähne zusammen und krallte die Fingernägel in seine Handflächen, so dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten. Ruki zog grimmig die Augenbrauen zusammen, als er sah, dass seine Bemühungen nicht zu der Reaktion führten, die er sich erhofft hatte. Er wusste selbst nicht, was es war, doch ein kleiner Teil in ihm hatte sich gewünscht, dass Reita protestieren würde, wenn er nur fest genug zuschlug, dass er die Nase voll haben und diesen seltsamen Spielen den Rücken zukehren würde, doch zu sehen, wie der andere nur genüsslich wimmerte, wenn die Peitsche auf die gerötete Haut schlug, anstatt sich endlich zu wehren, war beinahe mehr, als er ertragen konnte. Doch gleichermaßen wie es beängstigend war, war es auch faszinierend zu sehen, dass es ›seine‹ Schläge waren, die den Bassisten leiden ließen und ihm im selben Moment so viel Lust schenkten. Er hatte sich nie für einen Menschen gehalten, den Macht anturnte, doch das Kribbeln, das sich in seinem Bauch auszubreiten begann, wann immer Reita auf seine Schläge reagierte, sprach eine andere Sprache. »Mehr ...«, hörte er den Bassisten so leise hauchen, dass er es kaum verstand, doch allein der Tonfall, so anstößig und beinahe obszön, jagte einen Schauer über seinen Rücken. Er wollte noch mehr sehen, mehr von den kleinen Seufzern haben, dem unterdrückten Stöhnen und dem Zittern, das Reitas Körper durchfuhr, wenn die Riemen seine Haut trafen. Es war ihm egal, dass er ihn schlagen musste, solange er nur den süßen Geschmack seiner Reaktionen kosten durfte. Ein weiteres Mal holte er aus, diesmal so fest wie er konnte. Reita zuckte zusammen, als das Leder gegen seinen Rücken klatschte und stieß einen heiseren Schrei aus, so dass Ruki für einen Moment der Atem stockte. Erschrocken rang er nach Luft, als er sah, wie sich ein heller roter Tropfen löste und über die aufgeraute Haut rann, während die Peitsche seiner Hand entglitt und mit einem dumpfen Laut auf dem Boden aufschlug. Und zum ersten Mal, seitdem er zugeschlagen hatte, begriff er wirklich, was er gerade tat. »Scheiße ...«, hauchte er leise und griff sich mit zittrigen Fingern an die Kehle, ehe er sich hastig umblickte, als befürchte er, jemand könne ihn bemerkt haben. Was, verdammt noch mal, war gerade mit ihm los gewesen?! Er hatte sich mühevoll dazu überwunden, Reita die Behandlung zu geben, die er wollte, damit er besser arbeiten konnte, doch zu keinem Zeitpunkt war eingeplant gewesen, dass er dabei die Beherrschung verlor! Und schon gar nicht, dass er es übertrieb, nur um seine Neugier zu befriedigen. Ruki schluckte trocken, als für eine winzige Sekunde der Gedanke in seinem Geist auftauchte, dass seine Neugier vielleicht nicht das Einzige war, was er befriedigen wollte, doch er schüttelte schnell den Kopf und ballte die Fäuste, um sich zur Ruhe zu rufen. Reita sah gut aus und seine Art hatte etwas Anziehendes, das war sogar Uruha, der wie kein anderer von sich selbst eingenommen war, aufgefallen. Aber nichts davon, auch nicht die Tatsache, dass Ruki die plötzliche Hilflosigkeit und das unterwürfige Verhalten des anderen alles andere als kalt ließ, war von Bedeutung. Und schon gar nicht seine eigenen Bedürfnisse! Es gab nur einen Ausweg, er musste das Spiel so schnell wie möglich beenden, bevor er die Kontrolle darüber verlor! Ruki hätte sich in den Hintern treten können, dass er sich überhaupt darauf eingelassen hatte. Er war unter falschem Namen in den Club eingedrungen, hatte einen der Angestellten körperlich angegriffen und wollte einen Kunden entführen! Er sollte so schnell wie möglich mit Reita verschwinden! Über alles andere konnte er sich später Gedanken machen! Hastig tastete er nach den Fußfesseln des anderen und öffnete sie, Reitas erstaunten Laut vollkommen ignorierend, bevor er sich an die Handfesseln machte und diese aufschnürte. Er kippte beinahe nach hinten weg, als ihm der Körper des anderen so schlaff wie ein Sack in die Arme fiel, und schaffte es nur mit Müh und Not, ihn auf den Boden zu legen, ohne seinen Rücken noch weiter zu verletzen. Reita zuckte leicht zusammen und verzog die Miene, als er bewegt wurde, doch dies schien nicht das Problem zu sein, das ihn am meisten beschäftigte. »Wieso hörst du auf?«, hauchte er und tastete nach Ruki, der erst begriff, was gerade geschah, als der Bassist schon sein Bein ergriffen hatte und ihn festhielt. »Bitte, hör noch nicht auf! Ich verspreche, ich tue alles, was du willst! Aber bitte ...« Seine Worte erstarben, als er seinen Kopf demütig auf Rukis Fuß legte, der sich vor Anspannung kaum mehr beherrschen konnte. Sein Blick huschte zur Uhr, die ihm verriet, dass sie noch 20 Minuten hatten, bevor die Zeit abgelaufen war. Genug Zeit, um zu verschwinden, aber viel zu wenig, wenn er Reita erklären musste, warum er hier war – und noch viel besser, warum er sich nicht früher zu erkennen gegeben hatte. Wenn Reita erst einmal erfuhr, dass er es gewesen war, der ihn die letzten Minuten über geschlagen hatte, würde er ihn töten! Ruki verdrehte die Augen, als ihm klar wurde, dass dieser Abend für ihn sehr unangenehm enden würde. Sein Blick wanderte zur Reita, dessen Hände noch immer sein Bein umklammert hielten, als befürchte er, Ruki würde ihm ein für alle Mal den Rücken zukehren, wenn er ihn losließ. Sein Anblick löste ein so seltsames Gefühl in dem blonden Sänger aus, so dass er sich am liebsten sofort losgerissen hätte. Es war beklemmend, gleichermaßen verstörend und bizarr, Reita so zu erleben. Reita, der sonst keine Gelegenheit ausließ, seine Männlichkeit zu beweisen und mit Uruha um die Wette trank, bis einer von ihnen unter dem Tisch lag. Es fiel ihm schwer zu glauben, dass dieser Reita der selbe war, den er kannte. In diesem Moment schien er so hilflos, so schutzbedürftig, dass Ruki sich am liebsten auf die Zunge gebissen hätte, als er erkannte, dass seine Entschlossenheit zu bröckeln begann. Einen letzten Blick noch warf er der Uhr zu, dann schüttelte er den Kopf und ging neben dem anderen in die Hocke, um ihm vorsichtig durch die Haare zu streicheln. Er sah, wie Reita irritiert die Stirn kräuselte, doch es kümmerte ihn nicht, was dieser denken mochte. Einen Augenblick lang schlug sein Herz schneller, als ihm einfiel, dass Reita ihn an seinem Parfum oder seiner Kleidung erkennen könnte, doch der andere schien sich überhaupt nicht darum zu kümmern. Sein Mund öffnete und schloss sich wieder, als würde er es nicht wagen, eine Frage zu stellen, doch dann entspannte sich sein Gesicht und er ließ sich das sanfte Streicheln ohne Beschwerden gefallen. Ruki lächelte wehmütig, als er sah, wie sich Reita in die Berührung schmiegte, bevor er seine Hand weitergleiten ließ, über den Nacken auf die schmalen Schultern und den Rücken entlang, stets darauf bedacht, dass er keine der verwundeten Stellen berührte. Der kleine Tropfen Blut war inzwischen getrocknet und abgeblättert, doch es schmerzte Ruki trotzdem, die Spuren seiner Taten zu sehen. »Es tut mir leid ...«, flüsterte er leise, wohl wissend, dass Reita ihn nicht hören konnte, doch allein die Worte gesagt zu haben, beruhigte ihn etwas. Was stimmte bloß nicht mit ihm? Es war die Art und Weise, wie seine Hand über den Körper des anderen wanderte, wie seine Fingerspitzen die weiche Haut betasteten, als hätte er ihn noch nie zuvor berührt, und wie seine Augen jeder Bewegung folgten, jedes kleine Zucken, jedes Erschaudern in sich aufsaugten, so dass alles um ihn herum in der Belanglosigkeit zu verschwinden begann. Er spürte, wie Reitas Atmung ruhiger wurde, wie er die kleinen Berührungen ebenso genoss wie kurz zuvor die Schmerzen, obwohl Ruki sicher war, dass er damit alle Regeln brach, die in solchen ›Spielen‹ galten. Doch er wollte sich nicht daran halten. Es war ihm egal, was danach geschah oder was Reita von ihm denken mochte, wenn er herausfand, ›wer‹ ihn gerade anfasste. Es war ihm alles egal, solange dieser Moment nur nicht endete. Eine Bewegung ließ ihn aus der Trance aufschrecken, in die er für einen Augenblick gefallen war, und als er den Blick senkte, um in Reitas Gesicht zu blicken, sah er, wie sich dessen Lippen gegen seinen Schuh drückten und diesen vorsichtig küssten, als wisse der Bassist selbst nicht, ob ihm dies gestattet war. Ruki schnappte nach Luft, doch es kam ihm nicht einmal in den Sinn, den anderen von sich zu stoßen, bis dessen Zunge mit einem Mal über das raue Leder fuhr und seine Finger zaghaft unter Rukis Hosenbein wanderten, um sich auf die warme Haut zu legen. Erst in diesem Moment begriff der Sänger, was gerade geschah, und riss sich mit einem Ruck los, um einen Schritt nach hinten zu springen. Reita schrak zusammen, ehe seine Lippen auf einmal so dünn wie Striche wurden und er sich auf dem Boden zusammenkrümmte, sein Gesicht mit den Händen schützend. Ruki hatte sich noch gar nicht richtig von dem letzten Schock erholt, bevor ihn der nächste überfiel, als er begriff, dass Reita auf seine Bestrafung wartete. Was sollte das? Erwartete er, dass er ihn trat wie einen Hund? Was, verdammt noch mal, ging in diesem Club vor, dass Reita überhaupt auf so eine Idee kam! »Ich bringe diesen Chiaki um!«, zischte er und schlug mit der Faust in die Luft, drauf und dran, aus dem Zimmer zu stürmen und den jungen Mann grün und blau zu schlagen, doch er besann sich noch rechtzeitig, dass dies sicher das Dümmste war, das er machen konnte, wollte er wieder heil aus Kabukichō herauskommen. Zudem brauchte Reita ihn jetzt dringender. Erst jetzt bemerkte er, dass dessen Zittern nicht nur von der Angst vor einer unbekannten Strafe kommen konnte. Der Boden, auf dem er lag, war kalt und rau, und auch wenn die Verletzungen auf seiner Haut nur oberflächlich waren, war es sicher nicht angenehm, auf diesen zu liegen. Kurzentschlossen griff Ruki nach einem Arm des Bassisten und hängte sich diesen über die Schulter, den anderen wickelte er um seine Hüfte, damit er ihm nicht vom Rücken rutschte, bevor er ihn das kurze Stück bis zu einem mit Leder gepolsterter Hocker trug, von dem Ruki nicht wirklich wusste, zu welchem Zweck er gedacht war. Er war ein wenig breiter als ein normaler Stuhl, fast wie eine kleine Bank, leicht nach unten gewölbt und lang genug, dass ein kompletter Oberkörper darauf Platz hatte, so dass er Reita nach kurzem Zögern mit dem Bauch darauf ablegte, um ihm eine erneute Berührung mit dem Untergrund zu ersparen. Der Bassist ließ alles mit sich geschehen und wehrte sich auch dann nicht, als Ruki ihn ein Stück nach vorn schob, so dass nur noch seine Arme und Beine an den Seiten des Hockers herabbaumelten. Stattdessen griff er nach den Stuhlbeinen und hielt sich daran mit den Händen fest, während er im gleichen Moment die Beine öffnete und das Becken in die Höhe streckte. Ruki sog harsch die Luft ein und taumelte einen Schritt zurück, unfähig, auf diese neue Situation angemessen zu reagieren. Wieso passierte jede Minute etwas neues Unvorhersehbares, gerade dann, wenn er der Meinung war, endlich alles verstanden zu haben. Reita zu schlagen, war eine Sache – schlimm genug, dass er das getan hatte – aber ihm das zu geben, worum er ihn gerade bat, war zu viel. Und doch ließ es ihn einen Moment zaudern. Er war auch nur ein Mensch, und er war keineswegs so abgestumpft, dass ihn dieser Anblick kalt ließ. Und von ihm zu verlangen, Reita einfach zu ignorieren, war mehr, als er über sich bringen konnte. Immerhin war er mit Reita allein... Niemand würde es erfahren ... Ruki hätte sich am liebsten geschlagen, als er sich dessen bewusst wurde, was er gerade dachte. Wie tief war er schon gesunken, dass er so etwas überhaupt in Betracht zog! »Das ist alles deine Schuld ...«, brummte er angesäuert und ballte die Hände zu Fäusten. In gewisser Weise stimmte es, auch wenn ihm klar war, dass er Reita unmöglich die Alleinschuld dafür geben konnte, dass er ihn aufgeheizt hatte. Ruki erinnerte sich noch gut daran, dass es ihm an Ende nicht mehr ganz so zuwider gewesen war, den anderen zu schlagen, wie am Anfang. Und auch wenn er sich damit gerechtfertigt hatte, dass er ihn nur beobachten wollte, ihm nur das gab, was er sich wünschte, war ihm deutlich bewusst, dass dies eine Lüge war. Es hatte ihm tatsächlich ein bisschen gefallen, ihn leiden zu sehen und gleichzeitig zu wissen, dass er jede Sekunde, jeden Schlag, jeden Schmerz liebte. Und dass er sich dies tatsächlich eingestand, entsetzte ihn beinahe noch mehr als die eigentliche Tatsache. »Arschloch!«, fauchte er und versuchte sich abzuwenden, aber er konnte seinen Blick nicht von Reita lösen, von der vertrauensvollen Art, mit der er sich ihm darbot, vollkommen blind gegenüber allem, was Ruki mit ihm tun könnte, wenn er wollte. Er könnte ihn weiter auspeitschen, könnte ihn fesseln und hier zurücklassen, oder ... Rukis Blick wanderte zu dem kleinen Tisch, von dem er zuvor die Peitsche genommen hatte. Dort lagen noch sehr viel mehr Gegenstände, teilweise von so seltsamer Form, dass er sich nicht vorstellen konnte, wofür sie benutzt werden sollten. Doch die Funktion von einigen kannte er. »Nie, nie wieder gehe ich nach Kabukichō«, schwor er sich leise, als er zu dem Tisch ging und seine Finger über die unterschiedlichen Spielzeuge gleiten ließ, deren Auswahl so groß war, als hätte man das gesamte Sortiment eines Sex-Katalogs vor ihm ausgebreitet. Stand Reita auf so was? Es lag hier sicher nicht zum Spaß herum! Eine kleine, einzelne Fernbedienung zog Rukis Aufmerksamkeit auf sich. Misstrauisch nahm er sie in die Hand, vergeblich nach einem passenden Gerät Ausschau haltend, ehe er den Regler ein Stück nach oben schob und herumfuhr, als Reita im selben Moment einen verzerrten Laut von sich gab. »Scheiße«, flüsterte Ruki atemlos und starrte auf das Becken des anderen, das sich gegen den Hocker gepresst hatte und leicht dagegen bewegte, während sich die Beine des Blonden noch ein Stück weiter öffneten. Hastig schob Ruki den Regler wieder nach unten und schluckte trocken, als er spürte, wie seine Hose im Schritt plötzlich sehr eng wurde. Der neue, sexuelle Aspekt der Situation überforderte ihn vollkommen. Reitas Pose war so verlockend, so anzüglich, dass er sich zu jedem anderen Zeitpunkt sofort auf ihn gestürzt hätte, hätte er nicht im Hinterkopf gehabt, dass er dies nicht durfte. Ein weiteres Mal schob er den Regler nach oben, diesmal langsamer als vorher, jede Reaktion des anderen mit den Augen aufsaugend, um auch ja nichts zu verpassen. Auch wenn es beinahe noch schlimmer war als die Schläge, musste er zugeben, dass ihn dies eindeutig besser gefiel. Vielleicht lag es daran, dass er selbst wusste, wie viel Lust diese Art der Stimulation freisetzen konnte, vielleicht war es aber auch einfach die Tatsache, dass er Reita nicht mehr verletzen musste, um sein Stöhnen zu hören, einen Laut, von dem er sich niemals vorgestellt hätte, dass er ihn einmal so erregen könnte. Mit leisen Schritten ging er auf ihn zu, auch wenn er wusste, dass Reita ihn nicht hören konnte, und hockte sich hinter ihn, um den dünnen Ledertanga mit den Fingerspitzen ein kleines Stück zur Seite zu ziehen. Und tatsächlich sah er eine dünne Schnur, die aus der Öffnung des anderen baumelte, ein kleines Spielzeug, das die ganze Zeit dort gewesen war, ohne dass er es bemerkt hatte. Obwohl es kaum zu hören war, musste seine Vibration äußerst stark sein, denn Ruki hatte den Regler noch nicht einmal bis zur Hälfte hinaufgeschoben und trotzdem wand sich Reita so stark, als könne er es kaum mehr ertragen. Seine Hände krallten sich in die Stuhlbeine, und sein Körper rutschte rastlos auf der glatten Oberfläche hin und her, so dass Ruki befürchtete, er würde jeden Augenblick runterfallen. Doch die leicht abgesenkte Kuhle im Hocker verhinderte dies sehr gut, und so langsam war sich Ruki sicher, dass sie auch tatsächlich für diesen Zweck gedacht war. Langsam hob er eine Hand und ließ sie über die erhitzte Haut des anderen gleiten, wohlig erschaudernd, als er spürte, wie Reita sich der Berührung entgegenstreckte. Seine Fingerspitzen tasteten sich über die geröteten Stellen, strichen über die Wirbelsäule, hinauf zu den Schulterblättern und über die Oberarme, bis sie wieder zurück zu Reitas Nacken glitten und diesen sanft streichelten. Rukis Augen weiteten sich, als der Bassist ein heiseres Stöhnen von sich gab und den Hals reckte, um die Berührung zu intensivieren. Die leichten Abdrücke des Stoffbandes, das ihm am Kreuz die Luft abgeschnürt hatte, waren noch zu sehen, und als Ruki vorsichtig seine Fingerspitzen über die Stelle gleiten ließ, stieß der Bassist einen so wollüstigen Laut aus, dass Ruki seine Zähne in seine volle Unterlippe grub, um nicht ebenfalls aufzustöhnen. Er spürte, wie seine Hose immer enger wurde, und zupfte an dem rauen Stoff herum, bevor er schließlich aufgab und seine Hand in seinen Schritt legte, um diesen zu reiben. Seine andere Hand fuhr derweilen weiter über Reitas Hals, erst vorsichtig, dann stärker, jede Reaktion des anderen genau im Augen behaltend, bis sich alle fünf Finger flach auf die sensible Haut zu legen und zuzudrücken begannen. Reitas Lippen flogen auseinander, gaben einen japsenden Laut von sich, bevor sie zitternd nach Luft rangen und kleine, wimmernde Töne ausstießen, die so stark von Lust durchdrungen waren, dass es Ruki all seine Selbstbeherrschung kostete, um nicht auf der Stelle bei seinem Anblick zu kommen. Sein Blick wanderte zu der kleinen Fernbedienung, die er auf den Boden gelegt hatte, und bevor er es sich versah, hatte er sie aufgehoben und presste seinen Schritt stattdessen gegen Reitas Po, um sich daran zu reiben, während er den Regler quälend langsam in die Höhe schob, bis er den Anschlag erreicht hatte. Das Gefühl, als er sah, wie sich Reita unter den immer stärker werdenden Vibrationen wand und krümmte, war so intensiv, dass er sich beinahe nicht mehr zusätzlich stimulieren musste. Es war, als würde er es selbst spüren, als könnte er fühlen, was Reita in diesem Moment fühlte, genauso intensiv und durchdringend. Er nahm jede Bewegung in sich auf, jeden Laut, jedes Zittern, während sein Blick glasig wurde und das Bild des Raumes vor seinen Augen zu verschwimmen begann. »Reita ...«, flüsterte er leise und beugte sich zu ihm hinab, um seine Lippen über dessen Rücken gleiten zu lassen. Vorsichtig, beinahe zärtlich küsste er sich seinen Weg über die aufgeheizte Haut, dränge sein Becken noch enger zwischen die weit gespreizten Beine und versuchte ein letztes Mal, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren, doch als Reita leise wimmerte und sich seinen Berührungen entgegenschmiegte, wusste er, dass er keine Chance mehr hatte. Die Fernbedienung entglitt seiner Hand und landete mit einem markanten Geräusch auf dem Boden, als er sich reckte und den Kopf des anderen zur Seite schob, so dass er sein Gesicht sehen konnte. Die Wangen waren tief gerötet, verschwitzte blonde Strähnen klebten auf seiner Haut und auf der Augenbinde, und seine halb geöffneten Lippen rangen atemlos nach Luft. Ruki biss die Zähe zusammen, als sich ein seltsames Gefühl in seinem Magen ausbreitete, doch er weigerte sich, es näher zu definieren. Er konnte nicht sagen, was nicht mit ihm stimmte, verstand selbst nicht, was mit ihm geschah, doch spätestens in dem Moment, in dem er seine Lippen hauchzart auf Reitas legte, wusste er, dass absolut ›nichts‹ mehr in Ordnung war. Er spürte, wie ein Herz schneller zu klopfen begann, wie sich sein Körper vor Aufregung verspannte, obwohl er seine Lippen noch nicht einmal bewegte, und als Reita den Kuss mit leichtem Druck erwiderte, glaubte er den Verstand zu verlieren. Seine Hand nahm den Druck vom Hals des anderes, koste sanft über die weiche Haut und strich über sein Gesicht, bis ihn mit einem Mal ein leise gehauchtes Wort erstarren ließ. »Chiaki ...« Rukis Augen weiteten sich entsetzt, während er wie vom Blitz getroffen zurücktaumelte und auf dem harten Untergrund landete. Was ... Was hatte Reita gerade gesagt? Chaiki? Er hielt ihn für Chiaki?! Ein Faustschlag direkt ins Gesicht hätte ihn nicht effektiver in die Realität zurückholen können. Reita dachte an Chiaki, während er ihn, Ruki, küsste? Der Sänger ballte die Fäuste, als ihm klar wurde, dass der andere natürlich nicht wusste, wer er war, dass er es noch nicht einmal ahnen konnte. Aber er musste doch merken, dass die Berührungen anders waren, dass Ruki ihn nicht verletzen wollte, sondern dass er ihn ... Er musste merken, dass sich etwas verändert hatte ... Ruki biss sich so fest auf die Unterlippe, dass es weh tat, doch das konnte den Schmerz in seiner Brust nicht übertönen. Eine kleine Stimme in ihm flüsterte ihm zu, dass er kein Recht hatte, wütend zu sein, dass er gewusst hatte, worauf er sich einließ, doch der Zorn in ihm war viel lauter und wuchs mit jeder Sekunde, bis er so mächtig war, dass Ruki sich nicht mehr beherrschen konnte. Ohne darüber nachzudenken, was er tat, griff er nach der Peitsche auf dem Boden und sprang auf, ehe er sie über den Kopf erhob und so fest zuschlug, dass Reita jaulend zusammenzuckte. Doch Ruki kümmerte sich nicht mehr darum, wie groß die Schmerzen waren, die er dem anderen zufügte. Stattdessen holte er erneut aus und schlug zu, wieder und wieder, bis das Bild vor seinen Augen verlief und er nichts mehr wahrnahm außer schwimmenden Farben und Reitas gequälten Schreien, die in seinem Kopf ohne Effekt verhallten, bis er die Peitsche mit einem Mal sinken ließ und stattdessen mit der flachen Hand zuschlug. Seine Handfläche brannte, so fest ließ er sie auf Reitas nackte Haut klatschen, doch er nahm es nicht einmal war. In seinem Kopf tobten die widersprüchlichsten Gefühle, angeführt von Zorn und Verzweiflung, doch nicht zuletzt durchzogen von einer tiefen Verletztheit, die ihm erst bewusst wurde, als er fühlte, dass seine Schläge zwar seine Wut katalysierten, ihm aber weder Befriedigung verschafften noch seinen Schmerz abklingen ließen. Doch zur Vernunft kam er noch lange nicht. Sein Kiefer tat weh, so fest hatte er die Zähne aufeinander gebissen, und als er mit verschwommenem Blick sah, dass Reita noch immer die Beine geöffnet hatte, hätte er am liebsten geschrieen. Sah der andere das noch immer als Teil des Spiels? Begriff er nicht, dass es schon lange Ernst war? Dachte er etwa immer noch, Chaiki würde ihn für Geld strafen und seine perversen Gelüste befriedigen?! »Fickt er dich etwa auch?«, fauchte Ruki voller Zorn, schon lange nicht mehr fähig, sich zu zügeln. »Stehst du darauf, wenn er dich schlägt, während er seinen Schwanz in dich rammt?! Das kann ich auch!« Er spürte, wie sich Flüssigkeit aus seinen Augenwinkeln löste, als er die letzten Worte sprach, und seine Wange hinabrann, doch er wischte sie weg, ohne darüber nachzudenken, was sie bedeutete. Hastig sah er sich nach einem Gegenstand um, mit dem er seine Drohung wahr machen konnte, doch außer der Peitsche war nichts in seiner Reichweite. Einen Augenblick zögerte er, doch dann breitete sich ein grimmiger Ausdruck auf seinem Gesicht aus und er packte Reitas Pobacken, bevor er den Griff der Peitsche an dessen Öffnung setzte und ihn hineindrängte. Ein zynisches Lachen entwich ihm, als das Material beinahe ohne Widerstand immer tiefer hineinglitt, bis es beinahe bis zur Hälfte versunken war. Hatte Reita die Folter so angeturnt, dass er noch nicht mal mehr Gleitmittel brauchte? Oder waren dies noch die Überreste von dem Zeitpunkt, als Chiaki das vibrierende Spielzeug in ihn eingeführt hatte? Wie konnte dieser es wagen, Reita an so einer Stelle zu berühren?! Ruki atmete hastig ein und aus, als der Schmerz in seiner Brust beinahe übermächtig wurde, und krallte seine Finger in Reitas Oberschenkel, um den sich windenden Bassisten ruhig zu halten, doch dieser strampelte plötzlich so stark, dass er ihn nicht mehr kontrollieren konnte. Mit einem dumpfen Laut kippte der Hocker zur Seite, doch erst der gequälte Aufschrei, als Reita auf dem harten Fußboden landete, holte Ruki wieder in die Wirklichkeit zurück. Und mit einem Mal begriff er, was er getan hatte. »Scheiße ...«, hauchte er tonlos und wischte sich die Tränen aus den Augen, ehe er mit zitternder Hand nach dem anderen tastete, dessen Körper so stark bebte, als sei er völlig am Ende seiner Kräfte. Sein Brustkorb hob und senkte sich unregelmäßig, seine Unterlippe blutete, und seine Finger kratzten an seiner Augenbinde, doch er schaffte es nicht, sie zu lösen. Spätestens jetzt wusste Ruki, dass der andere nicht mehr länger denken konnte, er sei Chiaki. Was gerade passiert war, hatte jede Regel gebrochen. Ruki konnte sich noch nicht einmal vorstellen, was es in Reita für eine Panik auslösen musste, plötzlich zu erkennen, dass er einem Fremden ausgeliefert war, einem Menschen, der sich nicht beherrschen konnte und ihn ohne jegliche Vorwarnung verletzte. Ruki brauchte einige Sekunden, bis er sich darüber klar wurde, dass er sofort etwas tun musste, um Reita zu beruhigen, bevor dieser auf den Gedanken kam, einfach zu schreien und den Sicherheitsdienst zu alarmieren. So schnell wie er konnte, entfernte er die Peitsche aus ihm und fuhr den Regler der Fernbedienung herunter, bevor er auch das andere Spielzeug aus Reita zog und es achtlos wegwarf. Er kümmerte sich nicht darum, dass der andere ausschlug und kratzte, als er ihn an sich zog und seine Arme um ihn schloss, um sein Gesicht in seiner Halsbeuge zu vergraben. »Es tut mir leid ...«, flüsterte er, ehe er sich daran erinnerte, dass der andere ihn nicht hören konnte und die Ohrstöpsel entfernte. Einen Moment fuhren seine Fingerspitzen über die Schnallen der Augenbinde, doch er konnte ihm jetzt nicht in die Augen blicken. »Reita, es tut mir leid ...«, wiederholte er ebenso leise und konnte förmlich spüren, wie der Bassist zusammenzuckte, als er seine Stimme erkannte. »Ruki?«, hauchte er ungläubig und seine Arme sanken kraftlos nach unten, bevor er den Kopf an Rukis Schulter kippen ließ. Dieser antwortete nicht, strich nur vorsichtig über die nackte Haut des anderen und küsste zaghaft seine Schulter. Er wollte erklären, was er getan hatte, doch er konnte nicht die richtigen Worte finden. Es gab keine Erklärung. Das Einzige, was er jetzt tun konnte, war zu hoffen, dass Reita ihn nicht hassen würde. Denn das könnte er nicht ertragen. Nicht nachdem er immer mehr zu begreifen begann, was er für ihn empfand. Beinahe erwartete er, dass Reita ihn von sich stoßen würde, doch dieser tat nichts dergleichen. Stattdessen fuhren seine Hände über Rukis Rücken hinauf bis zu seinem Nacken und gruben sich in die blonden Haare, um ihn zu zwingen ihn anzusehen. Ruki schluckte, als er die feuchten Spuren auf dem Gesicht des Bassisten sah, und das Wissen, dass er sie verursacht hatte, ließen den stechenden Schmerz in seinem Brustkorb noch anwachsen. Alles, was er getan hatte, erschien ihm auf einmal so unwirklich. Es war entfernt und verschwommen, beinahe so, als sei er nur ein Beobachter gewesen. Und als Reita ihn plötzlich küsste, glaubte er, erneut in einen Traum zu fallen. Er spürte die weichen Lippen auf den seinen, spürte, wie sie sich bewegten und schmeckte den leichten Geschmack des Blutes, während Reita ihn näher zog und sich an ihn schmiegte, doch er konnte es nicht glauben, auch wenn ihm sein rasender Herzschlag sagte, dass es wahr war. Was geschah gerade? Die schlanken Finger des anderen fuhren über den rauen Stoff seiner Jacke und schoben diese von seinen Schultern, ehe er Ruki sanft nach hinten auf den Rücken drückte. Dieser ließ alles mit sich geschehen, starrte nur fassungslos auf den Bassisten, dessen schmaler Körper sich an ihn drängte, als sei nichts der letzten Stunde wirklich passiert. Hatte Reita nicht begriffen, dass er es war? Verstand er nicht, dass das, was Ruki mit ihm getan hatte, furchtbar war? Warum küsste er ihn stattdessen? Er wollte nach der Augenbinde greifen, wollte sie lösen, doch Reitas Kuss betäubte ihn vollkommen, so dass er es nicht fertig brachte, die Hände zu heben. Und als er es doch schaffte, fuhren sie stattdessen über Reitas Rücken und gruben sich letztendlich in seine Haare, um ihn näher zu ziehen, während er im selben Moment die Augen schloss. Er spürte den anderen gegen seine Lippen lächeln, doch er konnte nichts mehr erwidern. Ohne zu wissen, was er tat, öffnete er den Mund und erschauderte, als Reitas Zunge nur wenige Sekunden später in diesen hineinglitt und ihm auch noch den letzen Funken Verstand raubte. Er bemerkte fast nicht, wie der andere seinen Gürtel und seinen Hosenstall öffnete, genoss die Berührung der delikaten Lippen und das prickelnde Gefühl, das sie in ihm auslösten, und erst, als eine warme Hand in seine Unterwäsche schlüpfte, wurde ihm klar, was gerade geschah. Doch er wehrte sich nicht, grub seine Hand nur noch fester in Reitas Schopf und küsste ihn verzweifelt, als würde er befürchten, dass sich der andere jeden Augenblick in Luft auflösen könnte. Ein heiseres Keuchen entfuhr ihm und wurde von Reitas Kuss geschluckt, als dieser seine Hand um sein Glied schloss und es zu massieren begann, während er sich auf Ruki hockte und seinen Unterkörper gegen diesen drückte. Der Sänger stöhnte unterdrückt auf, als er merkte, wie ihn die Berührungen des anderen schneller erregten, als ihm lieb war. Und als dieser schließlich sein Becken anhob und sich positionierte, vergaß er beinahe zu atmen. Er spürte, wie er Zentimeter für Zentimeter in Reita versank, wie ihn dessen enger Körper aufnahm, so dass ihm die Luft aus den Lungen gepresst wurde und er zu träumen glaubte. Doch es war real ... Es war absolut abwegig, unbegreiflich in jeder Hinsicht, doch alles, was geschah, war real. Reitas Lippen legten sich erneut auf die seinen, küssten ihn stürmisch und hemmungslos, während sich der Bassist auf ihm zu bewegen begann, sich immer wieder auf die Knie hochstemmte und zurücksinken ließ, bis sich ihm Rukis Unterkörper beinahe von selbst entgegenbewegte. »Reita ...«, hauchte er gegen die weichen Lippen, die ihm vollkommen den Atem raubten, und griff nach dem Becken des anderen, um ihn zu stützen. Sein Körper entzog sich mehr und mehr seiner Kontrolle, stieß sich in die feuchte Enge und entlockte Reita Laute, die ihn selbst nur noch mehr anheizten. Das war es, was er gewollt hatte ... Er wollte ihn auf sich erleben, wollte fühlen, wie sich seine Hände in seine Haut krallten, wollte ihn seufzen und stöhnen hören und genau wissen, dass er es war, wegen dem er dies tat. »Reita ...«, er konnte nicht mehr zählen, wie oft er das Wort sagte, wusste nicht einmal, ob er es überhaupt aussprach oder nur dachte, als sich sein Bewusstsein immer weiter von der Realität entfernte, bis jeder Nerv in seinem Körper wie ein Feuerwerk zu explodieren schien. Er warf den Kopf in den Nacken und biss die Zähne zusammen, um seinen Aufschrei zu unterdrücken, so dass der einzige Laut, der seine Kehle verließ, ein gepresstes Wimmern war. Sein Rücken krümmte sich in die Höhe und seine Fingernägel krallten sich in Reitas Haut, während in seinem Kopf alles blank und leer wurde. Wie durch einen Nebelschleier hindurch spürte er, wie sich Reita um ihn verkrampfte, wie sich der Bassist ein letztes Mal pfählte, bevor er lautlos auf ihm zusammenbrach und schwer atmend liegen blieb. Sein Körper war heiß und feucht vom Schweiß, seine Atmung beängstigend flach und leise, doch als Ruki schließlich die Augen öffnete und sein Gesicht betrachtete, wusste er, dass es ihm gut ging. Und er wusste noch etwas, auch wenn er es nicht verstand. Er fühlte es in der Art, wie sich seine Arme um Reita legten, wie seine Fingerspitzen vorsichtig über die weiche Haut kosten und er den Kopf des anderen zu sich heranschob, um ihn sanft zu küssen. Er fühlte es mit jeder Faser seines Körpers, mit jedem Gedanken ... Dies war kein Traum. Er hatte sich in Reita verliebt. tbc. Schreibt mir Kommentare!!! ^_^ Kapitel 4: ----------- Kapitel 4 Als Ruki am nächsten Morgen mit einem lauten Piepen seines Weckers aus dem Schlaf gerissen wurde, hätte er das blaue Plastikteil am liebsten mit Schwung gegen die nächste Wand geknallt. Sein Kopf schmerzte höllisch, seine Glieder fühlten sich so schwer an, als hätte er in der letzten Nacht ein Konzert geben müssen, und als er sich aufrichtete, um zur Seite zu hangeln und der lautstarken Folter ein Ende zu bereiten, wurde ihm beinahe schwarz vor Augen. Schnell drückte er den kleinen Knopf und sank wieder zurück auf sein Kissen, wo er einige Momente still liegen blieb, bis er vorsichtig die Augen öffnete und das Chaos betrachtete, das er vergangene Nacht in seinem Zimmer angerichtet hatte. Eine Spur von leeren Bierdosen zog sich von der Küche bis zu seinem Bett, aufgerissene Chipstüten, deren Inhalt sich auf seinen Fußbodenbelag verteilt hatte, lagen zwischen Zeitschriften und anderen Gegenständen, die runtergefallen waren, als er im volltrunkenen Zustand seinen Couchtisch umgerannt hatte, bis er schließlich benebelt und noch halb bekleidet in sein Bett gesunken war. Es war nicht Rukis Stil, sich einfach zu besaufen, schon gar nicht, wenn er allein war. Seiner Meinung nach taten dies nur vom Leben frustrierte Männer in ihren Vierzigern. Doch der letzte Abend hatte etwas in ihm ausgelöst, das von der Stärker der Emotionen her durchaus mit einer ausgewachsenen Midlifecrisis gleichziehen konnte. Ruki seufzte kläglich und schlug die Decke über seinen Kopf, um sich darunter wie eine kleine Kugel zusammenzurollen. Zu gerne hätte er behauptet, dass alles, was gestern passiert war, nur ein seltsamer, von zu viel Pornokonsum und Bier inspirierter Traum gewesen war, doch leider waren seine Erinnerungen so klar und scharf, als sei es eben erst geschehen. Er konnte sehen, wie er Reita gefoltert hatte, konnte die weiche Haut unter seinen Händen spüren und die Striemen, die er auf ihr hinterlassen hatte, bevor er ... Ruki schluckte trocken und kniff die Augen fest zusammen, als würde dies die grausamen Bilder verschwinden lassen. In einen seiner besten Freude verliebt zu sein, das war etwas, was früher oder später jedem mal passieren konnte. In einen seiner männlichen besten Freunde verliebt zu sein, der auch noch in der selben Band spielte wie man selbst, das kam schon seltener vor. Doch in einen seiner männlichen besten Freunde verliebt zu sein, ihn in einem S/M Club ohne dessen Wissen zu foltern und anschließend zu vergewaltigen, das war etwas, von dem Ruki mit Bestimmtheit sagen konnte, dass er der einzige Mensch auf diesem ganzen Planeten war, dem es passierte. Er ignorierte die Tatsache, dass das, was er getan hatte, keine 100%-ige Vergewaltigung gewesen war, da er zumindest den Sex nicht von sich aus initiiert hatte. Doch alles davor war sein Werk gewesen, jede Minute, jeder Hieb, jeder Schmerz ... Und zu wissen, dass er zu so etwas fähig war, fühlte sich schlichtweg zum Kotzen an ... Und dann hatte er das Schlimmste überhaupt getan. Er war weggerannt. Er hatte Reita liegen gelassen, panisch seine Sachen gerafft und war aus dem Club in die grell beleuchteten Straßen von Kabukichō geflüchtet. Er wusste nicht, wie lange er dort herumgeirrt war, doch anstatt den Bahnhof zu suchen, hatte er sich in irgendeiner Kneipe in die dunkelste Ecke verzogen und sich die ersten harten Drinks hinter die Binde gekippt, um zu vergessen, was für ein perverses Arschloch er war. Viel zu früh war ihm das Geld ausgegangen, und als er es schließlich nach Hause geschafft hatte, war alles Alkoholische, was er noch in seinem Kühlschrank gefunden hatte, zwei Sixpacks Bier und eine halb leere Flasche Wodka gewesen, die in der nächsten Stunden dran glauben mussten. Und irgendwann zwischen dem Zeitpunkt, als er auf einer Chipstüte ausgerutscht und gegen den Couchtisch geknallt war, und jenem, als er sich auf dem Klo übergeben hatte, war ihm klar geworden, dass er wohl der jämmerlichste Mensch auf der ganzen Erde war. Er hatte nicht nur die Person, in die er sich verliebt hatte, missbraucht, er hatte sie dann auch hilflos zurückgelassen. Wenn Reita ihn nicht schon gehasst hatte, nachdem er erfahren hatte, dass Ruki sein Folterer war, dann tat er es jetzt bestimmt. »Ich bin so ein Arschloch ...«, hauchte Ruki leise und schlang die Arme um seine Beine, bevor er die Decke zurückschlug, weil er unter dem dicken Stoff keine Luft mehr bekam. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er noch eine halbe Stunde hatte, bis er am PS Company Hauptgebäude sein musste, doch das Letzte, was er heute wollte, war Reita in die Augen zu blicken. »Handy ...«, murmelte er und tastete auf dem Boden nach seiner Tasche, bevor er das Gleichgewicht verlor und mit einem dumpfen Laut auf dem Fußboden aufschlug. Er wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte, doch schließlich entschied er, dass Lachen in Anbetracht der Lächerlichkeit seiner ganzen Situation die angebrachtere Reaktion war. Es kam ihm vor, als würde es eine ganze Stunde dauern, bis er schließlich das Handy gefunden hatte und in seinem Adressbuch nach Kais Nummer suchte. »Moshi Moshi?«, erklang die fröhliche Stimme des Drummers nur Sekunden später aus seinem Apparat und Ruki zuckte leicht zusammen, als der Ton seinen Kopfschmerz nur noch weiter anfachte. »Kai, ich bin krank ...«, flüsterte er ins Handy und musste noch nicht einmal schauspielern, um seinen Tonfall leidend klingen zu lassen. »Ich bleib heute im Bett ...« Einen Moment blieb es still, dann erhob Kai das Wort. »Ich glaube, es wäre besser, wenn du ins Studio kommen würdest. Du hast dir gestern ganz schön was geleistet, als du ...« »Ist das Ruki?«, unterbrach ihn eine Stimme aus dem Hintergrund und nur Sekunden später erklang Uruhas aufgebrauste Stimme. »Hast du eigentlich noch alle Tassen im Schrank, so was zu tun? Schwing deinen Arsch sofort ins Studio, hörst du?«, rief er so laut ins Handy, dass Ruki unwillkürlich zurückzuckte, ehe es ihm mit einem Mal eiskalt über den Rücken lief, als die Worte in seinem Kopf Sinn ergaben. Hatte Reita etwa ... Oh Gott, er hatte den anderen davon erzählt, ihn vielleicht sogar angezeigt! Würde er jetzt aus der Band fliegen und im Gefängnis landen? Ihm wurde beinahe schwarz vor Augen, als sich die Gedanken in seinem Kopf immer weiter zu drehen begannen und ein Horrorszenario nach dem anderen entstehen ließen, bis ihn Uruhas Stimme zurück in die Wirklichkeit holte. »Du weißt ganz genau, dass wir die Outfits nicht mit nach Hause nehmen dürfen! Ich musste mir echt was einfallen lassen, um dich rauszuhauen. Bring das Teil sofort und ohne Spuren her! Glaub nicht, dass ich das alleine ausbade!« Outfit? Rukis Augen weiteten sich verständnislos und er öffnete den Mund, um etwas zu sagen, klappte ihn dann jedoch wieder zu, als es ihm wie Schuppen von den Augen fiel. Sein Blick fiel auf die schwarze Kunstlederjacke auf dem Boden zwischen den Bierflaschen, nicht weit entfernt von dem geblümten grauen Hemd und den teuren Schuhen, die er achtlos in die Ecke gekickt hatte. Die Hose trug er noch. »Und Reita?«, fragte er heiser, durch den Schock plötzlich hellwach. »Oh ja, dem habe ich es auch schon erzählt! Er sitzt bei uns im Auto«, fuhr der Gitarrist ärgerlich fort. »Wir sind schon auf halbem Weg ins Studio, also setz dich in Bewegung! Wir müssen proben!« Ruki öffnete den Mund, um sich zu verteidigen, aber da hatte Uruha auch schon wieder aufgelegt. Einen kurzen Moment noch starrte Ruki verwirrt auf das Handy, dann ließ er sich wie paralysiert auf sein Bett sinken. Reita saß im Auto auf dem Weg zur Probe? Er hatte nichts erzählt? Und alles, worüber sich Uruha aufregte, war die Tatsache, dass er sein Outfit mitgenommen hatte? Es brauchte ein paar Minuten, um diese Informationen vollständig zu verdauen. Kurz geriet er ins Zweifeln, ob ihm seine Erinnerung einen Streich gespielt hatte und er nie in diesem Club gewesen war, doch diesen Gedanken ließ er schnell wieder fallen. Und um erleichtert zu sein, hatte er auch keinen Grund. Das Reita noch nichts erzählt hatte, hieß nicht, dass er es nicht noch tun könnte. »Scheiße ...«, murmelte er, als ihm klar wurde, dass er kein andere Wahl hatte, als den schweren Weg ins Studio anzutreten. Zumindest wusste er nun, dass es Reita gut ging. Allein dies ließ ihm einen Stein vom Herzen fallen, auch wenn es im gleichen Augenblick seine Schuldgefühle ins Unermessliche steigerte. Einen letzten Blick noch warf er auf das Chaos in seinem Zimmer, dann schüttelte er den Kopf und schälte sich aus seinen restlichen Klamotten, um wackligen Schrittes zur Dusche zu wandern. Zu spät würde er sowieso kommen. Und wenn es schon Ärger geben sollte, dann wenigstens richtig. ~*~ Das Donnerwetter, welches er erwartet hatte, blieb zu seiner Überraschung jedoch aus. Niemand erwischte ihn, als er den Anzug, den er zuvor so gut es ging gereinigt und gebügelt hatte, heimlich zurück in den Schrank mit den Bandoutfits hängte, und auch Uruha warf ihm nur einen säuerlichen Blick zu, als er mit einer Stunde Verspätung schließlich den Probenraum betrat. Kai schien ihm über seine Unfreundlichkeit am Telefon gehörig den Kopf gewaschen zu haben, so dass der blonde Gitarrist kein weiteres Wort über den Vorfall verlor. Aoi hob die Hand zum Gruß und Kai lächelte freundlich, ehe er ihm auf die Schulter klopfte und die Sache somit ohne große Belehrungen abhakte. Ruki nickte dankbar und sah sich mit einem unwohlen Gefühl im Raum um, ehe er den Blick senkte, als er Reita hinter seinem Verstärker entdeckte. »Du siehst ja echt scheiße aus!«, meldete sich Uruha zu Wort und verschränkte die Arme, als er ihn eingehend musterte. Rukis Mundwinkel bog sich zynisch nach oben, doch er verkniff es sich, zu erzählen, dass er sich vor seinem eigenen Anblick im Spiegel beinahe zu Tode erschreckt hatte und erst nach einer halben Stunde abschminken, cremen und kämmen – und sehr viel Kaffee – wieder wie ein menschliches Wesen ausgesehen hatte. »Werd bloß schnell wieder gesund, okay?«, warf Kai von der Seite ein und wuschelte ihm durch die blonden Haare. »Die Tickets nach Österreich sind nämlich schon gebucht.« Ruki nickte nur wortlos, doch auch wenn er sich immer noch fürchterlich fühlte, hatte sich der Alkohol in seinem Körper beinahe vollständig abgebaut. Ihm war nicht schlecht, weil er getrunken hatte. Ihm war schlecht wegen dem, was er getan hatte. »Keine Angst, ich schaff die Probe«, meinte er mit fester Stimme und versuchte ein Lächeln, sich innerlich davon überzeugend, dass er sich zum Wohl der Band gefälligst zusammenzureißen hatte. Irgendwie musste er diesen Tag überstehen. Und möglichst verschwinden, bevor er in Gefahr kam, mit Reita allein zu sein. Er schaffte es tatsächlich für den Rest der Probe, so professionell zu sein wie schon lange nicht mehr. Kai lobt ihn über alle Maßen für seinen Einsatz und selbst Uruha schien am Ende vergessen zu haben, dass er noch vor ein paar Stunden auf ihn sauer gewesen war. Doch Ruki nahm von alledem nur wenig wahr. Wann immer er konnte, wanderte sein Blick zu Reita, nur um sofort wieder wegzuhuschen, wenn er sich selbst beim Starren ertappte. Er hätte nie gedacht, was für eine furchtbare Situation es war, wenn man jemanden unbedingt ansehen wollte, es jedoch im gleichen Moment beinahe nicht ertragen konnte. Er schien der Einzige zu sein, dem auffiel, dass sich der Bassist etwas langsamer als sonst bewegte, und zu wissen, warum er dies tat, versetzte Ruki einen Stich. Doch Reita sah ihn weder an noch verhielt er sich auffällig. Hätte Ruki es nicht besser gewusst, hätte er gedacht, der gestrige Abend sei nie passiert. Seine Augen suchten nach sichtbaren Spuren, nach irgendetwas in Reitas Verhalten, das ihm zumindest einen Hinweis darauf gab, wie der andere über ihn dachte, doch so sehr er auch suchte, er fand nichts – und dies war beinahe noch qualvoller als alles andere. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis Kai endlich zufrieden mit ihrer Arbeit die Drumsticks sinken ließ und ihnen einen guten Heimweg wünschte. Ruki ließ sich noch nicht einmal die Zeit, seine Jacke zu schließen, so schnell sauste er aus dem Raum in Richtung der Fahrstühle, um nicht Gefahr zu laufen, dass Reita ihn einholte. Doch kaum hatte er das Hauptgebäude verlassen, da packte ihn eine Hand und hielt ihn zurück, so dass ihm das Blut in den Adern gefror. »Wir müssen reden!«, hörte er Reitas vertraute Stimme und schluckte nur trocken, ehe er sich ohne Gegenwehr in eine der vielen kleinen Seitengassen ziehen ließ. Er wollte fliehen, einfach nur so schnell wie möglich wegrennen, aber sein Körper war wie gelähmt, so dass er nicht einmal wagte, die Hand des anderen abzuschütteln. »Wie bist du so schnell ...«, brachte er mühsam hervor und sah, wie sich Reitas Mundwinkel leicht nach oben bogen. »Treppe«, antwortete dieser und lehnte sich an eine der grauen Häuserwände, ehe er Ruki eingehend musterte. »Hättest nicht gedacht, dass ich noch so schnell laufen kann, nicht wahr?« Ruki biss die Zähne zusammen und senkte den Blick, während sich seine Fingernägel in seine Handflächen bohrten. Er war frei, er hätte weglaufen können, doch jede Minute, die er gewann, zögerte das Unvermeidliche nur hinaus. Reita würde ihn vermutlich anschreien, verprügeln, verspotten oder vielleicht sogar erpressen – er wusste es nicht. Er wusste nur, dass jede Strafe, die sich der andere für ihn ausgedacht hatte, absolut gerechtfertigt war. »Wie hast du es herausgefunden?«, holte ihn Reita aus seinen Gedanken zurück, und als er aufblickte, sah er zu seiner Überraschung, wie sich der andere eine Kippe ansteckte. Wollte er erst rauchen und ihn dann verprügeln? »Ich bin dir nach der Standprobe nachgegangen«, antwortete Ruki nach einer kurzen Weile des Überlegens, in der er beschlossen hatte, dass die einzig akzeptable Antwort die Wahrheit war. Er wollte sich nicht noch weiter hineinreiten, nur weil er durch Lügen seinen Arsch zu retten versuchte. »Und dann?« Ruki schluckte, als er den emotionslosen Tonfall hörte, und ballte die Fäuste noch ein Stück fester. »Dann wollte ich dich rausholen und hab mich eingeschmuggelt.« »Und weil du neugierig warst, hast du es selbst einmal probiert?« Reita blies den bläulichen Rauch in die kühle Luft und hob eine Augenbraue, als Ruki nicht antwortete, sondern den Kopf nur noch ein Stück tiefer senkte. »Nein ...«, antwortete er zögerlich, verzweifelt nach Worten suchend, die seine Gedanken zu dem Zeitpunkt ausdrücken könnten. Aber er wusste selbst nicht mehr genau, was in aller Welt ihn dazu verleitet hatte, die Peitsche zu nehmen und Reita zu schlagen. Er hatte ihn tatsächlich am Anfang befreien wollen, doch irgendwann war ihm die Situation entglitten. Zu sagen, er wäre nur um Reita besorgt gewesen, er hätte nur verhindern wollen, dass dessen Neigungen an die Öffentlichkeit kämen, wäre eine glatte Lüge, jede Verteidigung nur eine heuchlerische Ausrede, mit der er das Ausmaß seiner Tat verleugnete. Er erinnerte sich genau, wie er es genossen hatte, die Hitze, die Erregung, die er bei jedem Laut verspürt hatte. Er hatte Reita besitzen, in um sich spüren und seinen Namen keuchen hören wollen – und als stattdessen Chiakis Name über die verführerischen Lippen gekrochen war, war alles in einem wüsten Schleier aus Zorn und Schmerz untergegangen. Das hatte nichts mehr mit seinen ursprünglichen Motiven zu tun gehabt. »Hat es dir die Sprache verschlagen?«, holte ihn der andere aus seinen Gedanken zurück. »Ich hätte gerne eine Erklärung. Hat es dich etwa angeturnt, es zu tun?« Ruki zuckte zusammen und sog harsch die Luft ein. Spätestens jetzt wurde ihm klar, dass der einzige Zweck der Fragen war, ihn zu foltern. Er konnte sich noch nicht einmal verteidigen, denn er verdiente es nicht besser. Verdammt, er hatte Reita einfach zurückgelassen! Wie könnte er mit reinem Gewissen sagen, er hätte ihm helfen wollen? So schüttelte er nur stumm den Kopf, selbst wissend, dass er in diesem Moment sowohl Reita als auch sich selbst belog. Das leise Lachen des anderen ließ ihn zusammenzucken, und als er den Blick hob, sah er den anderen dunkel grinsen. »Es scheint dir zumindest ziemlich gefallen zu haben, mich zu ficken«, streute er noch mehr Salz in die Wunde. »Ich konnte heute Morgen kaum aufstehen, so wund war ich. Und schlafen war mit den Striemen auch kein Vergnügen.« »Es tut mir leid ...« Rukis Stimme war kaum mehr hörbar und sein Körper zitterte leicht, so angespannt war er. Er wollte noch viel mehr sagen, wollte vor Reita auf die Knie fallen und ihn um Verzeihung anflehen, doch er konnte sich keinen Zentimeter bewegen. »Wie bist du nach Hause gekommen?«, fragte er leise. Die Frage kostete ihn alle Überwindung, doch er brauchte die Antwort, um sich nicht noch mehr zu hassen. Reita blickte ihn überrascht an, dann lachte er sarkastisch. »Ich bin nicht aus Zucker«, antwortete er trocken. »Ich bin aufgestanden, hab mich angezogen und bin gegangen. Denkst du, das war das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe? Du hast Chiakis Sammelsurium an Spielzeugen noch nicht gesehen. Und im Gegensatz zu dir lässt er mich am Ende nicht mal kommen. Das gehört nicht zum Spiel. Normalerweise hole ich mir danach auf dem Klo einen runter.« Ruki blickte ihn erschrocken an, ehe er beschämt den Blick abwendete. Diese Details wollte er gar nicht wissen. Es war pure Boshaftigkeit, dass Reita sie ihm erzählte. Ruki selbst wäre es viel zu peinlich gewesen, über so etwas zu reden, aber der Bassist benahm sich, als würde er sich daran nicht im Geringsten stören. Vielleicht war es auch einfach Lohn genug für ihn zu sehen, wie Ruki am liebsten bei jedem seiner Worte im Erboden verschwunden wäre. Und doch konnte der andere nicht wissen, wie sehr es ihn wirklich schmerzte, dass jede neue Information doppelt zu hart zu verkraften war, als sie es gewesen wäre, wenn er ihn nur als Freund sehen würde. Doch zu hören, was ein anderer mit dem Menschen machte, den er liebte, war beinahe mehr, als Ruki ertragen konnte. Nur mühsam beherrschte er sich, Reita nicht einfach seine Gefühle an den Kopf zu werfen, und biss stattdessen die Zähne so fest zusammen, dass sein Kiefer schmerzte. »Immerhin hast du mit dem Sex angefangen ...«, versuchte er sich zu verteidigen, doch kaum dass er den Satz ausgesprochen hatte, kam er ihm schon wieder unglaublich dumm vor. Reita schienen seine Worte jedoch mehr zu amüsieren, denn ein spitzbübisches Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er die Kippe an der Wand ausdrückte und auf Ruki zuging. »Du bist nicht wirklich in der Position, mir irgendwas vorzuhalten«, sagte er und grinste, als der Sänger vor ihm zurückwich, bis er mit dem Rücken an die Wand stieß. Rukis Augen hasteten panisch umher, als ihm klar wurde, dass er sich in die Enge hatte treiben lassen, doch Reitas Arme, die sich zu beiden Seiten gegen die Wand stützten, machten ein Entkommen unmöglich. Und plötzlich bekam er Angst. Bis jetzt schien die Situation noch halbwegs friedlich verlaufen zu sein, aber wohlmöglich war dies nur die Ruhe vor dem Sturm gewesen. Reitas Augen funkelten im Halbdunkel der Gasse gefährlich und als sich eine seiner Hände auf Rukis Oberkörper legte und hinauf zu seinem Hals fuhr, sah dieser sein letzten Stündlein gekommen. »Du weißt, dass ich nichts mit Chiaki habe, oder?«, begann Reita leise. »Ich bezahle ihn dafür und er ist diskret, das ist alles. Ich empfinde rein gar nichts für ihn.« Ruki nickte zaghaft, auch wenn er keine Ahnung hatte, was Reita ihm damit sagen wollte. Die Hand an seinem Hals schnürte ihm den Atem ab, obwohl sie nur ganz zart auflag, doch allein die Tatsache, dass Reita ihm so nah war und ihn berührte, presste ihm alle Luft aus der Lunge. »Es ist egal, wer er ist«, fuhr der Bassist fort und ließ seinen Blick dem Weg seiner Hand folgen, die federleicht hinauf zu Rukis Wange glitt und ihn mit sanfter Gewalt dazu zwang, ihn anzusehen. »Meistens stelle ich mir vor, dass es andere Leute wären, die mich fesseln und auspeitschen – zum Beispiel du.« Ein verruchtes Lächeln erschien auf seinen Lippen, als er Ruki direkt anblickte, der einige Sekunden brauchte, bis die Worte bei ihm angekommen war. Und er brauchte noch mal ebenso lang, bis er verstanden hatte, was Reita ihm damit sagen wollte. »Was?«, hauchte er ungläubig und schluckte trocken, während er den anderen entgeistert anblickte. Hatte Reita gerade gesagt, er stellte ihn sich bei seinen S/M Spielchen als Foltermeister vor?! Wieso zum Teufel sollte er so etwas tun? Reita grinste nur amüsiert über sein verständnisloses Gesicht und leckte sich kurz über die Lippen, ehe sein Blick abschweifte und über den grauen Putz wanderte. »Du weißt ja jetzt, dass ich ein bisschen andere Sachen bevorzuge als normale Menschen«, sagte er gedankenversunken, die Hand noch immer an Rukis Wange. »Ich kann danach besser arbeiten und fühle mich ausgeglichener. Ich würde nicht sagen, dass es pervers ist ... Einige Leute machen Extremsport, wenn sie einen Kick brauchen, ich mache etwas anderes. Besser als wenn ich irgendwann jemandem eine reinhauen würde, nicht wahr?« Er schmunzelte, als er Rukis verstörten Blick sah, der deutlich zeigte, wie wenig der Sänger mit der Situation umgehen konnte. Er hört zwar die Worte, doch er verstand kein bisschen, was der Bassist ihm damit sagen wollte. Wollte er sich rechtfertigen? Vor zwei Tagen wäre dies ganz genau das gewesen, was Ruki gewollt hatte, doch nun war er der Letzte, vor dem Reita irgendetwas erklären musste. »Und normalerweise interessiert es mich nicht sonderlich, was mit mir passiert«, fuhr der andere fort, und ließ seine Fingerspitzen durch Rukis blonde Haare gleiten, während er ihm so nah kam, dass dieser vor Anspannung die Luft anhielt. »Aber bei dir ... Ich hab richtig Angst bekommen, als ich gemerkt habe, dass du nicht Chiaki bist. Sich vorzustellen, dass er jemand anderes ist, war eine Sache, aber als es wirklich passiert ist, das war eine andere ... Ich dachte, du bist irgendein Irrer, der mich gleich umbringt. Du bist nicht wirklich geübt – deine Schläge haben höllisch wehgetan und die Striemen werde ich sicher noch ein paar Tage haben. Mal ganz zu schweigen davon, dass ich nicht wirklich daran gewöhnt bin, dass man mir plötzlich den Griff einer Peitsche in den Arsch schiebt.« Ruki biss die Zähne zusammen und entließ rasselnd seinen angestauten Atem, während er weiter zurückzuweichen versuchte, doch noch enger konnte er seinen Rücken nicht an die Wand pressen. Reites Stimme war so nah an seinem Ohr, dass es ihm einen Schauer über den Rücken jagte, und seine Worte ließen jedes Härchen an seinem Körper sich aufrichten. Es entsetzte ihn, mit welcher Gelassenheit der andere über das sprach, was Ruki ihm angetan hatte, als wäre es eine Nebensächlichkeit, über die man sich im Vorbeigehen unterhalten konnte. »Es tut mir leid«, flüsterte er leise und zuckte zusammen, als sich Reitas Hand in seinen Nacken legte und ihn näher zog, während der Bassist im selben Moment seine Lippen seinem Ohr näherte. »Tu nicht so, als würdest du es bereuen«, flüsterte er so anzüglich, wie Ruki seine Stimme noch nie zuvor gehört hatte. »Wir wissen beide, dass es dir gefallen hat. Und mir hat es auch gefallen. Chiakis Technik ist hervorragend, doch bei dir war es roh, ehrlich, aufregend ... Und als ich schließlich wusste, dass du bist, hat es mich mehr angeturnt als alles, was er je mit mir gemacht hat. Ich wollte dich ... Ich wollte, dass du mich fickst, ich wollte es hart und unbarmherzig. Du hast mir all das gegeben, was ich mir immer vorgestellt habe, wenn ich mir nach einer Session einen runtergeholt habe. Und das Echte zu erleben, war besser als jede Vorstellung. Ich will es wieder ... Ich will es jeden Abend und nur noch mit dir ...« Ruki schnappte nach Luft, als er die letzten Worte hörte, ehe das Bild vor seinen Augen ein paar Sekunden lang verschwamm. Er spürte, wie sein Körper zu zittern begann und sein Herz so laut hämmerte, dass er Angst hatte, Reita könne es durch seinen Brustkorb hindurchhören. Alles schien sich zu drehen, während die Gedanken in seinem Kopf zu rotieren begannen, jedoch ohne dass er auch nur einen von ihnen greifen konnte. Das konnte nicht wahr sein, oder? Allein schon die Tatsache, dass Reita ihn nicht hasste, war mehr, als er jemals erwartet hatte, doch nun zu hören, dass er das, was in Rukis Augen eindeutig eine Vergewaltigung gewesen war, auch noch gewollt und genossen hatte, überforderte ihn vollkommen. Doch nicht genug, der andere wollte auch, dass er es wieder tat? Jeden Abend? Nur mir ihm? Was zu Hölle bedeutete das? Bedeutete es, dass Reita ihn ... Nein. Ruki schüttelte den Kopf und versuchte sein Herz zu beruhigen, das im selben Moment, in dem er das ganze Ausmaß der Worte verarbeitet hatte, wie wild zu hüpfen begann. Reita konnte sich unmöglich in ihn verliebt haben. Oder doch? Immerhin standen sie sich auch vorher schon sehr nah ... Ruki hätte sich am liebsten geohrfeigt, als ihm klar wurde, dass seine Gedankengänge wie die eines verliebten Mädchens waren. Doch allein die Möglichkeit, dass Reita seine Gefühle erwidern könnte, ließ jeden Funken Rationalität aus seinem Kopf verschwinden. »Warum ich?«, flüsterte er heiser, während seine Knie mit jeder Sekunde, in der sich ihm der Bassist weiter näherte, weicher wurden. Seine Hände tasteten nach Reitas Schultern, um sich daran festzuhalten, und der andere lachte leise auf, als er dies bemerkte. »Weil du perfekt bist«, antwortete er so nah, dass seine Lippen bei den Worten Rukis Ohr streiften und diesen erzittern ließen. »Du bist sexy und erbarmungslos, du weißt, was du willst und wie du es dir holen kannst. Du kannst mich sowohl foltern als auch mir schlafen, weil es dir nicht durch irgendwelche Regeln verboten ist. Und du bist kalt genug, um mich nach dem Sex einfach liegen zu lassen und zu gehen. Einfach perfekt ...« Er lachte leise und schmiegte seinen Körper an Rukis, doch dieser nahm die Berührung noch nicht einmal mehr wahr. In seinem Kopf schien plötzlich alles blank und leer, seine Beine zitterten und seine Finger krallten sich in Reitas Schultern, bevor seine Arme mit einem Mal schlaff nach unten fielen und sein Kopf nach hinten an den harten Putz kippte. Den Schmerz spürte er kaum, und selbst wenn, wäre er nicht annähernd so stark gewesen wie der Stich, der sich bei Reitas Worten wie ein scharfes Messer durch seine Brust gebohrt hatte. Er wollte lachen, doch er schaffte es nicht einmal, seine Mundwinkel zu heben. Das Gefühl der Übelkeit, das in den letzten Stunden beinahe abgeklungen war, war präsent wie nie zuvor und ließ ihn sich nur mühevoll auf den Beinen halten, auch wenn er nicht einmal wusste, warum er dies überhaupt noch versuchte. Er ballte die Fäuste so fest zusammen, dass sich seine Fingernägel in das helle Fleisch seiner Handflächen schnitten, doch der Schmerz vermochte es nicht einmal annähernd die Wut und Verzweiflung zurückzudrängen, die in ihm wie in einem Vulkan kurz vor dem Ausbruch brodelten. Wenn Reita ihn nur verprügelt hätte, wäre dies eine gerechte Strafe gewesen, die Ruki gern angenommen hätte. Ja, er hätte sich noch nicht einmal gewehrt! Doch zu wissen, dass der andere jedes seiner verletzenden Worte absolut ernst meinte, war weitaus schlimmer als aller körperlicher Schmerz, den er ihm je hätte zufügen können. Und dass er es ernst meinte, war Ruki klar. Wie konnte Reita so von ihm denken? Hatte er nicht gemerkt, wie schwer es ihm gefallen war, ihn zu schlagen? Spürte er nicht, wie sich Ruki dafür schämte, was er getan hatte? Und wie könnte er tatsächlich glauben, dass seine Flucht noch zum Spiel gehört hatte ... Ruki biss die Zähne zusammen, als er spürte, wie sich Flüssigkeit in seinen Augen zu sammeln begann, und versuchte zur Seite auszuweichen, doch Reitas Körper, der ihn dicht an die Wand drängte, hielt ihn zurück. Er spürte, wie sich dessen erigiertes Glied gegen sein Becken presste und hätte sich am liebsten übergeben. Nicht er war es, der Reita anturnte, es war der Gedanke daran, was er mit ihm getan hatte. Es hätte jeder andere sein können, solange er ihm nur das gab, was er wollte. Es war eine Sache, zu erfahren, dass seine Gefühle einseitig waren. Doch im selben Atemzug gesagt zu bekommen, dass er nicht mehr als ein beliebiges Sexspielzeug war, war noch weitaus grausamer. »Also, was meinst du?«, drang Reitas Stimme in verführerischem Ton an sein Ohr, so dass Ruki zusammenfuhr. »Hast du heute Abend Zeit? Ich will, dass du mich folterst und mich so lange fickst, bis ich irgendwann bewusstlos zusammenbreche. Du kannst deine Fantasien an mir ausleben und ich muss niemanden mehr dafür bezahlen. Auf diese Weise bleibt unser Geheimnis unter uns. Wir bekommen beide, was wir wollen, und es schadet niemandem.« Ruki schluckte trocken, ehe etwas in seinem Kopf aussetzte und er den Bassisten so grob von sich wegstieß, dass ihn dieser erschrocken anblickte. »Ach ja, es schadet niemandem?«, zischte er mit zornigem Gesicht und auf seiner Stirn bildete sich eine steile Falte. »Also willst du mich nur, weil es dann in der Band bleibt? Dann kannst du auch ebenso gut Aoi oder Uruha nehmen!« Reita blickte ihn erstaunt über seinen Wutausbruch an und wich ein paar Schritte zurück. Er schien nicht zu verstehen, was Ruki so aufgebracht hatte, und das machte diesen fast noch wütender. »Ich kenne Uruha schon aus der Mittelschule!«, verteidigte sich der Bassist und hob abwehrend die Hände. »Wir sind viel zu gut befreundet für so was. Abgesehen davon würde er mich auslachen, wenn er erfährt, worauf ich stehe. Und Aoi? Ich bitte dich! Aoi schafft es noch nicht mal, den Stylisten zu sagen, wie sie ihm die Haare machen sollen! Als ob er jemandem beim Sex Befehle geben könnte! Wieso machst du es nicht einfach? Immerhin hat es dir gefallen!« »Es hat mir überhaupt nicht gefallen!« Ruki schlug mit der Faust in die Luft. »Ich habe es nur gemacht, weil ich nicht wollte, dass es irgendein Fremder tut!« »Wo ist dann das Problem?« Das Unverständnis in Reitas Gesicht wurde immer größer, so dass Ruki ihn am liebsten geschlagen hätte. Wie konnte ihm der andere mit solcher Dreistigkeit erklären, dass es für sie beide das Beste war, wenn er sein Foltermeister wurde?! Hätte er ihm gesagt, dass er es wollte, weil er Ruki vertraute, weil er sich bei ihm trotz der Schmerzen sicher fühlte und ihm auch nur einen Hauch von Gefühlen entgegenbrachte, dann hätte er sich vermutlich erweichen lassen und es vielleicht sogar genossen! Doch gesagt zu bekommen, dass er lediglich die billigere Alternative zu einem S/M Studio war und Reita ihn noch nicht einmal als so guten Freund sah, dass er deshalb keinen Sex mit ihm haben konnte, musste er sich wirklich nicht bieten lassen! »Du bist ein perverses Arschloch!«, fauchte er den anderen an, vollkommen blind gegenüber der Tatsache, dass er mit seinen verletzenden Worten nur versuchte, seinen eigenen Schmerz zu übertönen. »Sei lieber froh, dass ich niemandem davon erzähl habe, was für widerliche Sachen du in deiner Freizeit machst! Ich habe mich vielleicht für einen kleinen Augenblick dazu verleiten lassen, bei dem ganzen Spiel mitzumachen, aber denk nicht, dass das mehr als ein Almosen war! Und wenn du nicht willst, dass ich der PSC erzähle, mit was für Perversitäten du unseren Ruf als Band riskierst, dann hör auf, in diesen Club zu gehen und stich dir lieber selbst mit einer Gabel in den Unterarm!« Er rang nach Atem, als er den Satz beendet hatte, selbst ein wenig erschrocken darüber, wie sehr sein Zorn mit ihm durchgegangen war. Und als er in Reitas weit aufgerissenen Augen sah, wie viel Angst er ihm mit seinen Worten eingejagt hatte, hätte er sich am liebsten auf die Zunge gebissen. Doch was gesagt war, war gesagt. Und spätestens in dem Augenblick, in dem sich die Gesichtszüge des Bassisten verhärteten und sich seine Augenbrauen mürrisch zusammenzogen, wurde ihm klar, dass er vielleicht etwas zerstört hatte, was sich nicht mehr kitten ließ. »Als ob du das wagen würdest!«, drohte der andere mit zornigem Blick. »Das Liquid Passion hat Überwachungskameras. Wenn du mich erpressen willst, kann ich das ebenso tun! Und ich lasse mir auch nicht verbieten, zu Chiaki zu gehen, wenn du nicht seinen Platz einnehmen willst!« Ruki biss die Zähne zusammen, als er erkannte, dass Reita seine Drohung durchaus wahr machen würde. Doch dann wandelte sich der grimmige Ausdruck auf dem Gesicht des anderen und er lächelte Ruki entschuldigend an. »Ich will doch nur, dass du es bist...«, sagte er leise und hob bittend die Hände, doch Ruki war viel zu aufgebracht, um die Veränderung zu bemerkten. »Auf keinen Fall!«, brauste er auf und schüttelte empört den Kopf, gar nicht bemerkend, dass seine Stimme immer lauter wurde, ehe er plötzlich nach vorn sprang und mit der flachen Hand ausholte. Er spürte, wie sich Schmerz in seiner Handfläche ausbreitete, als sie auf Reitas Wange klatschte, doch dies interessierte ihn ebenso wenig wie der entsetzte Blick, mit dem ihn der andere ansah, ehe seine Finger ungläubig nach der prickelnden Haut tasteten. »Und, war es ebenso schön für dich wie für mich?«, spottete Ruki böse, ehe er sich auf dem Absatz umdrehte und Reita ohne ein weiteres Wort stehen ließ. Er spürte, wie sich Tränen aus seinen Augenwinkeln löste und wischte sie hastig weg, während ihn seine Schritte so schnell zur U-Bahn Station trugen, dass er mehrfach stolperte. Sein Herz raste, seine Beine zitterten wie am Anfang ihres Gesprächs und das Gefühl, als würde sein Brustkorb durch ein unsichtbares Band zusammengedrückt werden, dominierte alles, was er noch wahrnahm. Er hatte sich widersetzt, hatte die Wahrheit abgestritten und Reita zurückgewiesen, weil ihn dieser nicht auf die Art und Weise wollte wie er ihn. Er wollte keine Almosen, er wollte nicht mit Reita schlafen und gleichzeitig wissen, dass er nur ein Mittel zum Zweck war, unbedeutsam und austauschbar, wenn er seine Aufgabe nicht mehr erfüllte. Ein Teil von ihm empfand seine Reaktion als gerechtfertigt, doch ein noch viel größerer Teil bereute, was er gesagt hatte. Wenn Reita seine Gefühle nicht erwiderte, hätte er ihm zumindest als Freund zur Seite stehen sollen, doch er hatte sich für das genaue Gegenteil entschieden. Er hatte verletzt, um selbst nicht noch mehr verletzt zu werden. Er hatte seinen Stolz und seine Selbstachtung gerettet. Doch es tat einfach nur weh. to be continued ... Wie immer gilt: wer mir ein Kommentar schreibt, bekommt eine ENS, wenn ein neues Kapitel on ist ^^ Kapitel 5: ----------- Kapitel 5 Den Abend nach seinem Streit mit Reita verbrachte Ruki damit, das zu tun, was er immer tat, wenn er das Gefühl hatte, sein Leben würde seiner Kontrolle entgleiten. Mit einem großen Müllbeutel und einem Kehrbesen bewaffnet, machte er sich daran, den Dreck zu beseitigen, den er in seiner nächtlichen Sauforgie verursacht hatte. Doch anstatt es dabei zu belassen, das Gröbste zu beseitigen, krabbelte er mit dem Wischtuch unter Stühle und Tische, schrubbte den Küchenfußboden und stieg auf Regale, um auch in der hintersten Ecke Staub zu wischen. Er polierte seine Gitarren, heftete den Berg an Blättern mit Lyrics ab, der sich neben seinem Bett gesammelt hatte, und erst, als er sich dabei ertappte, wie er seinen Kleiderschrank schon zum zweiten Mal nach Designer, Farbe und Muster umsortierte und dabei mehr Frustration anstatt wie sonst Erleichterung verspürte, gestand er sich ein, dass seine Stressbewältigungsstrategien diesmal zu versagen schienen. Mit einem unzufriedenen Laut ließ er sich auf sein Bett fallen und vergrub den Kopf in seinem Kissen, bevor er sein Gesicht zur Seite drehte und mit glasigem Blick an die Wand starrte. Normalerweise half es ihm, wenn er Sachen in Ordnung brachte und alles wieder an seinen Platz kam, während um ihn herum das Chaos herrschte. Doch dieses Mal war es schwer, die Kontrolle zurückzuerlangen. Noch nie war sein Gefühlsleben so komplett durcheinander gewesen, noch nie hatte es jemand geschafft, ihn so sehr aus dem Gleichgewicht zu bringen wie Reita – ob der Bassist es nun beabsichtigt hatte oder nicht. Noch immer spukten seine Worte in Rukis Kopf umher, die Art, wie er ihn in der Gasse umgarnt hatte, um seinen Willen durchzusetzen, und nicht zuletzt das verlockende Angebot, das er in seinem Zorn mit so viel Vehemenz abgeschmettert hatte. Es war verletzend gewesen zu hören, dass Reita nicht ›ihn‹ wollte, sondern nur das, was Ruki mit ihm tun würde, ohne sich dafür zu interessieren, was dieser dabei fühlte. Doch jetzt, allein in seiner penibel geordneten, viel zu stillen Wohnung, fühlte sich Ruki auf einmal furchtbar dumm, das Angebot ausgeschlagen zu haben. »Idiot …«, flüsterte er sich selbst zu, etwas, das er sich schon den ganzen Abend heimlich an den Kopf werfen wollte. Reita liebte ihn nicht – natürlich tat er dies nicht! Wie hätte er das erwarten können? Es war vollkommen logisch, dass der Bassist für ihn nicht mehr als rein freundschaftliche Gefühle empfand. Selbst wenn er vorher gewusst hätte, dass Reita auf Männer stand, wäre die Wahrscheinlichkeit, dass er sich ausgerechnet in ihn verliebte, schwindend gering gewesen. Ruki mangelte es durchaus nicht an Selbstbewusstsein, aber er war realistisch genug, um zu akzeptieren, dass es auch noch andere schöne Menschen auf dieser Welt gab. Nicht wenige davon direkt in der PS Company. Und doch … obwohl Reita nichts für ihn empfand, hatte er ihm seinen Körper angeboten. Er hätte ihn berühren und die weiche Haut streicheln dürfen, nach der er nach der ersten Berührung süchtig geworden war. Er hätte ihn küssen dürfen, sich gegen ihn pressen und ihn in sein Ohr stöhnen hören können … – Das alles war mehr, als Ruki jemals gehofft hätte! Wie billig hätte er sich dies erkaufen können! Mit harmlosen Fesselspielen, ein paar Schlägen, mit ein wenig Schmerz, der für Reita wie süßer Wein gewesen wäre. Und Ruki wusste, dass er ihn früher oder später selbst trunken gemacht hätte. Trunken und fähig, seine Grenzen zu brechen und alles zu tun, worum ihn Reita bitten würde, solange er ihm nur das Gefühl gab, dass er in diesen Minuten an niemand anderen als ihn dachte. Ruki biss die Zähne zusammen und schluckte den Speichel herunter, der sich in seinem Mund gesammelt hatte, während er sich für sein ausgeprägtes visuelles Vorstellungsvermögen verfluchte. Jetzt daran zu denken, war keine gute Idee. Er hatte die Gelegenheit verschenkt, und selbst zu Reita zu gehen und sich ihm anzubieten, war etwas, was sein Stolz niemals zulassen würde. Zudem verdiente es Reita nicht wirklich, dass er von sich aus zu ihm kam. Ruki zog mürrisch die Stirn in Falten, als er sich mit einem Mal wieder an die abgebrühte und kalte Art erinnerte, mit der ihn der andere hatte spüren lassen, dass er in ihm nichts weiter als ein billiges Sex-Toy sah … Er hatte nicht einmal verstanden, was Ruki so wütend gemacht hatte; hatte nicht begriffen, wie sehr er ihn verletzt hatte. Und im selben Augenblick, in dem der Sänger ihn wieder so vor sich sah, bereute er es nicht mehr, dass er sich ihm verweigert hatte. Reita war ein Arschloch, jawohl! »Verdammt …«, knurrte Ruki leise und boxte mit der Faust in seine Matratze, bevor er erschrocken zusammenfuhr, als sein Handy klingelte. Er warf nur einen kurzen Blick aufs Display, bevor er den Anruf wegdrückte und das Telefon mürrisch auf sein Bett warf. Reita. Wer sonst … Er konnte sich nicht wirklich vorstellen, was der andere mit ihm zu besprechen hatte. Wenn er auch nur einen Funken Anstand in sich trug, würde er sich entschuldigen wollen, aber vielleicht wollte er auch nur einen weiteren Versuch unternehmen, Ruki auf seine Seite zu ziehen. Und so verlockend die Versuchung auch war, Ruki wollte sich jetzt nicht damit auseinandersetzen. Wenn er Reita gegenübertreten würde, dann musste er sich soweit unter Kontrolle haben, dass er nicht noch einmal die Beherrschung verlor. Denn so groß seine Wut auch war, Reita war sein Freund. Und wenn er wollte, dass die Band weiter bestand, mussten sie früher oder später einen Weg finden, das ganze hinter sich zu lassen. Doch dieser Zeitpunkt war nicht jetzt. Ein kurzer Blick auf die Uhr zeigte ihm, dass es beinahe Mitternacht war und er die letzten vier Stunden mit Putzen verbracht hatte. Er fühlte sich nicht im Geringsten müde, doch Kai hatte für den nächsten Tag Probe angesetzt und abgesehen davon, dass er seinen Leader nicht enttäuschen wollte, wollte er auch nicht, dass Reita an seinen tiefen Augenringen sehen konnte, dass ihm ihr Gespräch eine schlaflose Nacht beschert hatte. Die Genugtuung wollte er ihm nicht geben. Als das Handy das nächste Mal klingelte, stellte er es schlichtweg auf lautlos, bevor er in Richtung Dusche wanderte und die folgende halbe Stunde seine Probleme einfach ausblendete, während er das heiße Wasser genoss, das auf seine Haut prasselte. Der Rest der Welt hatte zu warten … ~*~ Trotz zwei Tassen Beruhigungstees und einer Schlaftablette schaffte es Ruki in dieser Nacht gerade einmal, drei Stunden zu schlafen. Und als er schließlich am nächsten Vormittag in der U-Bahn stand, die Finger fest um eine Stange gekrallt, um nicht plötzlich umzufallen, konnte er beinahe körperlich spüren, wie ihn die Erschöpfung langsam einholte. Seine Augen brannten, als er aus dem Bahnhof trat und das helle Sonnenlicht auf seinen Netzhaut traf, und seine Beine schienen mit jedem Schritt, den er auf das PS Company Gebäude zutat, schwächer zu werden, bis er am liebsten wieder umgekehrt wäre, um sich in sein Bett zu verkriechen und nie wieder herauszukommen. Ein zynisches Grinsen stahl sich auf seine Lippen, als er sich bei diesem absolut lächerlichen Gedanken ertappte, und er straffte die Schultern, bevor er mit raschem Schritt und dem festen Vorsatz, sich von nichts und niemandem unterkriegen zu lassen, die Flure durchquerte und schließlich die Tür zum Proberaum aufriss. Uruha starrte ihn erschrocken an und ließ beinahe seine Gitarre fallen, während einer von Kais Drumsticks tatsächlich auf dem Boden landete und Aoi einen Satz nach hinten machte. Ruki runzelte verwundert die Stirn, bis ihm auffiel, dass er vielleicht in seinem Eifer ein wenig zu schwungvoll gewesen war. Hastig warf er ein entschuldigendes Lächeln in die Runde und schloss die Tür möglichst leise hinter sich, erleichtert darüber, dass Reita noch nicht anwesend war. Auch wenn es ihm nur ein paar Minuten Schonzeit bescheren würde, er war für jeden Aufschub der äußerst unangenehmen Situation dankbar, die irgendwann unweigerlich eintreten würde. Aber vielleicht hatte er Glück und Reita war der Meinung, das ganze einfach totzuschweigen und weiter mit ihm befreundet zu sein, als wäre nichts geschehen. Obwohl dies eine äußerst feige Alternative für sie beide sein würde, wäre es immer noch weitaus angenehmer, als darüber zu sprechen. Aber was auch immer passieren sollte, heute würde er die Treppe benutzen, wenn die Probe vorbei war. Und rennen! Er öffnete den Mund, um die anderen zu begrüßen, doch Uruha kam ihm zuvor. »Dir ist schon klar, dass jetzt die nächste Runde Starbucks auf deine Rechnung geht!«, stellte er mit wichtigem Tonfall fest und stemmte die Hände in die Seiten, so dass Ruki ihm einen zweifelnden Blick schenkte. »Und das ist mir klar, weil …?«, fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen und musste fast ein wenig schmunzeln, als sich Uruha aufplusterte und mit einer ausschweifenden Geste seine langen Ponysträhnen zurückwarf. »Weil du mich so erschreckt hast, dass ich um zehn Jahre gealtert bin. Da, Falten!« Er tippte mit leidendem Gesichtsausdruck auf seine Stirn und sah Ruki so vorwurfsvoll an, als habe ihm dieser soeben seine Playstation weggenommen. »Die Falten kommen nicht von Ruki, die kommen daher, dass du jeden zweiten Tag in irgendwelchen Clubs durchtanzt«, warf Aoi mit einem schelmischen Lächeln ein und Kai nickte bekräftigend. »Oder vom Alkohol«, fügte er hinzu und hielt sich die Hand vor den Mund, um sich ein Lachen zu verkneifen, als Uruha die Gesichtszüge entglitten und er ihn fassungslos anstarrte. Rukis Mundwinkel bogen sich amüsiert nach oben, als der andere einen empörten Laut von sich gab und Kai säuerlich anfunkelte. »Ich hab gar keine Falten!«, protestierte er, hastete jedoch trotzdem zu seiner Tasche, um einen kleinen Spiegel hervorzukramen und seine Stirn eingehend zu untersuchen. »Oh doch, sogar jede Menge! Langsam setzt der Alterungsprozess ein!«, stichelte Aoi weiter und ignorierte den tödlichen Blick aus dunkelbraunen Augen. »Sagt der, der drei Jahre früher als ich am Krückstock gehen wird!«, giftete Uruha zurück und klappte den Taschenspiegel mit einem lauten Geräusch zu. »Keine einzige Falte!«, triumphierte er und streckte Aoi die Zunge heraus, der unbeeindruckt eine Augenbraue hob und dann den Kopf schüttelte. »Keine Falten, kein Kaffee«, erwiderte er mit spöttischem Lächeln, so dass Ruki, der dem Wortgefecht bis jetzt still gelauscht hatte, zu lachen begann, als er sah, wie dem blonde Gitarristen klar wurde, dass er sich soeben selbst ausgestochen hatte. Und als Kai noch ein freundliches »leider Pech gehabt«, hinzufügte, schien er mit dem Rest der Welt fertig zu sein. »Hinterhältiges Pack«, knurrte er leise und drehte sich schwungvoll weg, um seine Gitarre aufzuheben. Aoi lachte ihn lauthals aus, Kai grinste breit und auch Ruki konnte nicht umhin zuzugeben, dass der kleine Zwischenfall seine Laune erheblich gebessert hatte. Solche Sachen passierten ständig, wenn sie sich in einem Raum befanden – und wenn Uruha nicht für Hohn und Spott herhalten musste, waren es meistens Reita oder Aoi, die die kleinen Sticheleien ertragen mussten. Allen war klar, dass es Spaß war, und jeder wusste, dass Uruha nun fünf Minuten theatralisch schmollen würde, bis er es nicht mehr aushielt und den Vorfall einfach vergaß. »Dann fangen wir am besten mal an«, beendete Kai das Thema und hob den Drumstick auf, den er fallen gelassen hatte, doch anstatt sein Mikrophon einzustellen, wie er es normalerweise tat, sah Ruki ihn nur verwundert an. »Warten wir nicht noch auf Reita?«, fragte er und bewunderte sich selbst dafür, wie gut er es schaffte, seinen Tonfall normal klingen zu lassen. »Der kommt heute nicht«, antwortete Aoi anstelle des Drummers und klimperte ein paar Töne auf seiner Gitarre, während er sich mit dem Fuß einen Stuhl heranzog. »Er hat vor ein paar Minuten angerufen und gesagt, er hat was Wichtiges vor.« »Wahrscheinlich hat er es mit seiner Freundin ein bisschen zu bunt getrieben und ist nicht aus dem Bett gekommen«, mischte sich Uruha in die Diskussion ein und grinste breit, vollkommen vergessend, dass er eigentlich noch beleidigt war. Ruki warf ihm einen verwirrten Blick zu, bis er sich plötzlich an Uruhas These erinnerte, Reitas mysteriöses Verschwinden und auch sein gereiztes Verhalten würden mit seiner Beziehung zusammenhängen. Oh ja, mit einer Beziehung hing es definitiv zusammen, aber würden die anderen wissen, dass es sich dabei um die rein geschäftliche Beziehung zu einem Callboy in einem S/M-Studio handelte und Reita seine Aggressionen damit abbaute, dass er sich an einem Kreuz auspeitschen ließ, würden sie vermutlich vor Schreck tot umfallen. »Wenn er von einer Nacht mit seiner Freundin so fertig ist, dass er am nächsten Morgen nicht mal zur Probe kommen kann, kann er sie uns gern mal vorstellen«, schlug Aoi vor und Uruha grinste breit. »Oder gleich mal ausleihen«, sprang dieser sofort darauf an und schaukelte mit den Hüften. »Es sei denn, sie ist irgendein Drachen und er kann nicht kommen, weil sie sich gefetzt haben. So richtig schön dramatisch mit fliegendem Geschirr!« »Er klang eher so, als würde es ihm wirklich schlecht gehen«, gab Kai der Diskussion einen Dämpfer und rieb sich das Kinn, wie er es immer tat, wenn ihm etwas ernsthafte Sorgen machte. »Er hat gemeint, er fühle sich richtig mies und wolle uns nicht die Laune verderben. Keine Ahnung, was er gerade für Probleme hat, aber er hat mir versprochen, dass er etwas dagegen unternehmen würde. Er klang so, als hätte er das Problem nicht zum ersten Mal und wüsste schon genau, was er dagegen unternehmen müsste. Trotzdem mache ich mir Sorgen …« »Also doch Anger Management …«, murmelte Aoi leise und spielte leise einen Akkord an, ehe er ein zweites Mal an diesem Tag zusammenfuhr, als Rukis Tasche mit einem dumpfen Laut neben ihm auf dem Fußboden landete. »Scheiße, Ruki, erschreck mich nicht so!«, murrte er, doch der Sänger hörte ihn gar nicht. Er starrte wie paralysiert ins Leere, die Augen weit aufgerissen, während sich in seinem Kopf alles zu drehen begann. Er spürte, wie sich sein Magen unangenehm zusammenzog und seine Knie zu zittern begannen, als würde er jeden Moment das Gleichgewicht verlieren, ehe er plötzlich die verwunderten Blicke spürte, die auch ihn gerichtet waren, und ertappt zusammenzuckte. »Ich muss … kurz auf Toilette«, presste heraus und drehte sich auf dem Absatz um, noch bevor einer der anderen etwas erwidern konnte, um aus dem Probenraum auf den Gang zu fliehen. Doch anstatt den Weg zur Toilette einzuschlagen, trugen ihn seine Beine beinahe automatisch in Richtung des Hinterhofs, wo er wie benommen auf eine kleine Mauer sank und die Augen schloss, um die Übelkeit zurückzudrängen, die ihn zu überwältigen drohte. Reita hatte es getan … Er war bei Chiaki! Er konnte nur bei ihm sein! Ruki biss die Zähne zusammen und ballte die Hände zu Fäusten, um die gewaltigen Emotionen zu bekämpfen, die in ihm aufstiegen. Er konnte noch nicht einmal sagen, was es genau war. Wut, Enttäuschung, Eifersucht, und noch viel mehr, was er überhaupt nicht zuordnen konnte. Anger Management, natürlich! Und was für ein Anger Management! Wahrscheinlich ließ sich Reita jetzt gerade wie ein Paket zusammenschnüren, auspeitschen und foltern, nur um ihn zu demütigen, weil er sich geweigert hatte, sein Spielzeug zu werden. Wollte er ihn bestrafen? Wollte er Ruki zeigen, dass er ihn nicht brauchte, dass er vollkommen austauschbar war? Oder hielt er es nicht mal mehr einen Tag ohne Schmerz aus? Brauchte er die Folter so dringend, dass er alles andere in seinem Leben – die Band, seine Freunde – hinten anstellte und vernachlässigte, nur um wie ein Junkie seinen Kick zu bekommen? Wie konnte er so egoistisch und selbstgefällig sein?! Rukis Fingernägel bohrten sich so tief in seine Handinnenflächen, dass sie das Blut verdrängten, als sich in seinem Kopf immer neue Gedanken auftürmten, einer schlimmer als der andere. Er wollte schreien, auf irgendetwas einschlagen, doch obwohl die Wut immer stärker in ihm brodelte, war er wie versteinert. Es fühlte sich an, als habe Reita ihn verraten … Er hatte ihm gesagt, er wolle nur noch ihn, jede Nacht, den Schmerz nur noch aus seiner Hand empfangen … Er hatte sich küssen lassen, Ruki zurückgeküsst und mit ihm Sex gehabt, verdammt noch mal! Wie konnte ihm Reita erst erklären, er sei seine heimliche Fantasie, wenn er sich selbst befriedigte, ihm anbieten, seinen Körper zu benutzen, und ihn dann nicht einmal einen Tag später wieder fallen lassen?! Wie konnte er ihm erst Hoffnung machen, dass er eventuell irgendwann etwas Besonderes für ihn sein könnte, und ihn dann hintergehen? Ruki biss die Zähne zusammen, als ihm plötzlich klar wurde, dass er überhaupt nicht in der Position war, Reita einen Vorwurf zu machen. Er hatte ihm nichts versprochen, er hatte ihm lediglich ein Angebot gemacht, was Ruki selbst abgelehnt hatte. Und er hatte es nicht nur abgelehnt, er hatte ihn zusätzlich noch beschimpft und eindeutig klar gemacht, was er von seinen Neigungen hielt. Reita hatte ihm sogar gesagt, dass er es sich nicht verbieten lassen würde, zu Chiaki zu gehen, wenn er seinen Platz nicht einnehmen wollte, aber obwohl Ruki hätte klar sein müssen, dass der Bassist seine Worte wahr machen würde, war der Schock größer, als er jemals gedacht hätte. Er hatte sich selbst das Wasser abgegraben und alles kaputt gemacht, was jemals zwischen ihnen hätte sein können … Und trotzdem war eine kleine Stimme in ihm, die alle Tatsachen ignorierte, der Meinung, Reita würde alles nur tun, um ihm eins auszuwischen und ihn zu demütigen. Und in diesem Moment, in dem er sich so hilflos fühlte und jeden Gedanken, dass er selbst an allem schuld war, einfach nur verdrängen wollte, siegte die kleine Stimme. »Äh … Ruki?« Eine Stimme ließ ihn zusammenzucken, und als er den Kopf hob, sah er Uruha vor sich stehen, der sich verlegen eine Strähne aus der Stirn strich und ihn besorgt musterte. Er brauchte einen Moment, doch dann fühlte er, wie das Blut in sein Gesicht schoss, als ihm einfiel, dass er sich nur für einen Moment entschuldigt hatte und die anderen sicher schon seit etlichen Minuten warten ließ. Und nun hatte Uruha ihn auch noch erwischt, wie er ohne jeglichen Grund draußen saß und wie ein Psychopath Löcher in die Luft starrte. »Geht’s dir gut?«, fragte der blonde Gitarrist mit ernstem Gesichtsausdruck und schaffte es, dass sich Ruki auf der Stelle schrecklich schuldig fühlte. So nickte er nur schnell und zwang sich ein entschuldigendes Lächeln auf die Lippen, innerlich all seine verbliebene Beherrschung zusammenkratzend. »Noch ein bisschen krank«, meinte er leise. »Ich brauchte nur ein wenig frische Luft …« Uruha nickte verständnisvoll und Ruki seufzte innerlich auf, als der andere keine weiteren Fragen stellte, sondern schweigend den Wink akzeptierte, dass er nicht weiter darüber reden wollte. »Wenn du Taschentücher oder eine Fiebertablette brauchst, weißt du ja, dass du jederzeit zu mir kommen kannst«, antwortete er und Ruki lächelte dankbar, als er verstand, dass der in banale Worte verpackte Code nichts anderes bedeutete, als dass der andere für ihn da sein würde, wenn er sich entschließen sollte, über seine Probleme zu sprechen. »Danke, ich komm vielleicht darauf zurück«, antwortete er und fühlte sich gleich ein bisschen erleichterter, auch wenn er wusste, dass er dieses spezielle Problem wahrscheinlich nie jemandem anvertrauen würde. »Kein Problem«, grinste Uruha und klopfte ihm aufmunternd auf die Schulter, bevor er ihn in die Höhe zog. »Und jetzt komm! Aoi hat vor lauter Langeweile angefangen, mit den Drumsticks zu jonglieren, und glaub mir, ›das‹ willst du sehen!« Ruki weitete die Augen und schmunzelte, als Uruha ihn an den Schultern packte und vor sich her in Richtung Proberaum schob. Den Rest der Probe schaffte er es tatsächlich, sich von seinen Sorgen abzulenken, was nicht zuletzt daran lag, dass seine Bandkollegen keine Chance ungenutzt ließen, ihn durch irgendwelche Späße aufzuheitern, doch kaum dass er sich von ihnen verabschiedete und das PSC Gebäude verließ, trübte sich seine Stimmung wieder. Und spätestens, als er den U-Bahnhof betrat und die Wegweiser in Richtung Shibuya sah, war seine Laune wieder so schlecht wie auf dem kleinen Hof. Die dunkle Wolke über seinem Kopf verschwand auch für den Rest des Tages nicht, und als er schließlich gegen Abend den zwingenden Drang verspürte, seine schon viel zu ordentliche Wohnung ein weiteres Mal zu putzen, entschied er sich, dass er den nächsten Tag am besten im Bett bleiben und den Rest der Welt – und vor allen Dingen Reita – ignorieren sollte. Gegen zehn Uhr rief er Kai an, um ihm zu sagen, dass er sich nicht wohl fühlte, und zu seiner Erleichterung bestand der Drummer darauf, dass er nicht eher zur Probe käme, bis es ihm besser ginge, solange er nur pünktlich zur Abreise nach Österreich wieder fit sei. Einen Moment lang glaubte Ruki einen wissenden Unterton in seiner Stimme zu hören, doch er verdrängte den Gedanken schnell wieder. Selbst wenn Kai den nun wirklich nicht allzu abwegigen Verdacht geschöpft hatte, dass mit Rukis ›Krankheit‹ etwas nicht stimmte, konnte er zum Glück keine Gedanken lesen. Nachdem er aufgelegt hatte, betrachtete er sein Handy kurz gedankenvoll, ehe er es auf lautlos stellte und mit dem Display nach unten drehte, so dass er nicht sehen konnte, wenn ein Anruf kam. Bei seinem derzeitigen Stimmungszustand konnte er sich nicht sicher sein, dass er Reita nicht einfach all seine Gefühle an den Kopf knallen würde, wenn er mit ihm sprechen sollte, also wollte er lieber gar nicht erst riskieren, dass es dazu kam. Wer konnte wissen, ob der Bassist nicht noch einmal versuchen würde, ihn anzurufen. Und tatsächlich. Als er das Handy nach zwei Stunden wieder in die Hand nahm, blinkte deutlich ein kleiner grüner Hörer in der linken unteren Ecke. Zwei Anrufe in Abwesenheit. Reita. Am nächsten Morgen waren es drei und im Laufe des Tages vier weitere, so dass sich Ruki schon dabei ertappte, wie er das Handy immer wieder in die Hand nahm, nur um nachzusehen, wie oft es Reita diesmal probiert hatte. Jedes Mal breitete sich ein seltsames Gefühl der Beklemmung in ihm aus, wenn er den Namen des anderen auf seinem Display blinken sah, und je öfter dies geschah, umso stärker machte sich in ihm das schlechte Gewissen breit, dass er ihn einfach ignorierte. Aber bevor er sich nicht absolut sicher war, wie er seine widersprüchlichen Gefühle unter Kontrolle kriegen konnte, oder zumindest wie er sich ihm gegenüber verhalten sollte, konnte er nicht mit ihm reden. Und irgendwann im Laufe des nächsten Nachmittags stoppten die Anrufe. Zuerst fiel es Ruki gar nicht auf, aber als vier Stunden vergangen waren und sein Display noch immer leer blieb, begann er unruhig zu werden. Und als auch nach zwei weiteren Stunden kein Anruf kam und es langsam spät wurde, wandelte sich seine Unruhe langsam in Verärgerung und ließ ihn rastlos im Zimmer auf und ab laufen, das Handy mit bösen Blicken bedenkend, als wäre es sein persönlicher Feind und hätte sich gegen ihn verschworen. Erst tat Reita interessiert und nun meldete er sich nicht mehr? Er müsste doch intelligent genug sein, um zu wissen, dass er sich ein bisschen mehr anstrengen musste, bei dem, was er sich geleistet hatte. Doch es tat sich nichts. Und irgendwann kam sich Ruki furchtbar dumm dabei vor, wie er auf sein Handy starrte und wartete, obwohl Reita eigentlich der Letzte war, mit dem er gerade reden wollte. Mürrisch warf er das kleine Telefon auf sein Sofa und trabte unter die Dusche, um sich danach sofort ins Bett zu werfen und den Tag zu vergessen. Wie in der letzten Nacht dauerte es einige Stunden, bis er endlich eingeschlafen war, doch kaum dass Morpheus ihn endlich in seine Arme geschlossen hatte, schreckte er auch schon wieder auf. Ein frustriertes Stöhnen entwich seinen Lippen, als er mit seiner Hand nach dem Wecker schlug, doch das Bimmeln, das ihn geweckt hatte, wollte einfach nicht verstummen. Und nach ein paar Momenten wurde Ruki klar, dass es daran lag, dass es die Türklingel war. Halb benommen taumelte er aus dem Bett zur Tür, um wem auch immer gehörig die Leviten zu lesen, dass er ihn mitten in der Nacht aus dem Schlaf klingelte, ehe er plötzlich zu Eis gefror, als er von der anderen Seite der Tür eine Stimme hörte. »Ruki … Ich bin’s, Reita! Lass mich rein!« Ein leises Keuchen entwich dem Sänger, als er mit der Hand nach der Kommode tastete, um sich daran festzuhalten, während er spürte, wie seine Beine zu zittern begannen. Er hätte es wissen müssen! Er hätte wissen müssen, dass er Reita einfach nicht aus dem Weg gehen konnte. Doch damit, dass dieser schlichtweg bei ihm auftauchte, hätte er im Traum nicht gerechnet. »Ruki, mach auf!« Ein weiteres Klingeln ertönte und Reitas Stimme wurde lauter, als er an die Tür klopfte und Ruki aus der Starre holte, in die er einen Moment gefallen war. Er zuckte zusammen wie ein Kaninchen, ehe er zur Tür hastete und diese schneller öffnete, als er über die Konsequenzen nachdenken konnte. Und erst, als er Reitas überraschten Blick sah und spürte, wie sich im selben Atemzug sein Brustkorb zusammenzog, wurde ihm klar, dass dies vielleicht doch keine so gute Idee gewesen war. Der Bassist ließ die Hand, die er zum Klopfen erhoben hatte, sinken und wich seinem Blick aus. »Darf ich reinkommen?«, fragte er leise und Ruki nickte nur, nicht in der Lage, irgendetwas zu erwidern. Es kam ihm noch nicht einmal in den Sinn, den anderen anzufahren, was er sich erlaubte, mitten in der Nacht so einen Krach in seinem Hausflur zu machen, als er die Tür hinter ihm schloss und wortlos ins Wohnzimmer ging. Reita folgte ihm schweigend und war auf einmal gar nicht mehr so entschlossen, wie zu dem Zeitpunkt, als die Tür noch zwischen ihm und Ruki gewesen war. »Entschuldige, dass ich dich geweckt habe …«, begann er leise und Ruki runzelte die Stirn, als er hörte, dass die Stimme des anderen ein wenig belegt klang. »Hast du getrunken?«, fragte er und Reita schüttelte den Kopf, ehe er kurz zögerte und dann doch nickte. »Ein bisschen«, gab er zu und setzte sich zögerlich auf seinen angestammten Platz auf der Couch, die Augen noch immer auf seine Fußspitzen gerichtet. Ruki musterte ihn skeptisch, auch ein wenig verwirrt, denn womit er auch immer gerechnet hatte, es war sicher nicht gewesen, dass Reita plötzlich so zurückhaltend war, wo er vor zwei Tagen in der kleinen Gasse den Macho markiert hatte. Sein Blick huschte zur Uhr. 2.30 Uhr. »Es tut mir leid …«, brach Reita auf einmal die Stille, die sich zwischen ihnen ausgebreitet hatte, und Ruki sah ihn überrascht an. Der Bassist hatte den Kopf gesenkt und drehte nervös seine Finger umeinander, doch abgesehen davon, dass seine Stimme leicht schwankte, als er weitersprach, war er ruhig. »Ich hab gedacht, du würdest genauso denken wie ich … Als ich dich im Club erkannt habe, war ich gelähmt vor Schrecken. Ich dachte einen Moment, das sei ein kranker Scherz und du würdest dich über mich lustig machen. Ich hab sogar kurz gedacht, die anderen würden mit dir unter einer Decke stecken und ihr habt das ganze geplant. Doch was du mit mir gemacht hast … Wie du mich angefasst hast … So etwas tut man nicht aus Scherz, nicht wahr?« Ruki schluckte trocken, als er die Unsicherheit in Reitas Stimme hörte, doch sein Verstand konnte gar nicht so schnell arbeiten, um eine passende Antwort zu finden. Er hätte nicht gedacht, dass Reita die Sache so direkt zur Sprache bringen würde! Er war wie erstarrte, konnte keinen klaren Gedanken fassen, der auch nur annähernd erklärt hätte, was er in diesem Moment gedacht hatte. Er hatte einfach überhaupt nicht gedacht … Er hatte sich vollkommen in der Situation verloren, in der Anziehungskraft von Reitas gequälten Lauten, wenn er ihn folterte, in dem unleugbaren Reiz der Macht über ihn, durchbrochen von zarten Berührungen, die ihm den letzten Funken Verstand geraubt hatten. Und je länger er ihn jetzt ansah, umso stärker kamen die süßen Erinnerungen zurück und kosteten ihn seine ganze Selbstbeherrschung, um sich nicht von ihnen überwältigen zu lassen. »Ich hab gedacht, es hat dir gefallen …«, fuhr der andere fort, und Ruki fühlte sich plötzlich ganz furchtbar, als er sah, wie Reitas Gestalt förmlich in der Couch zu verschwinden schien. »Ich dachte … Du hast mich …« Er stockte und atmete zittrig ein, bevor er die Hände auf seinem Schoß verkrampfte und den Blick vorsichtig zu Ruki hob. »Du hast mich geküsst … Du hast mich angefasst, als wolltest du tatsächlich ›mich‹. Und da habe ich gedacht … du wolltest es auch. Ich habe die Kontrolle über mich verloren. Einfach so … Ich wollte dich … Und du warst auf einmal da … Ich konnte nicht wissen, dass du es eklig findest … Dass du mich eklig findest …« Er verstummte und senkte den Blick wieder, als Ruki nicht reagierte, ihn nur wie versteinert anstarrte und die Hände hinter seinem Rücken ballte, um sich zur Ruhe zu zwingen. In seinem Inneren tobten die widersprüchlichsten Emotionen, aber er konnte sich kein Stück bewegen, als sei er festgefroren. Und zum ersten Mal seit dem Moment, in dem er Reita in der Gasse ins Gesicht geschlagen hatte, begriff er, was er für einen Schaden angerichtet hatte. Die ganze Zeit war er auf den Bassisten wütend gewesen, hatte ihn für unsensibel gehalten, für egoistisch und selbstgefällig. Er hatte ihm vorgeworfen, nicht auf seine Gefühle zu achten. Und nun erkannte er auf einmal, wie blind er selbst für die Gefühle des anderen gewesen war. Wie hätte Reita wissen können, dass er ihn verletzte, wenn alles, was Ruki ihm gezeigt hatte, Ablehnung gewesen war? Er hatte ihn im Club liegen gelassen, hatte ihn gemieden und am Telefon ignoriert, war vor ihm geflüchtet und hatte schließlich das Schlimmste getan, was er überhaupt hätte tun können. Er hatte ihm ins Gesicht gebrüllt, wie abstoßend er seine Neigungen fand, wie schlimm es für ihn gewesen war, mit ihm zusammen zu sein. Er hatte sich in diesem Moment schützen, seinen Stolz und seine Selbstachtung retten wollen, doch die Worte, die seinen Mund verlassen hatten, waren nur eines gewesen: kalt und ablehnend. Er hatte Reita genau das selbe angetan wie dieser ihm. Mit dem Unterschied, dass er, Ruki, noch viel grausamer gewesen war. Und plötzlich verstand er, wie viel Überwindung und Mut es Reita gekostet haben musste, zu ihm zu kommen. Zu einem Mann, von dem er glaubte, er würde ihn verachten. Und zu wissen, dass er daran schuld war, dass Reita dies dachte, ließ ihn sich selbst mehr hassen, als er jemals gedacht hatte. »Sag was …«, holte ihn Reita aus seinen Gedanken zurück, und er schrak zusammen, als er hörte, wie dünn dessen Stimme klang, doch er öffnete lediglich den Mund, bevor er ihn wieder zuklappte, ohne ein Wort herausgebracht zu haben. Er wollte etwas sagen, wollte Reita alles gestehen, doch es war, als hätte ihm dessen Rede die Luft abgeschnürt. Er ballte die Fäuste fester zusammen, als er spürte, wie sein Körper zu zittern begann, doch Reita bemerkte dies nicht. Sein Gesicht wurde noch blasser, als es sowieso schon war, als Ruki nichts erwiderte, und nach kurzem Zögern erhob er sich. »Entschuldige, dass ich dich belästigt habe«, sagte er so leise, dass sich Ruki am liebsten dafür geschlagen hätte, dass seine Kehle noch immer wie zugeschnürt war. »Ich hoffe, du verzeihst mir irgendwann. Ich habe dir das Angebot nur gemacht, weil ich dachte, du willst es auch. Es war nie meine Absicht, dich zu verletzen. Wir sind doch Freunde …« Er lächelte wacklig, doch es wirkte gezwungen, ehe er sich zur Tür wandte, um zu gehen. Ruki sah ihm nach und biss die Zähne so fest zusammen, dass er glaubte, jeden Augenblick müsse sein Kiefer zerspringen. Er konnte sein eigenes Blut hinter seinen Ohren rauschen hören, fühlte, wie sich sein Brustkorb zusammenzog, so dass er beinahe keine Luft mehr bekam, bis plötzlich etwas in ihm brach. »Wieso bist du wieder zu Chiaki gegangen?«, hörte er sich selbst sagen und sah, wie sich Reita umdrehte und ihn überrascht, wenn auch ein wenig ertappt ansah. »Wie kommst du …«, begann er, doch Ruki ließ ihn nicht einmal ausreden. »Ich weiß, dass du da warst!«, rief er, mit einem Mal furchtbar aufgeregt, als würde die ganze Spannung, die sich bis jetzt in sich angestaut hatte, auf einmal aus ihm herausbrechen. »Du hast gesagt, du willst nur noch mich! Wie kannst du so etwas sagen und dann wieder zu ihm gehen, als sei nichts geschehen?!« Reita starrte ihn an wie das Kaninchen vor der Schlange, ehe er abwehrend die Hände hob und einen Schritt zurückwich, doch Ruki war inzwischen so aufgebracht, dass er dies gar nicht mehr bemerkte. Mit zwei Schritten durchquerte er den Raum und packte Reita so fest am Kragen, dass dieser einen schmerzvollen Laut von sich gab. »Lass mich los!«, keuchte er erschrocken und versuchte Ruki von sich zu schieben, doch dieser drängte ihn nach hinten, bis er mit dem Rücken gegen die Wand stieß. »Du behauptest, wie wären Freunde! Dabei hast du mich nur benutzt und dann belogen!«, fauchte er und drückte fester zu, während er versuchte, das Zittern zurückzudrängen, dass ihn zu überwältigen drohte. Er wusste mit jeder Faser seines Körpers, dass er das Falsche tat, aber er hatte sich zu lange kontrolliert und nun jegliche Gewalt über sich verloren. »Das hat doch überhaupt nichts damit zu tun!«, verteidigte sich Reita und verzog das Gesicht, als Ruki stärker zudrückte. Langsam flammte Ärger in seinem Blick auf, als er Rukis Schultern packte und versuchte, ihn von sich zu lösen. »Ich habe mich entschuldigt! Was ich mit Chiaki tue, hat rein gar nichts mit dir zu tun!« »Aber es hatte etwas mit mir zu tun, als ich seinen Platz einnehmen sollte! Was soll ich denn denken, wenn du mir auf einmal eröffnest, dass ich deine heimliche Fantasie bin, und mich dann plötzlich wie ein Sex-Toy behandelst?!« Rukis Worte wurden mit jedem Wort lauter, bis er Reita beinahe anschrie. »Tun Freunde so was? Du hast mich benutzt! Und jetzt willst du dich nur entschuldigen, weil du denkst, ich lasse mich dann doch noch überreden!« Reitas Augen weiteten sich fassungslos und seine Lippen begannen zu zittern, ehe er Ruki so grob von sich wegstieß, dass dieser zurücktaumelte und auf dem Boden aufschlug. Das Gesicht des Bassisten war vor Wut und Schmerz verzerrt, doch anstatt auf ihn loszugehen, wie Ruki es für einen kurzen Moment vermutet hatte, schlug er lediglich mit der Faust in die Luft. »Bist du jetzt völlig durchgeknallt!?«, rief er zornig und Ruki hielt die Luft an, als er sah, wie sich Flüssigkeit in den Augen des anderen sammelte. »Ich habe mich entschuldigt! Du bist mir wichtig, verstehst du das nicht?! Es tut mir leid, dass ich so ein Arschloch war, aber du hast mir keine andere Wahl gelassen!« »Ach, jetzt bin ich auch noch schuld?«, Rukis Augenbrauen zogen sich ärgerlich zusammen und er sprang auf, doch noch bevor er etwas sagen konnte, unterbrach Reita ihn. »Natürlich bist du schuld!«, brüllte er und es schien ihn überhaupt nicht zu stören, dass er damit vielleicht Rukis Nachbarn weckte. »Wenn du nicht im Club aufgetaucht wärst, wäre alles gut gegangen! Ich würde noch nicht einmal daran denken, wie es wäre, mit dir zu schlafen oder dich Dinge mit mir tun zu lassen, von denen ich zuvor noch nicht einmal geträumt habe! Es würde mir vollkommen reichen, dich mir ab und zu ohne jegliche Hintergedanken vorzustellen, aber seitdem ich weiß, wie du dich anfühlst, kann ich an nichts anderes mehr denken! Ich will dich so sehr, dass ich nicht mehr ruhig schlafen kann, weil ich immer wieder die Bilder vor mir sehe, was an diesem Abend geschehen ist!« Sein Atem ging hastig und er hatte die Hand noch immer zur Faust geballt, doch hatte Ruki diese Geste vor ein paar Sekunden nur wütend gemacht, nahm er sie nun gar nicht mehr wahr. Sein Kopf war wie leergefegt, jeglicher Gedanke weggewischt, so dass er Reita nur mit offenem Mund anstarren konnte. »Warum bist du dann zu ihm zurück?«, fragte er und wusste nicht, wie er überhaupt noch in der Lage war, einen vollständigen Satz zu formulieren. Reita schien seinen plötzlichen Wandel überhaupt nicht wahrzunehmen, denn anstatt ruhiger zu werden, begann er nur noch mehr zu zittern. »Weil ich mir beweisen wollte, dass ich es auch ohne dich kann! Dass ich dich nicht brauche!«, rief er aufgebracht und atmete so schnell und abgehackt, als würde er die Tränen, die in seinen Augenwinkeln glänzten, nur noch mit größter Mühe zurückhalten können. »Doch ich kann es nicht mehr! Alles, was vorher war, bedeutet mir nichts mehr!« Rukis spürte, wie sich seine Kehle erneut zuschnürte, doch dieses Mal war es ein anderes Gefühl, was sich in ihm ausbreitete. Er konnte nicht verstehen, was gerade um ihn herum geschah, fühlte sich wie ein hilfloser Beobachter in einer Situation, die wirkte, als sei sie nicht aus seinem eigenen Leben, sondern aus einer unrealen Wirklichkeit, die ihm sein Verstand vorgaukelte, um ihn arglistig hinters Licht zu führen. Doch im selben Moment fühlte er mit beinahe erschreckender Gewissheit, dass es real war. Dass Reitas Worte wahr waren, so unmöglich es für ihn auch war, sie zu fassen. Doch als der andere in einer verzweifelten Geste die Arme hob und ihn so klar ansah, dass Ruki glaubte, sein Blick würde ihn vollkommen durchdringen, wusste er, dass alles, wirklich alles, real war. Und als er die nächsten Worte des anderen hörte, glaubte er, den Boden unter den Füßen zu verlieren. »Ich habe nicht gelogen, als ich sagte, ich will nur noch dich!« tbc. Kapitel 6: ----------- Kapitel 6 ›Ich will nur noch dich …‹ Die Worte hallten in Rukis Kopf wider und ließen ihn erzittern, als sich in seinem Bauch ein Gefühl ausbreitete, als würden abertausend Schmetterlinge aus ihrem Kokon ausbrechen. Er starrte Reita wie paralysiert an, wollte in seinen Augen die Bestätigung dafür suchen, dass er sich den Satz nicht eingebildet hatte, doch Reita hatte den Blick verschämt gesenkt und die Veränderung in Ruki noch überhaupt nicht registriert. »Tut mir leid, ich rede ganz schönen Blödsinn«, sagte er verlegen und rieb sich den Schopf. Er lachte leise, doch es klang aufgesetzt. »Nicht gerade sehr männlich, nicht wahr? Denk jetzt nicht, ich bin ein Idiot, nur weil ich das, was ich gesagt habe, auch so meine … Aber wahrscheinlich interessiert dich das gar nicht …« Er seufzte und Ruki schluckte trocken, als er sah, was sein Verhalten angerichtet hatte. Er hatte verdammt noch mal eine Menge gutzumachen! Und wenn er es jetzt nicht tat, dann nie! »Ich will nicht, dass sich zwischen uns irgendwas ändert, nur weil ich dich …«, begann Reita, doch weiter kam er nicht, als Rukis mit wenigen Schritten den kurzen Abstand zwischen ihnen überwand und nach seinem Nacken griff. Er sah, wie Angst in Reitas Blick aufglomm, als er sich so überrumpelt fühlte, doch noch ehe dieser etwas erwidern konnte, bog er seinen Nacken nach unten und presste seine Lippen auf Reitas. Es war wie ein Blitzschlag, der Ruki durchfuhr, ein Feuer, das sich von seinem Bauch aus durch seinen ganzen Körper ausbreitete, als er sich das nahm, von dem er niemals gedacht hatte, dass er es jemals wieder fühlen würde. Reitas Lippen öffneten sich zu einem harschen Atemzug und Ruki spürte, wie sich der andere versteifte, ehe sich eine Hand in seine Schulter krallte. Einen kurzen Augenblick durchfuhr ihn die Angst, ob er Reitas Worte vielleicht doch falsch interpretiert hatte und dieser ihn wegdrücken würde, doch als er spürte, wie die Hand zu seinem Oberarm wanderte und ihn weiter heranzog, warf er alle Ängste über Bord und presste seine Lippen fester auf die des anderen. Ein Zittern durchfuhr ihn, als er spürte, wie sich Reitas Mund öffnete und eine warme Zunge über seine Lippen huschte, ehe sie dazwischen glitt und nach ihrem Gegenpart suchte, doch so richtig begreifen, was gerade geschah, konnte er erst, als sich Reitas Hand in seinen Schopf grub und ihn so nah zog, dass er keine Chance hatte, dem Kuss zu entkommen. Reitas Geschmack benebelte seine Sinne und die weichen Lippen ließen ihn keinen klaren Gedanken mehr fassen, so dass er überhaupt nicht bemerkte, wie er zurückgedrängt wurde, bis er mit dem Rücken gegen die Zimmerwand stieß. Ein überraschter Laut entwich seiner Kehle, doch er wurde von Reitas Kuss geschluckt, der immer fordernder wurde, je länger er andauerte, so dass Ruki atemlos nach Luft schnappte, als sich der Bassist auf einmal von ihm löste. Dunkle Augen schienen ihn förmlich zu durchdringen, so dass er sich unbewusst über die feuchten Lippen leckte, ehe sein Blick auf Reitas Mund fiel, der so verführerisch glänzte, dass er sich am liebsten sofort wieder auf ihn gestürzt hätte. Doch so überwältigend der Moment auch gewesen war, etwas in Reitas Blick sagte ihm, dass er diesem eine Erklärung schuldig war. »Reita, ich …«, begann er leise und schluckte trocken, als spürte, wie ihm seine Stimme versagte. Er wollte so viel sagen, wollte sich entschuldigen und alles erklären, was geschehen war, aber das Gefühl von Reitas Körper so nah an seinem ließ ihn keinen klaren Gedanken fassen. Obwohl er ihn nicht berührte, konnte er seine Wärme spüren, den angenehmen Geruch, der von ihm ausging, riechen und seinen Atem an seiner Haut fühlen. Bilder der kurzen Zeit im Club schwirrten durch seinen Kopf, Erinnerungen an weiche Haut, rote Striemen und Keuchen an seinem Ohr, als sich Reita auf ihm bewegt hatte. Er wollte ihn zu Boden werfen, wollte sich das holen, was er sich seitdem jede Nacht in seinen Träumen vorgestellt hatte, doch wenn er dies tat, ohne ihm vorher gesagt zu haben, was er für ihn empfand, dass es nicht nur abgebrühter Sex war, würde er keine Minute davon richtig genießen können. Aber noch bevor er etwas sagen konnte, näherten sich Reitas Lippen seinem Ohr. »Spielst du mit mir?«, fragte der Bassist, und obwohl Ruki die Worte auch durchaus als schmutzige Aufforderung hätte interpretieren können, sagte ihm die plötzliche Unsicherheit in der Stimme des anderen deutlich, dass dies nicht ihre Bedeutung war. Reita hatte Angst, dass er ihn nur benutzen könnte. Und Ruki musste sich unangenehm berührt eingestehen, dass er durchaus diesen Eindruck vermittelt hatte. »Nein …«, hauchte er leise und fuhr mit den Fingerspitzen durch die blonden Haare des anderen, ehe er ihn an sich heranzog, wohlig aufseufzend, als er ihn endlich spüren konnte. »Ich wusste nur nicht, was ich tun sollte. Es tut mir leid …« Er biss die Zähne zusammen, als ihm der Satz, den er eigentlich sagen wollte, einfach im Hals stecken blieb, und hoffte inständig, dass er genug Ernst in seine Stimme gelegt hatte, damit Reita ihm glaubte. Der Bassist schien trotz seiner Worte plötzlich verunsichert und Ruki spürte, wie er verlegen den Kopf senkte und sich ein Stück von ihm entfernte, wie um sich dafür zu entschuldigen, dass er ihn so unerwartet gegen die Wand gedrückt hatte. »Wir sollten das trotzdem lieber lassen …«, sagte Reita und fuhr sich beschämt durch die Haare, ehe er Ruki, der mit der unerwarteten Ablehnung vollkommen überfordert war, ein wackliges Lächeln zuwarf. »So gern ich das auch will … Ich hab dich schon mal zu etwas verführt, was du danach bereut hast. Das sollte ich nicht noch mal tun …« Ruki schnappte nach Luft, während sich in seinem Kopf alles zu drehen begann und er sich beinahe wie in einem schlechten Film vorkam. Irgendetwas lief hier furchtbar falsch! Wie kam Reita auf die abwegige Idee, er würde später bereuen, was er jetzt mit ihm tat?! Immerhin hatte er, Ruki, ihn an sich gezogen und geküsst! Was war daran nicht zu verstehen? Wie konnte er jetzt auch nur daran denken, ihn stehen zu lassen, wo endlich alles klar schien?! Ruki fühlte, wie sich ihm die Wärme wieder entzog, und im selben Augenblick keimte Panik in ihm auf, die ihn die Hände nach Reita ausstrecken und ihn an sich heranziehen ließ. Beinahe grob presste er seine Lippen auf die des anderen, zuversichtlich, dass es nicht mehr brauchte, um Reita davon zu überzeugen, dass er rein gar nichts bereuen würde, aber als sich ihm dieser ein zweites Mal entzog, war er den Tränen nahe. »Was tust du?«, hauchte er entsetzt und konnte seine Stimme kaum mehr kontrollieren. War das die Strafe dafür, dass er Reita so sehr beleidigt und hingehalten hatte? Weigerte sich irgendein bescheuertes Schicksal, ihm das zu geben, was er mehr als alles in der Welt wollte, nur weil er den richtigen Moment verpasst hatte?! Das war nicht fair! »Hör zu, Ruki«, begann der andere und an seiner Stimme konnte Ruki deutlich erkennen, wie schwer es ihm fiel, seine Worte zu formulieren. »Ich will das hier wahrscheinlich mehr als jeder andere, aber du hast keine Ahnung, worauf du dich einlässt! Ich will nicht, dass du mich danach hasst und mir Vorwürfe machst. Dafür bist du mir zu wichtig! Und ich könnte es ebenso nicht ertragen, wenn du mich einfach wieder fallen lässt, wenn du merkst, dass du mich satt hast oder vielleicht lieber eine Frau willst …« Rukis Kiefer klappte nach unten, als er die letzten Worte hörte, und er konnte sich gerade noch zügeln, Reita nicht eine Ohrfeige für so viel Dummheit zu verpassen. »Hast du sie noch alle?«, rief er aufgebracht und spürte, wie sich erneut Wut in seinem Bauch sammelte. Er war so nah dran und jetzt wollte ihm Reita alles wieder wegnehmen? »Traust du mir nicht zu, dass ich die Konsequenzen meiner Entscheidungen einschätzen kann? Denkst du wirklich, ich würde mich einfach zu irgendwelchen Sachen verführen lassen, dich ich eigentlich gar nicht will? Ich spiele nicht mit dir! Ich dachte, ›du‹ spielst mit ›mir‹, und das war auch der einzige Grund, warum ich dich in den letzten Tagen so scheiße behandelt habe!« Er holte tief Luft, als er sah, wie sich Reitas Augen fassungslos weiteten, doch er gab ihm nicht mal ansatzweise die Chance, etwas zu erwidern. Der Kuss war noch zu nah, benebelte seine Sinne, und ließ ihn gar nicht richtig begreifen, was er tat. »Nur damit du’s weißt, du warst nicht der erste Mann, mit dem ich Sex hatte!«, fuhr er gereizt fort. »Ich steh nicht auf Frauen. Und wenn du denkst, dein kleiner S/M Fetisch würde mich abschrecken, dann hast du dich auch getäuscht! Ich hab dir doch wohl gezeigt, dass ich es kann! Und ich tue es wieder, wenn du das willst! Wenn du nur hergekommen bist, um mir zu zeigen, was ich nie wieder kriegen kann, dann verschwinde am besten wieder!« Er ballte die Hand zur Faust und biss die Zähne aufeinander, während er spürte, wie die Wut in seinem Inneren nur noch stärker anschwoll, als Reita ihn schockiert anstarrte und einen Schritt zurückwich. In den Augen des Bassisten stand Fassungslosigkeit und pure Überraschung geschrieben, aber auch noch etwas anders, das Ruki jedoch nicht wirklich erkennen konnte. Er bebte am ganzen Körper und hätte am liebsten laut geschrieen und sich dafür geschlagen, dass er so dumm gewesen war, Reita nicht schon viel früher alles zu sagen. »Weißt du tatsächlich, was du da sagst? Selbst da dir klar ist, wie ich bin?«, holte ihn die Stimme des anderen zurück und als er sah, wie hilflos Reita wirkte und wie schwer es ihm fiel, seinen Worten Glauben zu schenken, verstand er auf einmal, dass sich dieser trotz seines selbstsicheren Macho-Gehabes, das er so gern in der Öffentlichkeit demonstrierte und von dem Ruki selbst eine äußerst unangenehme Kostprobe in der kleinen Gasse bekommen hatte, furchtbar für seine Vorlieben schämte. Und in diesem Moment, in dem er Reita so voller Selbstzweifel sah wie wahrscheinlich noch nie ein Mensch zuvor, brach etwas in ihm. »Denkst du, das würde mir irgendwas ausmachen?«, rief er, während die Verzweiflung darüber, nicht zu wissen, was er als Nächstes tun sollte, ins Unermessliche wuchs. »Das ist mir alles scheißegal, ich liebe dich, du Arschloch!« Er schlug mit der Faust in die Luft, wütend auf Reita und auf sich selbst, und erst, als er sah, wie diesem die Gesichtszüge entgleisten, wurde ihm klar, was er gerade gesagt hatte. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in seinem Bauch aus und er konnte förmlich spüren, wie er rot anlief, doch selbst wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, seine Worte zurückzunehmen, hätte er es nicht gewollt. Das war es, was er Reita die ganze Zeit hatte sagen wollen, und nichts, was dieser ihm entgegnen oder tun könnte, würde daran etwas ändern. »Was hast du gerade gesagt?«, hauchte der Bassist fassungslos, als könne er noch immer nicht begreifen, was Ruki ihm soeben offenbart hatte, und dieser biss die Zähne zusammen, um sich davon abzuhalten, nicht einfach wegzurennen, um der Situation zu entkommen. »Bist du taub, oder was?«, entgegnete er und versuchte seine Stimme hart klingen zu lassen, um wenigstens noch einen kleinen Teil seines Stolzes zu retten, doch er versagte und wendete beschämt den Blick ab. »Noch mal wiederhole ich es sicher nicht, denn …« Doch weiter kam er nicht, als er zurück an die Wand gedrängt und seine Worte im nächsten Augenblick von einem stürmischen Kuss einfach geschluckt wurden. Reita drückte sich an ihn, presste ihn soweit zurück, dass Ruki zwischen ihm und der Wand keinerlei Bewegungsfreiheit mehr hatte, und raubte ihm mit seinem Kuss den letzten Atem, während sich eine seiner Hände zwischen ihn und die Wand schob und ihn an sich zog. Ruki keuchte auf, als sich eine feuchte Zunge zwischen seine Lippen drängte und in seinen Mund eintauchte, doch viel Zeit zum Luft holen hatte er nicht, denn Reitas Kuss war so fordernd, als würde er jede Sekunde der letzten Tage, in denen sie sich nicht berührt hatten, aufholen wollen. Er brach Rukis Schutzschilder, ließ ihn jeden rationalen Gedanken vergessen, und als sich Zähne in seine volle Unterlippe gruben und daran saugten, verließ ihn auch der letzte Funken Selbstbeherrschung und ließ ihn sich willig an Reita drängen, vollkommen blind dafür, ob er sich in dieser Sekunde aufgab oder nicht. »Tut mir leid, dass ich so schwer von Begriff war«, hauchte Reita in den Kuss, ehe er Rukis Lippen sofort wieder verschloss, so dass dieser nur atemlos nicken und seine Finger fest in die Schultern des anderen krallen konnte. Es war ihm egal, wie er wirkte. Er wollte nur noch berührt werden, wollte Reita an sich spüren, vergessen, dass sie sich noch vor wenigen Momenten gestritten hatten und nicht glauben wollten, dass sie dem anderen tatsächlich etwas bedeuteten. Es war unvorstellbar, wie sie so lange aneinander vorbeigeredet hatten, doch in diesem Augenblick, in dem ihre Lippen miteinander kämpften und alles in einem wüsten Meer aus Emotionen verschwinden ließen, war das egal. Reites Lippen nahmen ihn vollkommen ein, seine Hände, die rastlos über seinen Körper wanderten, als könnten sie sich nicht entscheiden, welche Stelle sie zuerst berühren sollten, verdrängten jeden Zweifel, und als Reita ihren Kuss brach und seinen Kopf in Rukis Halsbeuge vergrub, um dort die sensible Haut zu reizen, konnte er sich ein Stöhnen nicht verkneifen. Jetzt, da Reita wusste, was er für ihn empfand, schien ihn nichts mehr zu halten. Er bedeckte Rukis Nacken mit Küssen, saugte an seiner Haut, bis sie sich rötete, und fuhr mit seinen Händen über den Stoff seines Shirts, so dass Rukis Kopf kraftlos gegen die Wand kippte, als die warmen Finger plötzlich darunterschlüpften und vorsichtig über seine nackte Haut fuhren. Das war so anders als im Club … Dort hatte er die Kontrolle gehabt, hatte Reita wie eine schlaffe Puppe bewegt und mit ihm getan, was er wollte, vollkommen ignorierend, dass dies nicht die Art und Weise war, wie man mit jemandem umging, der einem etwas bedeutete. Und selbst der Sex, so leidenschaftlich er auch gewesen war, war nicht einmal annähernd normal gewesen. Nicht ein einziges Mal hatte er Reitas Lippen auf seiner Haut gespürt, seine Finger gefühlt, die über seine Haut kosten und ihn berührten, als würden sie tatsächlich mehr von ihm wollen als nur seinen Körper. Er war zu diesem Zeitpunkt vollkommen überfordert gewesen, hatte sich leiten lassen, weil er nicht verstehen konnte, warum ihm Reita nicht einfach für das, was er getan hatte, anbrüllte. Schon da hatte er beim sexuellen Part die Führung verloren, doch dass Reita sie auch jetzt an sich reißen würde, war in Anbetracht seines devoten Verhaltens in allen anderen Aspekten ihrer vergangenen Begegnung für Ruki mehr als erstaunlich – wenn auch alles andere als unangenehm. Er genoss es, mit welcher Entschlossenheit ihn der andere eroberte, den Nachdruck, mit dem er ihn gegen die Wand drückte und sich einfach nahm, was er wollte, jedoch ohne dass sich Ruki in irgendeiner Weise bedrängt fühlte. Im Gegenteil – er bog sich Reita entgegen, drehte seinen Hals, um ihm noch mehr Angriffsfläche zu bieten, und fuhr mit seinen Händen unter dessen Hemd, um es so weit nach oben zu schieben, wie es ging, dabei jeden Flecken Haut zu berühren, den er erhaschen konnte. Einen kurzen Augenblick zuckte er zusammen, als er frische Striemen unter seinen Fingerkuppen fühlte. Er wusste nicht, ob sie von Chiaki stammten oder ob es noch Überreste seiner eigenen ungeübten Schläge waren, doch noch bevor er darüber nachdenken konnte, hatte sich Reita von ihm gelöst und zog ihm sein Shirt mit einer fließenden Bewegung über den Kopf, ehe er sich das Hemd von den Schultern steifte und es achtlos fallen ließ. Er verschwendete keine Sekunde, um sich wieder an Ruki zu drängen, und dieser biss sich auf die Unterlippe, um sich das Stöhnen zu verkneifen, als er die Hitze des anderen Körpers spürte. Das Gefühl von nackter Haut gegen seinen eigenen entblößten Oberkörper ließ ihn genüsslich die Augen schließen, und er brauchte einige Sekunden, bis er begriff, warum es ihm so fremd war. Und dieser Gedanke trieb ihm erneut die Schamesröte ins Gesicht. Zwar war Reita im Club nackt gewesen, aber er hatte die ganze Zeit seine Kleidung getragen. Selbst später hatte Reita keine Zeit verschwendet, ihn aus seinen Sachen zu pellen, sondern lediglich seine Hose geöffnet. So unanständig diese Vorstellung im Nachhinein auch war, konnte Ruki nicht leugnen, dass sie einen gewissen Effekt auf ihn hatte. Aber dennoch war sie nicht annähernd so verlockend wie das Gefühl, Reita ohne Kleidung an sich zu spüren. »Ruki …«, hörte er diesen gegen seinen Hals flüstern und der verführerische Ton schickte ihm einen Blitz durch den Körper, der geradewegs zwischen seine Beine raste. Er hatte sich nie für einen ungeduldigen Menschen gehalten und schon gar nicht für einen Sklaven seiner Triebe, aber jetzt in diesem Augenblick wollte er nichts mehr, als Reita endlich alle Sachen vom Körper reißen. »Komm mit!«, keuchte er heiser und packte den Bassisten am Handgelenk, bevor er ihn in Richtung seines Schlafzimmers zog. Und als er ihn aufs Bett drückte und sah, wie ein leicht amüsiertes Lächeln auf Reitas Lippen erschien, als er seine Ungeduld spürte, wurde ihm klar, dass noch etwas anders war als im Club. Es waren Reitas Augen. Das letzte Mal hatte Ruki nicht gewagt, ihm die Augenbinde zu lösen, aus Angst, was er in seinem Blick sehen könnte. Doch nun konnte er sich ihm nicht entziehen, dem feurigen Blitzen in den dunklen Tiefen, als sich Reita ohne Gegenwehr auf den Rücken drängen ließ und Ruki dabei auf sich zog, dem geheimnisvollen Funkeln, das ihm mehr Lust versprach, als er sich jemals erträumt hätte. Und nicht zuletzt dem einen Ausdruck, der ein kleines Feuerwerk in Rukis Bauch entfachte, wann immer er ihn sah, da er genau spürte, was Reita ihm damit sagte. Und als er sich hinabbeugte, um den Bassisten zu küssen, und dieser gegen seine Lippen lächelte, wusste er, dass er seine Antwort verstand. Seine Hände fuhren über den warmen Oberkörper des anderen, streichelten über die Muskulatur seiner Oberarme, bevor er sich mit einem Keuchen aufbäumte, als Reita eines seiner Beine hob und seinen Oberschenkel gegen Rukis Schritt drückte. Er spürte den Bassisten gegen seine Lippen grinsen, doch er konnte nicht reagieren, da hatte der andere auch schon seine Hüfte ergriffen und drückte ihn noch näher an sich heran. Seine Fingernägel krallten sich in Rukis Pobacken und dieser japste atemlos auf, als der andere sein Bein gegen seinen Schritt zu bewegen begann, während er ihn gleichzeitig mit festem Griff vor und zurück schob, so dass Ruki ungehalten in seinen Mund stöhnte, ehe sein Kopf auf seine Schulter kippte. Er biss die Zähne zusammen, als ihn die Erregung beinahe zu übermannen drohte und krallte seine Hände in Reitas nackte Schultern, doch dieser ließ ihn nicht los, sondern schob ihn weiter gnadenlos vor und zurück, so dass es Ruki all seine Selbstbeherrschung kostete, um die Töne zu unterdrücken, die seiner Kehle entweichen wollten. Irgendwann gab er es auf und ergab sich den Händen des Bassisten, die ihn immer schneller bewegten, bis sie mit einem Mal stoppten und ihn festhielten, so dass Ruki frustriert aufstöhnte. Er war inzwischen so erregt, dass es beinahe weh tat, doch so sehr er auch versuchte, die Stimulation wiederzuerlangen und sich selbst an ihm zu reiben, er konnte gegen den harten Griff nichts ausrichten, mit dem ihm Reita an seinem Platz hielt. »Reita, bitte …«, keuchte er in dessen Ohr und schabte mit den Zähnen über die empfindliche Haut, während er seine Fingernägel fester in dessen Haut grub. Er spürte, wie der andere erzitterte und ein dunkles Grollen von sich gab, ehe er seinen Oberschenkel kurz und hart an Rukis Schritt entlangrieb, so dass dieser leise aufschrie. Er wollte seine Hose loswerden, wollte sich nackt an Reita pressen und ihn endlich voll spüren, doch dieser ließ ihn erbarmungslos zappeln. Stattdessen hob er seinen Unterkörper und drückte ihn an Rukis Bein, der hörbar die Luft einsog, als er die deutliche Beule in der Hose des anderen spürte. Und zu wissen, dass er der Grund dafür war, war beinahe mehr, als er ertragen konnte. »Reita …«, hauchte er und schnappte mit den Zähnen nach dessen Hals, um sanft hineinzubeißen, und wie nur Momente zuvor ging ein Zittern durch Reitas Leib, das Ruki mit einem Mal begreifen ließ, was gerade geschah. Probeweise biss er fester zu und erschauderte, als er fühlte, wie sich der andere unter der Berührung krümmte und einen kleinen, wimmernden Ton ausstieß, während sich im gleichen Augenblick sein Schritt gegen ihn presste. Ein intrigantes Lächeln schlüpfte auf Rukis Lippen, als er sich daran erinnerte, dass ein Band Reita die Luft abgedrückt hatte, als er ihn am Kreuz gefesselt vorgefunden hatte. Sein Hals schien eine der Stellen zu sein, an der er besonders für Schmerz sensibel war. Und hatte er beim letzten Mal noch ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken gehabt, machte es ihn in diesem Moment mehr an, als er für möglich gehalten hatte. Ein weiteres Mal biss er zu, diesmal stärker, und stöhnte leise auf, als Reitas Bewegung ihm endlich die Stimulation zurückgab, die er so schmerzlich vermisst hatte. Der Bassist bäumte sich gegen ihn auf und krallte die Finger stärker in seine Pobacken, während er die Augen verdrehte und unterdrückte Laute ausstieß, die Ruki nur noch mehr anspornten. Er kratzte mit den Zähne über die helle Haut, leckte sanft über die roten Stellen, ehe er wieder zubiss, erfreut darüber, dass Reita nicht nur der Schmerz zu gefallen schien, sondern auch die weiche Berührung seiner Zunge. »Du musst das nicht tun«, presste der andere mit einem Mal zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und fuhr mit zitternden Fingern über Rukis nackten Rücken, doch auch wenn seine Worte etwas anderes sagten, spürte der Sänger deutlich, wie sehr es ihn anturnte. »Ich will nicht, dass du dich nur mir zuliebe zu irgendetwas überwindest, hörst du? Ich mag es, aber ich brauche es nicht jedes Mal! Mir gefällt auch normaler Sex! Doch wenn du weitermachst, kann ich mich irgendwann nicht mehr beherrschen!« Ruki sog harsch die Luft ein, als er die Worte hörte, und brauchte einige Sekunden, bis er deren Bedeutung vollkommen verarbeitet hatte. Reita würde für ihn tatsächlich darauf verzichten? Allein schon dieses Angebot war mehr, als er sich jemals erträumt hatte. Doch so angenehm es auch war, zu wissen, dass Reita nicht nur eine horizontale Spielvariante bevorzugte, war ihm das in diesem Moment vollkommen egal. Er mochte, was er tat. Es entfachte das Feuer, das er auch schon im Club gespürt hatte, als Reita ihm vollkommen ausgeliefert gewesen war. Doch im Gegensatz zu damals hinterließ es keinen schalen Nachgeschmack. »Ich mag es aber, dich ein bisschen leiden zu sehen«, flüsterte er mit verführerischem Tonfall in Reitas Ohr und lächelte, als hörte, wie dieser überrascht nach Luft schnappte. Er öffnete die Lippen, um zu protestieren, doch Ruki ließ ihm keine Gelegenheit dazu, sondern presste sich gegen ihn, ehe er ihn stürmisch küsste. Mit einem kräftigen Ruck befreite er sein Becken aus Reitas Griff und packte dessen Handgelenke, um sie über seinem Kopf auf die Matratze zu pressen, während er die Beine des anderen auseinander drängte. Er fühlte Reita in seinen Mund aufkeuchen und den Kuss ungeduldig vertiefen, ehe der andere ein Bein um seine Hüfte schlang, um ihn näher zu ziehen, doch Ruki stieß es von sich herunter. Für einen kurzen Moment wichen seine Hände von Reitas Armen, doch sobald er dessen Gürtel geöffnet und seine Hose von seinen Beinen gezerrt hatten, hielten sie ihn auch schon wieder fest. »Lass die Augen offen!«, befahl er mit fester Stimme, als er sah, wie Reitas Lider genüsslich zudriften wollten, und dieser folgte seiner Aufforderung ohne Widerworte. Ruki lächelte zufrieden, ehe er die Beine des anderen so weit auseinanderdrängte, wie es nur irgendwie möglich war. Einen Oberschenkel hielt er mit seinem Körper an seinem Platz, den anderen drückte er mit einer Hand nach außen, die er von Reitas Gelenken löste. Er sah deutlich, wie die Erwartung in Reitas Augen wuchs, spürte seine Erregung, als feuchte Lippen ein letztes Mal nach den seinen schnappten, ehe sich Ruki seinem Brustkorb zuwendete. Und diesmal ließ er keine Gnade walten. Seine Zähne kratzten über die weiche Haut, bissen und leckten über die aufgerauten Stellen, die die Peitsche hinterlassen hatte, während sich seine Fingernägel so fest in die angespannten Muskeln von Reitas Oberschenkels krallten, dass sie das Blut verdrängten. Der Bassist wand sich hilflos auf dem Bett, versuchte sich irgendwie gegen Ruki zu pressen, doch dieser hielt ihn fest und verstärkte seine Bemühungen nur noch, angeheizt durch die leisen gequälten Laute, die Reita von sich gab und die ihn wie auch schon im Club um den Verstand brachten. Er wollte mehr hören, stärker fühlen, wie sehr sich Reita nach seinen Berührungen verzehrte. Er wollte ihm alles bieten, Schmerz, Lust, und noch viel mehr, solange er nur in den halb geschlossenen Augen, deren Lider unstetig flatterten, erkennen konnte, dass Reita es genauso sehr genoss wie er. Langsam und lasziv ließ er seine Zunge um die dunkle Brustwarze des Blonden kreisen und kratzte vorsichtig mit den Zähnen darüber, ehe er einmal kurz zubiss und es genoss, wie sich Reita unter ihm aufbäumte, ehe er zurück auf die Matratze sank und sein Kopf in den Nacken rollte. »Küss mich …«, hauchte er erstickt und Ruki schluckte hart, als er spürte, wie seine Hose bei den Worten noch ein wenig enger wurde. Mit wenigen Handgriffen hatte er sich des lästigen Stoffs entledigt, ehe er sich auf Reita sinken ließ und dessen Lippen mit den seinen einfing, während seine Hand über den sich unstetig hebenden und senkenden Brustkorb wanderte, bis sie in seinem Schritt liegen blieb und diesen durch den dünnen Stoff der Panty zu reiben begann. Reita stöhnte unverhohlen in den Kuss auf und bäumte sich der Bewegung entgegen, doch er ließ sich noch immer von Ruki vollkommen leiten, die Augen halb geöffnet, wie dieser es befohlen hatte, während seine Zähne sanft an dessen voller Unterlippe zogen. »Mehr …«, flüsterte er in den Kuss hinein und obwohl Ruki ihn gern noch ein wenig hingehalten hätte, konnte er der Bitte nicht widerstehen und ließ seine Hand unter den Stoff gleiten, um Reitas Glied mit seinen Fingern zu umschließen und ihn zu massieren. Er spürte, wie sich der Bassist verkrampfte und die Beine noch ein Stück weiter spreizte, ehe sein Kopf in den Nacken fiel und er die Augen schloss, um die Berührung voll auskosten zu können. Ruki lächelte, als er sah, wie die feucht geküssten Lippen nach Luft schnappten, und obwohl er deutlich sah, dass Reita nicht mehr lange durchhalten würde, wenn er ihn weiter so offensiv reizte, verlangsamte er seine Bemühungen nur geringfügig. »Das wird dir gefallen«, hauchte er leise in dessen Ohr, bevor er an ihm hinabglitt und ihm die Panty über die Hüfte zog. Er leckte sich über die Lippen, als er dessen geschwollenes Glied sah, ehe er mit seiner Zunge über die Spitze fuhr und es schließlich so tief in den Mund nahm, wie er nur konnte. Er saugte und schlängelte seine Zunge um den harten Schaft, während zwei seiner Finger zu Reitas Mund wanderten und dessen Speichel aufnahmen, ehe er sie zwischen seine gespreizten Pobacken führte und mit einer einzigen, kurzen Bewegung hineinstieß. Er spürte, wie Reitas Becken in die Höhe zuckte, wie der Bassist einen gequälten Laut von sich gab, irgendwo zwischen Erregung und Schmerz, ehe er sich wild aufbäumte und mit einem gurgelnden Aufschrei in Rukis Mund kam. Ruki lächelte zufrieden, ehe er die weiße Flüssigkeit schluckte und seine Finger aus dem anderen herauszog. »Hat es dir gefallen?«, fragte er mit einem spitzbübischen Grinsen und leckte sich die Lippen sauber, als er seinen Oberkörper anhob und sanft Reitas Hals küsste. Der Bassist antwortete ihm nicht, seine Augen waren geschlossen und sein Brustkorb hob und senkte sich im Stakkato, doch der zufriedene Ausdruck in seinem Gesicht war Ruki Antwort genug. Vorsichtig wischte er Reita einige verschwitzte Strähnen aus der Stirn und küsste ihn sanft auf die Lippen, ehe er über seinem Gesicht verweilte und ihn dabei beobachtete, wie er sich langsam erholte. Reita so zu sehen, war wie in einem Traum. Zu wissen, dass er ihn zum Höhepunkt gebracht hatte, dass er der Grund für seine Erschöpfung war, für die kleinen Schweißperlen auf seiner Stirn und seinen beschleunigten Herzschlag, das war beinahe zu gut, um real zu sein. Und als er auch noch hörte, wie Reita leise seinen Namen hauchte und eine warme Hand über seinen Rücken tastete, konnte er sich nicht mehr beherrschen und schloss die Arme um ihn, um ihn eng an sich zu ziehen. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte sich Ruki wahrscheinlich selbst für diese lächerlich romantische Geste ausgelacht, doch jetzt war es einfach nur absolut richtig. Reita atmete ein klein wenig lauter ein als zuvor, doch nach nur wenigen Sekunden entspannte er sich und lächelte, ehe auch er seine Arme um Ruki schloss und ihn an sich drückte. Seine Lippen suchten nach Rukis Hals und nippten sanft an der warmen Haut, ehe er den Kopf auf die Matratze fallen ließ und leise lachte. »Was ist?« Ruki hob fragend den Kopf, doch Reita lächelte nur. »Schon ein bisschen her, dass ich durch so was gekommen bin«, sagte er und grinste, ehe er hinzufügte: »Und in real bist du noch viel besser als in meiner Vorstellung!« Ruki zog eine Augenbraue in die Höhe, doch dann musste auch er lachen und vergrub den Kopf in Reitas Halsbeuge. »Idiot«, murmelte er leise und fuhr mit den Fingerspitzen über dessen verführerische Lippen, die sich sofort für ihn teilten. Eine feuchte Zunge umschmeichelte seine Finger und Ruki seufzte unterdrückt auf, als ihn die Berührung daran erinnerte, dass ein gewisser Teil seines Körpers dringend nach Beachtung verlangte. »Du hast mir so viel Aufmerksamkeit geschenkt und selbst noch nichts bekommen«, hörte er Reita leise sagen, als hätte dieser seine Gedanken geahnt, und etwas in der Stimme des anderen ließ ihn stutzig werden. Verwundert hob er den Kopf, doch er sah nur ein diabolisches Grinsen, ehe er herumgeworfen wurde und sich plötzlich unter Reita mit dem Rücken auf der Matratze wiederfand. »Ich dachte, du seiest erschöpft!«, keuchte er überrumpelt, doch der andere grinste nur, ehe er mit den Zähnen nach Rukis Ohrläppchen schnappte und sanft daran zog. »Ich sagte schon einmal, ich bin nicht aus Zucker«, antwortete Reita und umschmeichelte mit seiner Zunge langsam Rukis Ohrmuschel, ehe er diesen von dem letzten Stück Stoff befreiten, das er noch am Körper hatte. Ruki gab einen wohligen Laut von sich, als sich Reitas Körper auf seinem niederließ und ihn nach unten drückte, doch obwohl der andere schwerer war, als er gedacht hatte, beschwerte er sich nicht. Er genoss das Gewicht, genoss den plötzlichen Machtwechsel, der ihm deutlich zeigte, dass er Reita nicht einfach in eine Schublade stecken konnte. Dass er in einem Moment devot mit gespreizten Beinen unter ihm lag, schien noch lange nicht zu bedeuten, dass er den Spieß in der nächsten Sekunde nicht schon umgedreht haben konnte. Eine Eigenschaft, die Ruki äußerst reizvoll fand. »Was tust du mit mir?«, fragte er und seufzte leise auf, als Reitas Hand zwischen seine Beine wanderte und zu streicheln begann, fest genug, um ihm ein erregtes Keuchen zu entlocken, aber bei weitem zu leicht, um ihm tatsächlich Befriedigung zu verschaffen. Er wollte sich ihr entgegenstrecken, doch Reita drückte ihn mit sanfter Gewalt zurück und schüttelte den Kopf. »Genießen!«, wies er ihn mit einem verschmitzten Lächeln an, bevor er an Rukis Körper herabglitt und jeden Zentimeter der weichen Haut mit Küssen zu überschütten begann. Der Kopf des Sängers kippte in den Nacken und seine Finger krallten sich in das Laken, während sich alles in seinem Kopf zu drehen begann. Er fühlte nur noch Lippen, feine Küsse auf seiner Brust, seinem Bauchnabel, seinen Oberschenkeln, eine flinke Zunge, die über seine angespannten Muskeln leckte, Zähne, die sich mal hier, mal dort in sein Fleisch gruben, doch der einzige Schmerz, den sie ihm zufügten, war so schnell verklungen, dass er ihn kaum bemerkte. Und selbst wenn er sich hätte entziehen wollen, er hätte es nicht mehr vermocht. Er hatte das Gefühl, unter Reitas Berührungen zu zerfließen, unter der Sanftheit, mit der sie ihn eroberten und ihm gleichzeitig keine andere Wahl ließen, als sich ihnen vollkommen hinzugeben. Er streckte die Hände aus, tastete mit den Fingern Reitas Schultern entlang und fuhr durch seinen Schopf, ihn beinahe unbewusst in die Richtung drückend, in der er ihn am dringendsten brauchte. Doch anstatt seinem Drängen nachzugeben, reizte Reita ihn nur noch weiter und machte bewusst einen Bogen um seine Körpermitte, bis Ruki glaubte, es keine Sekunde länger mehr auszuhalten. Er wollte Befriedigung, wollte Reitas Lippen um sich spüren und in seinen Mund kommen, doch stattdessen ließ ihn dieser mit einer Selbstbeherrschung zappeln, die Ruki nicht einmal annähernd begreifen konnte. »Reita!«, jammerte er und wand sich unter dem Bassisten, seinen Stolz hatte er schon lange über Bord geworfen. »Ich halte es nicht mehr aus! Tu was, bitte!« Er spürte, wie sich die Lippen des anderen an seiner Haut zu einem Lächeln verbogen, doch statt ihm endlich das zu geben, was er wollte, glitten Reitas Fingerspitzen zwischen seine Pobacken und fuhren hauchzart über den kleinen Muskelring, so dass Ruki erschauderte. Auf einmal war Reitas Zunge an seinem Hals, fuhr sanft die angespannten Sehnen entlang, bevor sie in seinen atemlos geöffneten Mund tauchte. »Ich will dich«, hauchte er so verführerisch in den Kuss, dass Ruki nur ein heiseres Keuchen von sich gab, als die Finger erneut über seinen Schließmuskel streiften. Trotzdem weitete er die Augen, irritiert darüber, um was Reita ihn soeben gebeten hatte. Er war automatisch davon ausgegangen, dass der andere den passiven Part übernehmen würde, auch wenn er ihm in den letzten Minuten mehrfach bewiesen hatte, dass er nicht so leicht einzuschätzen war. Doch der Finger, der sich gegen seine Öffnung presste und der Blick aus fast schwarzen, verengten Augen machten ihm nur allzu deutlich, dass Reita nicht scherzte. Und obwohl diese Art der Rollenverteilung für Ruki normalerweise nur sehr selten in Frage kam, war er in diesem Moment viel zu erregt und viel zu bereit für alles, was Reita ihm schenken würde, um zu widersprechen. So nickte er nur hastig, begierig darauf, endlich Befriedigung zu erlangen. Er sah Reita lächeln, ehe sich dessen Lippen auf die seinen legten und ihn in einen feuchten, sinnlichen Kuss verwickelten, der ihm auch noch den letzten Atem raubte. »Nachttisch«, presste er heraus, als Reita ihm endlich eine Pause gönnte, und der Bassist sah ihn überrascht an, als er die oberste Schublade öffnete und eine Tube Gleitgel hervorzog. »Ich sagte doch, ich steh auf Männer«, grinste Ruki, doch nur wenige Momente später warf er den Kopf mit einem verzerrten Laut in den Nacken, als der erste Finger in ihn eintauchte und ihn erschaudern ließ. Er war nicht daran gewöhnt, aber trotzdem hatte er jetzt keinen Drang nach einer langen Vorbereitung. Er wollte Reita, sofort! »Mach hin!«, stöhnte er mit zusammengebissenen Zähnen, das Ziehen ignorierend, das sich in seinem Unterleib ausbreitete, als Reita einen zweiten Finger in ihn presste. Er wusste es zu schätzen, dass ihm der andere den Schmerz ersparen wollte, aber wenn er nur noch eine Minute länger zögerte, würde ihn Ruki schlichtweg auf den Rücken werfen und sich selbst pfählen, wie Reita es im Club getan hatte. Doch der andere schien seine Ungeduld zu verstehen. Ruki sah das Feuer in seinen Augen glühen, als er das Gleitgel hastig auf seinem Glied verteilte, nicht weniger gespannt als Ruki selbst, ehe er dessen Oberschenkel griff und sie sich auf die Schultern legte. Ruki biss die Zähne zusammen und krallte die Finger in das Laken, doch es tat trotzdem mehr weh, als er erwartet hatte, als Reita endlich Zentimeter für Zentimeter in ihm versank, bis er ihn vollständig gefüllt und dabei jede Luft aus der Lunge gepresst hatte. Er fühlte sich wie ein Fisch auf dem Trockenen, schnappte nach Sauerstoff und verdrehte die Augen, doch er hatte nicht vor, Reita auch nur auf den Gedanken zu bringen, sich jetzt aus ihm zurückzuziehen. »Beweg dich!«, wies er ihn an und drängte sich dem Bassisten ungeduldig entgegen, als dieser nicht schnell genug auf seine Aufforderung reagierte. Langsam aber entschlossen begann Ruki sein Becken zu bewegen, drückte sich immer wieder gegen den anderen, bis er spürte, dass dessen Sorge um ihn kleiner zu werden schien und er sich, wenn auch noch vorsichtig, in ihn zu stoßen begann. Reitas Hände wanderten über seinen Brustkorb, verstrichen den dünnen Schweißfilm, der sich vor Anstrengung darauf gebildet hatte, und auch wenn Ruki es nur ungern zugab, beruhigte ihn diese sanfte Berührung, so dass er sich von Minute zu Minute mehr entspannte. Es tat immer noch etwas weh und er war sich klar, dass er am nächsten Tag sicher nur äußerst ungern sitzen würde, aber die Gewissheit, dass Reita in ihm war, dass es seine Hände waren, die über seinen Körper glitten, seine Brustwarzen reizten und sich schließlich endlich um sein Glied legten, um dieses im selben Takt seiner Stöße zu massieren, war alles, was für ihn wichtig war. Er stöhnte auf, als er spürte, wie der andere immer wieder den Winkel seiner Bewegung änderte, bis er schließlich gefunden hatte, was er suchte. Rukis Kopf kippte mit einem dunklen Grollen zurück und seine Hände lösten sich vom Laken, um sich stattdessen in Reitas Pobacken zu krallen und ihn so tief in sich zu stoßen, wie es nur irgendwie möglich war. Ein atemloses Stöhnen antwortete ihm und nur wenig später wurde seine Hand noch ein Stück weiter geschoben. Ruki brauchte keine zwei Sekunden, um zu verstehen, was ihm der andere damit sagen wollte. Beinahe automatisch fuhr seine Hand zwischen seine Beine, um etwas von dem Gel aufzunehmen, bevor er Reitas Pobacken spreizte und zwei Finger in ihn stieß. Der Bassist gab einen gepressten Laut von sich, ehe sein Oberkörper auf Rukis sank. Seine Zähne gruben sich in dessen Hals, entlockten ihm ein heiseres Stöhnen, und dieser stieß seine Finger so tief in Reita, wie es ihm aus seiner Position heraus möglich war, begierig jeden Ton aufsaugend, den dieser von sich gab. Er spürte, wie Reitas Stöße schneller wurden, und als er noch einen dritten Finger in die enge Öffnung zwängte, schien sich der andere nicht mehr zurückhalten zu können. Unbarmherzog rammte er sich in Ruki, pfählte ihn mit jedem Mal härter und härter, bis dieser beinahe zu atmen vergaß. Es tat weh, doch gleichzeitig durchflutete ihn ein so starkes Gefühl der Lust, dass er sich selbst nicht mehr unter Kontrolle hatte. Er wand sich, stöhnte ungehalten und warf sich dem anderen entgegen, obwohl er merkte, dass er seinen Körper mit jeder Sekunde näher an die Grenzen des Erträglichen brachte. Doch es kümmerte ihn nicht. Und mit einem Mal verstand er Reita. Er fühlte den Schmerz, doch anstatt gegen ihn anzukämpfen, ließ er ihn ungehindert durch sich hindurchströmen, wo er sich mit seiner Erregung vermischte, bis er ihn nicht mehr von dem berauschenden Gefühl unterscheiden konnte, das jede seiner Zellen durchzog. Er öffnete die Augen und erschauderte, als er Reitas Blick so intensiv auf sich gerichtet sah, als würde er ihn damit durchbohren wollen. Der andere beobachtete jede Regung in Rukis Gesicht, jedes Zittern seines Körpers und es schien ihn noch viel mehr anzuspornen. Seine Haut war leicht gerötet, seine blonden Haarsträhnen klebten ihm an der Stirn und seine Lippen waren so verführerisch geöffnet, dass Ruki sie am liebsten geküsst hätte, doch Reita drückte ihn so stark nach unten, dass er keine Kraft hatte, sich ihm entgegen zu biegen. Und mit einem Mal, als er die leicht geröteten Wangen des anderen sah, kam ihm eine Idee. Ohne darüber nachzudenken, was er genau tat, hob er seine freie Hand und ließ sie über die Brust des Bassisten gleiten, bis sie an seinem Hals angekommen war und zudrückte. Er konnte sehen, wie sich Reitas Augen weiteten, wie er einen kurzen Moment aus dem Takt kam, doch dann verengten sich seine Lider genüsslich, seine Zähne gruben sich in seine Unterlippe und er stieß sich so stark in Ruki, dass dieser wusste, dass der andere nicht mehr lange aushalten würde. Seine Wangen wurden noch ein Stück röter, seine Lippen schnappten nach Luft, doch obwohl er sich leicht gegen Rukis Hand hätte wehren können, presste er seinen Hals nur noch stärker dagegen, bis er plötzlich die Augen zusammenkniff und sich ein letztes Mal zustieß, ehe er kam. Ruki hielt den Atem an, als er spürte, wie sich Reita in ihn verströmte und der Griff um sein Glied härter wurde, doch obwohl er am liebsten den Kopf wild in den Nacken geworfen hätte, zwang er sich, die Augen geöffnet zu halten, um ja keine Sekunde zu verpassen. Er fühlte, wie sich alles in seinem Unterleib zusammenzog, wie sich der Schmerz und die Lust zu einem riesigen Gebilde auftürmten, bis er die doppelte Stimulation kombiniert mit Reitas anrüchigem Anblick nicht mehr ertragen konnte und alles über ihm zusammenfiel. Mit einem heiseren Schrei brach er den Augenkontakt und bäumte sich auf, ehe er zitternd und nach Atem ringend zurück auf die Matratze sackte. Er spürte, wie Flüssigkeit seinen Bauch hinablief, fühlte, wie Reita sich langsam aus ihm zurückzog, ehe er neben ihm auf das Bett sank, doch alles wurde verdrängt von seinen eigenen abgehackten Atemzügen, die hundertfach in seinem Kopf widerhallten. Wie durch einen Nebelschleier hindurch registrierte er, wie Reita ihn mit irgendetwas abwischte und dann einen Arm um ihn schlang, doch er konnte die Berührung noch nicht einmal erwidern. Alles in seinem Kopf schien wie leergefegt und er brauchte mehrere Minuten, bis er sich überhaupt wieder regen konnte. Weiche Lippen tasteten über seine Schulter und als er es schließlich endlich fertig brachte, den Kopf zu drehen, sah er direkt in Reitas dunkle Augen. »Erschöpft?«, fragte der andere mit einem Schmunzeln und Ruki konnte sich beileibe nicht erklären, wie er sich so schnell erholt haben konnte. So nickte er nur und Reita lächelte, ehe er ihm einen Kuss auf die Lippen drückte. »Zu erschöpft, um weiterzumachen?«, fragte er weiter und Ruki riss die Augen auf, ehe er zögerlich den Kopf schüttelte. »Gib mir nur ein paar Minuten«, brachte er mühsam hervor, obwohl er sehr stark bezweifelte, dass er sich überhaupt noch bewegen konnte, geschweige denn, noch einmal so etwas durchzumachen. So überwältigend es auch gewesen war, er war einfach nur komplett ausgebrannt. Doch Reita schien ihn zu durchschauen, denn er grinste nur, ehe er seinen Kopf auf die Matratze sinken ließ, scheinbar auch erschöpfter, als er zugeben wollte. »Hast du dann was gegen kuscheln einzuwenden?« Ruki sah ihn erstaunt an, aber dann musste er grinsen. Dieser Abend offenbarte ihm mehr über Reita, als er jemals erwartet hatte. »Nicht wirklich«, antwortete er leise und schloss genüsslich die Augen, als Reita ihn an sich heranzog und Ruki auf seine Brust zog, eh er seine Arme um ihn schloss. Ruki lächelte nur und griff mit seiner Hand nach Reitas, eine Geste, die er unter normalen Umständen als weich abgestempelt und sich nicht gestattet hätte. Doch mit Reita war absolut nichts normal. »Weißt du was …«, begann er nach einigen Momenten nachdenklich und lächelte verschmitzt, als der Bassist ihn fragend anblickte. »Dieses S/M Zeug … Das können wir in Zukunft ruhig öfter ausprobieren. Wenn das jedes Mal so gut wird wie heute, dann könnte es mir tatsächlich gefallen.« Reita blickte ihn so überrascht an, dass sich Ruki nur mühsam ein Lachen verkneifen konnte, ehe die Augen des anderen mit einem Mal spitzbübisch zu funkeln begannen und er sich zu Ruki hinabbeugte, um ihm spielerisch in die Unterlippe zu beißen. »Oh, glaub mir«, antwortete er mit einem so verführerischen Tonfall, dass Ruki sofort wusste, dass er alles tun würde, was Reita jemals von ihm verlangte. Und er würde jede Minute davon lieben. »Es wird noch viel besser …« ''the EnD'' ************ Aftertalk: Sooooo, na endlich! Sie haben getan! Schwerer von Begriff kann man ja fast nicht sein. Alte Sturköpfe. Aber sind Männer, es sei ihnen verziehen. Sie sind einfach nicht zu so großen geistigen Höchstleistungen fähig. Eigentlich wollte ich ja lieb-Pärchensex schreiben. Aber ich kann keinen lieb-Pärchensex schreiben. Vielleicht auch gut so. Hätte irgendwer vorher gedacht, dass Ruki unten ist? *ggg* Wer sich jetzt fragt "und was ist mit Reitas gespaltener Persönlichkeit? Trug der die Nasenbinde oder nicht?", dem kann ich sagen: privat trägt er das Teil normalerweise nie. Und lasst den Jungs doch ein bisschen Zeit, ihre kleine Spielwelt vollständig zu entwickeln^^ Sowas entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. Immerhin sind sie echt lange ein Paar. Das war erst mal das letzte Kapitel von Sugar Pain. Was im nächsten Sequel kommt und wann dieses genau erscheint, kann ich noch nicht sagen. Ich werde sicher weiterschreiben. Aber gerade konzentriere ich mich ein bisschen mehr auf die Korrektur von meiner Romanreihe Asherate, deren Band 3 noch dieses Jahr erscheinen wird ^_^ *Konfetti schmeiß* Wer meine Erzählweise und meinen Stil mag (abgesehen von scharfen Kriegern, heißen Fürsten, Verschwörungen und jeder Menge magischer Abenteuer), sollte da unbedingt mal reinlesen^^ Mehr Infos gibts auf meiner Webseite http://www.raphael-asdrai.de.vu Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)