Liebe... sie müssen zueinander finden! von 4Kolibris (eine One Piece Fanfic mit Nami und Sanji, die ineinander verliebt sind...) ================================================================================ Kapitel 28: Collapse - Gegenwart -------------------------------- Kapitel 28: Collapse - Gegenwart Namis Sicht Wieder einmal trafen wir uns bei Ruffy zu Hause. Seine Wohnung war schon immer am besten geeignet, wenn wir bei jemandem übernachten wollten. Beim Abendessen planten wir für die Ferien, ob wir zelten oder wandern gehen sollten. Ruffy wollte zwar noch in Urlaub fahren, aber wir würden sicherlich einen Termin finden, an dem wir alle konnten. Vivi war leider nicht dabei, was, glaube ich, Ruffy schade fand. Als er mir die Haustür aufgemacht hatte, hatte er ganz enttäuscht geguckt. Ihm war es nie egal, seine Gefühle offen zu zeigen, was ich schon immer gut fand. Er hatte wohl irgendwie mit ihr gerechnet, dass würde ich ihr noch erzählen. Sanji spülte später das Geschirr ab, weil Ruffys Spülmaschine defekt war. Wir anderen gingen in den großen Garten, breiteten dort Decken aus und wollten Sternschnuppen gucken. Das wurde schon lange angekündigt, dass man in der Nacht viele Sternschnuppen sehen konnte. Ruffys Garten bestand aus viel Gras und wild wuchernden Pflanzen, da sich keiner um das Unkraut kümmerte. Die Decke konnte trotzdem glatt gestrichen werden, da wir vorher viele Nüsse, Tannenzapfen und Steine woandershin geworfen hatten. Wir pendelten alle vom Garten und der Wohnung hin und her, um die verschiedensten Sachen zu besorgen. Lysop holte Taschenlampen, Ruffy füllte Früchtetee in Thermoskannen ab, Zorro holte irgendwie Zeitschriften, keine Ahnung was für welche und wozu, ich suchte nach einer Umhängejacke, weil es abends kühl war, Sanji bereitete alles für die Marshmallows vor, wir liefen richtig kreuz und quer. Lysop hatte einen kleinen Elektrogrill mitgebracht und den wollten wir unbedingt austesten. Ich fand meine blaue Übergangsjacke und zog sie an. Die Hälfte der Jungs war draußen und baute alles auf. Ich lief durch den Flur und wollte zu ihnen, lief dabei an der Küche vorbei und blieb stehen. Wie von selbst warf ich einen Blick hinein und sah Sanji, der mit dem Rücken zur Wand gelehnt stand und sich den Kopf hielt. „Ist alles okay?“ fragte ich vorne weg, damit er mich bemerkte. Doch meine Stimme schien nicht zu ihm durchgedrungen zu sein, denn er änderte seine Position nicht, sah nur verkrampft aus und hatte starke Kopfschmerzen. Ich lief noch zwei Schritte auf ihn zu und fasste ihn an seiner Schulter, dass er merkte, dass ich da war. Doch er regte sich immer noch nicht. „Sanji?“ Langsam öffnete er seine Augen, aber schloss sie gleich darauf wieder. Seine Hände pressten fester auf seinen Kopf, er hatte RICHTIGE Schmerzen! Was konnte ich tun? Was sollte ich sagen? „Sanji, magst du dich hinlegen? Oder was trinken?“ Immer noch keine Reaktion, er lehnte mit ganzem Gewicht mit der Schulter an der Wand und hatte alle Gesichtsmuskeln angespannt. Seine Stirn war gerunzelt und die Augen zusammengekniffen. „Sanji!?“ Ich kam nicht zu ihm durch, doch dafür bekam er noch Bauchschmerzen hinzu, sowie ich in Panik geriet. Ich lief aus der Küche und aus der Haustür raus, da stieß ich mit Zorro zusammen. „Mensch, pass doch auf!“ motzte er mich an, was aber nicht weiter schlimm war. „Du Zorro, ruf mal Ruffy bitte ganz schnell! Sanji ist schlecht!“ Ich drehte mich auf Ansatz um und überließ Zorro seiner Aufgabe. Ich kam zurück in die Küche, wo Sanji an der Wand gelehnt auf dem Boden saß, sich immer noch den Kopf und den Bauch hielt. Wieso hatte er nur auf einmal solche Schmerzen? Ich kniete mich vor ihn hin. „Die andren kommen noch. Warte noch kurz.“ Ich wollte gerade aufstehen, um ein Glas Wasser zu holen, da durchzuckte mich ein kleiner Schock. Als es mir nicht so gut ging, war ich froh, dass Sanji niemand anderes geholt hatte, denn ich wollte unter keinen Umständen, dass mich noch jemand anderes in so jämmerlichen Zustand sah. Und genau das hatte gerade ich angerichtet! Wenn jetzt alle kommen und um Sanji stehen und sich fragen was er hat, ist es genau NICHT das, was er eigentlich wollte! Ich könnt mir den Kopf einschlagen, ich war ja so dumm! Vielleicht wäre er nachher sauer auf mich, weil ich einfach alle gerufen hatte, als es ihm schlecht ging! Ich meine, Jungs haben auch ihren Stolz und wollen nie zeigen, wenn es ihnen schlecht geht. Wieso musste ich auch immer so mütterlich rüberkommen und denken, ich würde alles richtig machen? Man hörte schon, dass sie anderen schnell eintrudelten. Sanji hatte die Beine angezogen und hielt sich den Bauch, er hatte sich ganz sicher etwas eingefangen. Ich blieb in der Hocke, um auf selber Augenhöhe mit ihm zu bleiben. Ruffy und Lysop versuchten, mit ihm zu sprechen. „Hey, Kumpel, was hast du?“ „Wo tut’s dir denn weh?“ „Sollen wir einen Arzt rufen?“ „Kannst du uns überhaupt hören?“ Sie plapperten einfach weiter, ohne ihm Zeit zu lassen, auf etwas zu antworten. Wobei, er hörte wahrscheinlich genauso wenig zu, wie bei mir vorhin. Er war total mit sich selbst beschäftigt, was mir richtig Leid tat. In letzter Zeit war er schon immer total schlapp gewesen, und heute schien es Konsequenzen für ihn zu haben. Ausgerechnet in den Ferien krank werden ist ja auch nicht das Wahre. Ihm war sicher schwindelig und übel, ich wusste es nicht genau, aber Ruffy stand auf. „Was machst du?“ fragte Lysop und Ruffy durchsuchte ein paar Küchenschränke. „Ah, hier!“ wurde er fündig und kam gleich darauf mit einem Glas Wasser zu Sanji. „Hier, eine Kopfwehtablette. Danach geht’s dir besser.“ Wollte er ihn aufbauen und ich fand es irgendwie süß von ihm, dass er sich so normal benahm. Immer wenn es einem von uns schlecht ging, war er total verantwortungsvoll und hatte sinnvolle Ideen. Er mochte es auf keinen Fall, wenn es einem von uns schlecht ging. Zwar hielt Ruffy ihm das Glas hin, aber Sanji regte sich immer noch nicht. Das Atmen machte ihm wohl schwer zu schaffen und es tat mir weh, nichts für ihn tun zu können! „Hey, nimm schon.“ forderte Ruffy ihn nochmals auf und Sanji öffnete tatsächlich seine Augen. Er brauchte kurz, um zu realisieren, dass wir alle um ihn herum standen, und er wollte aufstehen. Mit den Händen stütze er sich vom Boden und auch an der Wand ab, Ruffy und ich wollten ihn unter seinen Armen packen. Doch als er praktisch schon auf den Beinen stand, kippte er um. Damit hatte keiner gerechnet und für einen Sekundenbruchteil hielt die Zeit an, bis sein Körper hart auf dem Boden aufkam. Keiner hatte schnell genug mit Reflexen reagiert, um ihn aufzufangen. Alle waren von einer Sekunde auf die nächste aufgewühlt!. „SANJIIII!!!!“ schrie Lysop, Ruffy lauschte nach seinem Herz und bei mir brach der Schweiß aus! Die übertrieben es vielleicht, aber dass hatte uns alle tierisch erschrocken! Sanji war zusammengebrochen und in dem Durcheinander kam Ace nach Hause, von seiner Arbeit, er hatte ja keine Schulferien. Zorro klärte ihn in Sekundenschnelle auf, was los war und Ace schnappte sich das Telefon, um den Notarzt zu rufen. Ruffy hatte ihn auf den Rücken gedreht, dass wir ihm besser ins Gesicht sehen konnten. Ich fühlte an seiner Stirn, ob er Fieber hatte, aber sie war nur sehr warm. Was fehlte ihm bloß? Ich machte mir richtig Sorgen und wusste genauso wenig wie die Jungs, was ich tun könnte. „Die schicken einen Krankenwagen.“ beruhigte uns Ace, doch das änderte noch lange nichts daran, dass Sanji litt! Erstmal mussten wir warten, und das war furchtbar. Sanji atmete gleichmäßig, seine Augen waren geschlossen und sein Arm lag so da, als wollte er sich weiterhin den Kopf halten, aber kam nicht ganz dran. Ich strich ihm Haarsträhnen aus dem Gesicht und schaute abwechselnd zu den anderen. Sie standen nur rum und wurden ungeduldig. Aber am meisten betroffen war immer noch Sanji. Ich versuchte, mit ihm zu reden, vielleicht hörte er ja etwas. „Sanji? Hörst du mich?“ Keine Reaktion, ich sah zu Ruffy, der meinen Blick erwiderte. Besorgnis. „Sanji? Brauchst du was? Können wir was für dich tun?“ versuchte ich es noch mal, aber wurde wiederum nicht erhört. Das machte einen echt kribbelig, seinem Freund so hilflos beistehen zu müssen. Wir konnten nur auf den arschlahmen Krankenwagen warten. Aber irgendwo hatte Sanjis Zusammenklappen auch was Gutes, denn jetzt konnte ich ihm über sein Gesicht streichen. Ich hielt schon die ganze Zeit seinen Kopf und es fiel auch niemandem besonders auf, dass ich diese Position eingenommen hatte. Ob er bewusstlos war? Sein Kopf war total gerötet und er hatte Probleme, wenn er schlucken musste, da es schon an seiner Atmung haperte. Er drehte seinen Kopf auch manchmal zur Seite, von ihm ging richtig viel Wärme aus und er schwitze wahrscheinlich vor Anstrengung. Für mich sah das nach hohen Fieber aus, aber das hatte er ja nicht. Das war eher ein Kreislaufkollaps, das hatte ich bis dato noch nie hautnah miterlebt. Hoffentlich hatten die Ärzte auch gleich das nötige Zeug dabei, um ihm zu helfen! Ich nahm Sanjis Hand und streichelte, drückte sie. Ich war doch bei dir, halte durch. Soviel ich mitbekommen hatte, stellte sich Ace vor die Haustür, um dem Krankenwagen zuzuwinken, damit die wussten, dass der Notruf aus diesem Haus kam. Lysop hatte einen Waschlappen mit kaltem Wasser auf Sanjis Stirn gelegt, da sonst keinem etwas Besseres einfiel. Als das Sirenengeräusch aus der Ferne ertönte, fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen! Pure Erleichterung ergriff mich und ich drückte Sanjis Hand, wodurch er seine Augen öffnete. Das hatte ich nicht direkt beabsichtigt, aber jetzt konnte es nur besser werden. „Hey, Sanji!“ hieß ich ihn Willkommen zurück, Lysop brachte nichts raus und Ruffy fiel gleich mit der Tür ins Haus. „Die Männer in weiß kommen, um dir zu helfen! Sie sind gleich da!“ versuchte er mit fröhlichem Ton Begeisterung wachzurütteln. Ich sah Sanji ins Gesicht und er musste kurz ordnen, was wir gesagt hatten. Lysop meldete sich nun auch zu Wort. „Mann, Sanji, du hast uns alle voll erschreckt! Wir haben schon den Notarzt gerufen, die kümmern sich gleich um dich.“ Den Geräuschen zu Urteilen nach, hatte der Krankenwagen soeben vor dem Haus geparkt. Sanji wollte sich aufrichten, doch Ruffy und auch sein eigener Körper spielten nicht ganz mit und er landete wieder auf dem Rücken. „Bleib liegen!“ befahl Ruffy streng. Sanji sagte jetzt auch was. „Ich – ich brauch keinen Krankenwagen!“ Jetzt machte er einen auf topfit, aber das nahm ihm doch keiner ab. „Unsinn, die schauen sich dich nur an.“ hielt ich gegen seine Lüge, doch er weigerte sich nachdrücklich. Dabei sah er nach vorne, oder oben, irgendwohin, aber nichts ins Gesicht von einem von uns. „Nein! Ich will das nicht! Ich brauche keine Ärzte! Es geht schon besser!“ ächzte er unter Schmerzen und verzog wieder das Gesicht. Lysop stellte sich mit gegrätschten Beinen über Sanjis Unterleib und sah ihn böse an. „Von wegen, du kommst ja noch nicht mal hoch! Erst jagst du uns so ’nen Schrecken ein und behauptest jetzt, es wäre nichts.“ Sanji hörte wohl wieder nicht zu, was wir sagten und dass wir es gut mit ihm meinten, denn er wollte sich nicht wieder beruhigen. „Ich brauche keinen Arzt! Ich will nicht ins Krankenhaus!“ Die Ärzte kamen in dem Moment rein und checkten schnell, wer der Patient war. Lysop, Ruffy und ich machten Platz, dass sie sich um Sanji verteilen konnten. Einer überprüfte, was fehlte und Sanji wurde wütend. Dass war bestimmt nicht gut für seine Nerven, wenn er jetzt anfing, sich aufzuregen. „Geht weg! Ihr braucht mich nicht zu untersuchen! Ich will keine Hilfe von euch!“ Mir tat das richtig weh, dass er sich nicht helfen lassen wollte. Warum war er nur so stur und gegen Ärzte? Die sind doch zum Helfen da! Und dass Sanji so unhöflich mit ihnen sprach fand ich auch nicht normal. Einen Moment lang kam er mir wie ein junger Hund vor, der sich mit allen Mitteln wehrte, weil er vielleicht mal schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Wir anderen wollten auf ihn einreden, dass er es gut sein lassen sollte, doch da die Männer vom Rosa Kreuz an ihm rumfummelten, blieben wir still. Alle guckten genau zu, Sanji fing sogar an zu Strampeln, das war alles echt heftig! Alles ging total schnell und sie hatten ihm erstmal ein paar Valiumtabletten rein geschmissen, dass er sich beruhigte. „Was hat er denn?“ fragte Ace, der sich nur im Hintergrund gehalten hatte und sich beteiligen wollte. Ein junger Mann schüttelte den Kopf. „Können wir noch nicht genau sagen. Wir müssen ihm erstmal Blut abnehmen.“ Zorro schaltete sich auch ein. „Ihr wisst nicht mal, was er hat!? Bis ihr Blut abgenommen habt und wisst, was los ist, dauert es doch ewig! Seht ihr nicht, dass es dem Kerl da schlecht geht!?“ Lysop stellte sich vor ihn und entschuldigte sich auf der Stelle. „Tut mir Leid, mein Freund hier macht sich bloß Sorgen! Machen Sie bitte weiter, um Sanji zu helfen.“ Zu Zorro fauchte er so was wie ’Idiot!’ und verfolgte dann die weitere Behandlung. Sanji konnte sich gar nicht mehr widersetzen, er biss die Zähne zusammen und musste es zwangsweise über sich ergehen lassen. Ich sah nicht genau auf seine Armbeuge, als sie ihm Blut abnahmen, sondern in sein Gesicht. Der eine Mann stand auf und lief zu seinem Kollegen, sodass niemand mehr hinter Sanjis Kopf stand. Ich nahm die Stelle sogleich in Beschlag und kniete mich zu Sanji runter. Er erkannte mich und verzerrte wieder das Gesicht. Seine Schmerzen nahmen einfach nicht ab, immerhin hatten die Ärzte ihm noch nichts verabreicht, dass ihn weitergebracht hätte. Ich berührte vorsichtig seinen Hinterkopf, seine Haarsträhnen, keiner bemerkte es. „Sanji, das wird schon wieder.“ sagte ich leise, denn es musste nicht gleich jeder mitbekommen. Die Rosakreuzmänner liefen vom Krankenwagen und Aces und Ruffys Haus hin und her, um das Blut zu analysieren. Letztendlich wollten sie Sanji in einer Trage in den Wagen bringen. Keiner, außer Betroffener selbst, hatte etwas einzuwenden. Ich konnte nicht nachvollziehen, weshalb Sanji solche Angst hatte, oder eben Wut. Die Männer holten eine Trage und Sanji musste sich einfach deren Willen beugen, was ihm offensichtlich nicht in den Kram passte. Da er gleich eh weggebracht wurde, strich ich über seine Stirn. Er sollte wissen, dass ich mich um ihn kümmerte. Er machte die Augen auf und traf direkt in meine, sein Blick war unglaublich stechend und mir lief es heiß –nein, kalt- den Rücken herunter, ganz langsam. Ich wendete meinen Blick aber nicht ab, sondern hielt ihm stand. Ich wollte irgendetwas sagen, dass er sich nicht den Ärzten gegenüber verschließen sollte, aber es kam nichts raus. Die Notärzte stellten die Trage ab und wollten an Sanji anpacken. Dieser schloss die Augen und hatte wohl wieder einen Schmerzensschub. Er wurde in den Wagen gebracht und wir alle standen vor dem Haus versammelt. Das alles ging richtig schnell, jetzt sollte Sanji wohl ins Krankenhaus verfrachtet werden. Mir wurde in dem Augenblick schon klar, dass ich ihn im Krankenhaus auf jeden Fall besuchen würde. Aber anstatt abzufahren, blieb der Krankenwagen in der Einfahrt stehen. Einige Nachbarn guckten aus den Fenstern zu, und wir alle wurden zu Schaulustigen. Sanjis Wohlergehen lag jetzt in guten Händen, das Einzige, das eben blöd war, war, dass sich Sanji so geweigert hatte. Man kann ja nur schlecht gesund werden, wenn man sich gegen Medizin verschließt. Dann hauten die Ärzte die hinteren Wagentüren zu und wollten anscheinend abfahren. Ruffy lief um das Auto herum auf die Fahrerseite. „Und was hat er jetzt!?“ Der vermutliche Fahrer gab, wie zu vermuten war, keine Auskunft. „Ärztliche Schweigepflicht.“ Es brachte nichts, die noch weiter zu löchern, das hatte er dann auch kapiert. Sie stiegen ein und mir kam ein brillanter Einfall. Ich klopfte noch rechtzeitig an die Beifahrerseite und fragte den einen jungen Kerl, ob ich mitfahren könnte. „Nein, nur Angehörige dürfen mit!“ „Ich bin seine Schwester!“ log ich, hätten sie nach meinen Personalien gefragt, hätte ich meinen Ausweis natürlich vergessen. Er zögerte einen Moment, übereichte diese Nachricht an den Fahrer und dieser erlaubte mir, mitzufahren. Die Jungs hatten diese Lüge mitgekriegt, aber waren schlau genug, nichts auffliegen zu lassen. Mir wurde die Kofferraumklappe geöffnet und mein Herz machte einen Mordssprung, dass die das echt schluckten! Bevor die es sich anders überlegten, stieg ich ein. „Ich ruf euch dann sofort an, wenn ich was weiß!“ sagte ich zu den Jungs und verschwand dann in Sanjis Obhut. Ich durfte mitfahren, da es ja kein ernster Notfall war. Ich verstand nicht ganz, wieso sie jetzt unbedingt ins Krankenhaus wollten, aber Hauptsache, sie würden ihm helfen. Bei der Fahrt saß ich auf einem kleinen, mit Stoff überzogenen Hocker. Sanji lag widerwillig auf dem Liegebett und ich weiß nicht, ob er mitbekommen hatte, dass ich mitfuhr. Um ihn hantierte ein junger Mann, vielleicht der Erfahrenste von den dreien. Ich blieb still, so wie es in den Normen stand, und sah auf Sanji. Auf Warten war ich nicht gerade scharf, aber da es um Sanji ging, war es etwas ganz anderes! Ich sah auf die Uhr am Ende des Ganges, sie tickte sehr viel langsamer als andere Uhren, außerhalb vom Krankenhaus. Sanji wurde gerade untersucht und ich hing vor dem Wartezimmer rum. Mal stand ich, mal saß ich, mal holte ich mir eine heiße Schokolade, für Zeitschriften hatte ich keinen Nerv und nach einer dreiviertel Stunde wurde Sanji auch schon entlassen. Er war also doch nicht schwer krank, ich hatte schon mit allem Möglichen gerechnet! Asthma, Krebs, Diabetes, keine Ahnung was! Er lief aus dem Zimmer und hatte wohl noch einen wackelnden Kopf, da er ein wenig taumelte. Aber er konnte schon mal gehen, immerhin ein Anfang. Sollte ich hinter ihm her? Brauchte er erstmal frische Luft und fünf Minuten für sich alleine? Unentschlossen stand ich vor der Tür, da kam eine junge Krankenschwester heraus. „Ah, hallo.“ sagte sie und ich wunderte mich erstmal, dass sie gleich einen netten Eindruck machte. Aus dem Fernsehen kannte man Krankenschwestern nur als hektisch, ’ich- darf-nichts-sagen’ und verschlossen, doch dass sie mich von sich aus ansprach, fand ich schon mal toll. „Hallo.“ grüßte auch ich zurück und sie sah sich kurz um. „Sie sind doch die Schwester von dem Patienten, den wir gerade hatten, oder? Oder verwechsele ich sie da mit jemandem?“ Ich schnallte sofort, dass sie mit einer Verwandten sprechen wollte und stieg in das Schauspiel ein. „Ja, ich bin seine Schwester Seulgi.“ Hatte ich den Namen richtig ausgesprochen? „Also, seine Halbschwester wollte ich sagen.“ korrigierte ich mich, nicht, dass sie genauere Informationen hatten. Oh Shit, hoffentlich verlangte sie jetzt keine Geburtsdaten oder andere Angaben von mir, dann wäre ich geliefert! „Ja, also, ich wollte fragen,“ fing sie vorsichtig an, sah sich noch mal um, ob jemand den langen Gang entlanglief, „ob Sanji vielleicht physische Probleme hat? Schulisch oder familiär, meine ich?“ Sie war wohl total eine Anfängerin, aber mir zu Gunsten. Ich musste erstmal über diese Frage nachdenken. Schulisch oder familiär? „Also ich glaube, dass es bei ihm in der Schule schon gut läuft. Also das Schuljahr hat er erstmal gepackt, wir haben gerade Ferien. Und in der Familie...“ Ich schwank meinen Blick ein wenig hin und her, um ihr vorzumachen, dass ich überlegte, doch dann schüttelte ich den Kopf. „Also vor mir war jetzt eigentlich nichts, würde ich sagen.“ Die Schwester pulte an ihren Fingernägeln herum und sprach weiter. „Ja okay, dann kann ich auch nicht weiter helfen.“ Sie wollte sich wohl von mir abwenden, da hielt ich sie noch mal auf. „Wieso? Was hat er denn?“ Ich wusste, dass ich bei ihr bohren konnte, bis sie mir etwas sagte. Solange kein Arzt in der Nähe war konnte ich mir das erlauben. Sie wollte was sagen, doch ich kam ihr zuvor, um sie in Bedrängnis zu versetzen. „Bitte sagen Sie mir, was er hat! Er ist doch mein Bruder!“ „Also,“ fing sie an und ich konnte es kaum erwarten. „Ja, was?“ „In der Blutprobe haben wir... also wenn ich jetzt mit Fachbegriffen komme, verstehen Sie sicher nichts.“ lachte sie kurz ablenkend, doch mein Blick wies sie wieder zurecht. Sie merkte das auch schnell und räusperte sich. „Also wir haben Reste von Drogen bei ihm gefunden, er scheint vor kurzer Zeit mal so einiges genommen zu haben.“ Mein Kopf kippte weg. Ihr war es sichtlich unangenehm, es mir gesagt zu haben, war ihr eigentlich klar, dass sie dadurch ihren Job verlieren konnte? Aber egal, das schockte mich jetzt, um ehrlich, ehrlich zu sein. „Und...“ versuchte ich eine Frage zusammenzubringen, doch meine Zunge hemmte mich. „Und warum? Und was für welche? Und wann war das?“ Viel zu viele Fragen auf einmal, jetzt würde ich erst recht keine Antwort mehr bekommen! Die Krankenschwester wendete sich so, dass sie gehen müsse und wollte mich abwürgen. „Also, eigentlich darf ich das nicht sagen, das hab ich jetzt nur, weil sie die Schwester sind und so...“ redete sie sich raus und ich konnte sie nicht mehr aufhalten. „Ich habe Ihnen das nur gesagt, weil man Probleme immer an der Wurzel packen muss. Vielleicht können Sie ihm erstmal am Besten weiterhelfen.“ Sie lief den Flur entlang und ich setzte mich auf einen, an der Wand fest angeschraubten, Stuhl. Sanji und Drogen, diese beiden Wörter passten einfach nicht in einen Satz. Diese Information musste erstmal sickern. erstellt am 01.05.2007 4Kolibris, Elena Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)